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Calpes neues Wahrzeichen - Muralla Roja dank Netflix-Serie „Squid Game“ berühmt

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Von: Oliver Stahmann

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Die Muralla Roja vom Star-Architekten Ricardo Bofill
Das Muralla Roja in Calpe - diente das Gebäude dem Netflix-Hit „Squid Game“ als Vorlage? © Oliver Stahmann

Die Netflix-Serie „Squid Game“ hat das Gebäude Muralla Roja in Calpe berühmt gemacht - doch die Bewohner sind alles andere als begeistert.

Calpe - Bei einer Fahrt durch Calpe an der Costa Blanca sticht sofort der imposante Felsen Peñón de Ifach ins Auge, Calpes bekanntes Wahrzeichen kann man aus jedem versteckten Winkel der Stadt wahrnehmen. Man kann die Salinas – den Salzsee – sehen, in denen sich an einem klaren Tag die Silhouette der Stadt im Wasser spiegelt. Hat man Glück, befinden sich die unzähligen rosaroten Flamingos auf einem ihrer Gruppenflüge über dem See. Ansonsten gibt es da eine etwas instabil wirkende Brückenkonstruktion, die die Avenida Europa vom kleinen Einkaufszentrum La Plaza aus überspannt, und Kreisverkehre, die in Spanien niemand so richtig zu umfahren weiß, und Schlaglöcher, von denen auch niemand so richtig weiß, wie sie zu umfahren sind.

Markantes Wohngebäude in Calpe: Muralla Roja inspirierte Netflix-Hit

Dass Calpe aber auch eines der angesagtesten architektonischen Schmuckstücke Spaniens beherbergt, merkt man auf den ersten Blick nicht. Es gibt keine Schilder, die darauf aufmerksam machen, die Informationen über das Gebäude Muralla Roja sind spärlich und eher auf Internetseiten für Architekturfans zu finden. Man kann praktisch ein halbes Leben an der Costa Blanca verbringen, ohne jemals auf die Muralla Roja gestoßen zu sein.

Nur vom Hafen und vom Peñón aus kann man das in den 70er Jahren fertiggestellte Wohngebäude sehen, wenn man an der Küstenlinie von Calpe in Richtung Süden schaut. Dort ragt es wie eine kleine Festung aus den Klippen heraus. Bei Sonnenuntergang schimmert die „rote Wand“ so rötlich wie die Flamingos am Abendhimmel, und wahrscheinlich war das die Absicht des berühmten spanischen Architekten Ricardo Bofill, der im Januar 2022 starb.

Calpe: Treppen in „Squid Game“ ähneln denen im Gebäude Muralla Roja

In der Umgebung des imposanten Gebäudes in Calpes Urbanisation Manzanera war es stets eher ruhig und wahrscheinlich wäre es auch so geblieben – wenn nicht im September 2021 die koreanische Serie „The Squid Game“ auf Netflix ausgestrahlt worden wäre. „The Squid Game“ entwickelte sich in kürzester Zeit zu einem weltweiten Publikumserfolg, wurde in nur vier Wochen von 142 Millionen Netflix-Nutzern aufgerufen und führte die Charts der beliebtesten Streams in 94 der 200 Länder an, in denen Netflix verfügbar ist.

Die Ästhetik der Serie orientiert sich an Klassikern wie „Metropolis“, „1984“ oder der spanischen Erfolgs-Serie „La Casa de Papel“. Hervorstechend waren jedoch die Szenen, in denen die Teilnehmer dieses Spiels um Geld und Leben eine Art Zwischenraum durchqueren mussten, der aus einem bunten Treppen-Labyrinth bestand. Der künstlerische Leiter, Hwang Dong-hyuk, erklärte, er habe sich von M.C. Eschers Relativitätslithographie inspirieren lassen. Obgleich die mit Treppen gefüllten Korridore von „The Squid Game“ ähnlich sind, sind sie wesentlich farbenfroher als der monochrome Fiebertraum des niederländischen Künstlers und ahmen die bonbonfarbenen Töne von Kinderspielhäusern nach. Und die Farben in „The Squid Game“ ähneln haargenau den Treppen-Aufgängen in Ricardo Bofills Muralla Roja in Calpe.

Calpe: Stararchitekt Ricardo Bofill baute Muralla Roja in den 70ern

Die Hauptinspiration für das Gebäude Muralla Roja, das zwischen 1969 und 1974 in Calpe gebaut wurde, waren jedoch laut Bofill die maurischen Kasbahs. Mit der Muralla Roja wollte der katalanische Architekt ein geometrisches Labyrinth aus Treppen und licht- und schattendurchfluteten Wohnräumen schaffen, ganz im Sinne des Konstruktivismus. Heute beherbergt die Muralla Roja 50 Wohnungen in drei verschiedenen Größen – 60, 90 und 120 Quadratmeter – sowie einen Swimmingpool in Form eines Kreuzes auf der Dachterrasse. Von überall aus hat man einen unverbauten Blick auf die herrliche Costa Blanca, das Meer und natürlich auf Calpes Wahrzeichen, den hoch aufragenden Peñón de Ifach.

Eine Frau läuft durch ein farbenfrohes Treppenhaus.
Die Treppen in Calpes Muralla Roja ähneln denen im Netflix-Hit „Squid Game“. © Ángel García

Inzwischen kostet die Nutzung der öffentlichen Räume für Werbezwecke satte 3.000 Euro pro Tag. Unternehmen wie die spanische Kaufhauskette El Corte Inglés, das Modehaus Zara oder Armani haben dieses Angebot bereits in Anspruch genommen. Auch die Regisseurin Isabel Coixet drehte Teile ihres Films „Nieva en Benidorm“ in der Muralla Roja in Calpe. Auch der deutsche Showstar Joko Winterscheid wurde auf der Dachterrasse der Muralla Roja gesehen. Zum Intro seiner Quizshow „Wer stiehlt mir die Show“ kämpfte er dort im Martial-Arts-Stil gegen vermeintliche Teilnehmer des Squid Game.

Calpe: Bewohner der Muralla Roja wenig begeistert vom Ruhm

Ansonsten hat die Eigentümerversammlung der Muralla Roja in Calpe entschieden, dass das Gebäude nur besichtigt werden kann, wenn man Eigentümer, ein Freund eines Eigentümers oder ein Mieter ist. Allerdings ist diese Definition sehr schwammig. Auf Airbnb gibt es mehrere Anzeigen zur Vermietung von Wohnungen in der Muralla Roja. Je nach Größe der Wohnung liegt der Preis zwischen 100 und 300 Euro pro Nacht. Die Anwohner beschweren sich bereits darüber, wie sehr der Wohnkomfort und die Ruhe beeinträchtigt worden sind. Das gesamte Gelände musste eingezäunt werden, um Schutz vor den ungebetenen Eindringlingen - auch Influencer auf der Suche nach coolen Foto-Locations für ihren Instagram-Account - zu bieten. Die Muralla Roja ist jedoch nur eines von mehreren Gebäuden, die der junge Bofill, damals 28 Jahre alt, in der Manzanera realisierte. Neben der Muralla Roja gibt es noch die Nachbargebäude Xanadú, Los Castillos, Las Villas und El Anfiteatro. Obwohl jedes dieser Gebäude ein architektonisches Juwel ist, ist nur die Muralla Roja zum Kultgebäude geworden. Und ein neues Aushängeschild für die Stadt Calpe.

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