Ein Polizeiauto steht unterhalb eines Felsens, Passanten deuten aufs Meer.
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Der Paseo Ecológico ist ein beliebter Spazierweg unterhalb des Peñón de Ifach in Calpe. Am Sonntag wurde er Schauplatz der Tragödie.

Unglück an der Costa Blanca

Calpe: Jugendliche beim Baden am Peñón de Ifach tödlich verunglückt - Zweite Leiche geborgen

  • Oliver Stahmann
    VonOliver Stahmann
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Ein Spiel unter Jugendlichen in Calpe endete tödlich. Am Sonntag sprang eine Gruppe junger Männer von einem Felsen am Peñón ins Meer, zwei wurden dabei von einer Welle mitgerissen.

Update, 25. April, 14:30 Uhr: Calpes Rathaus hat nach dem tödlichen Unglück am Peñón de Ifach drei Tage Trauer verhängt. Während dieser Zeit werden alle Fahnen an öffentlichen Gebäuden auf Halbmast hängen und alle öffentlichen Veranstaltungen des Rathauses abgesagt. Die Stadtverwaltung hat in einer Mitteilung auch die Namen und das Alter der beiden ertrunkenen jungen Männer mitgeteilt: Juan Sebastián Ochoa Chilama, 24 Jahre alt, und Pedro José Antonio Ochoa Restrepo, 19 Jahre alt. Beide hätten in Calpe gewohnt.

Update, 25. April, 12 Uhr: Die Rettungskräfte haben auch die Leiche des zweiten jungen Mannes gefunden, der am gestrigen Sonntag unweit des Peñón de Ifach in Calpe von den Wellen mitgerissen wurde. Wie die Feuerwehr meldet, wurde der Körper gegen 11.20 Uhr am Montagmorgen von Tauchern der Guardia Civil unweit der Unfallstelle geborgen. Medienberichten zufolge handelt es sich bei den beiden tödlich Verunglückten um einen 18-Jährigen und einen 24-Jährigen. Die beiden jungen Männer seien miteinander verwandt.

Erstmeldung, 25. April, 11:20 Uhr: Calpe - Der Roca Plana ist ein kleiner Felsen auf dem Paseo Ecológico Príncipe de Asturias in Calpe, direkt neben dem Hubschrauberlandeplatz und unterhalb des Peñón de Ifach. Im Sommer ist er ein beliebter Ort für junge Leute - allerdings nicht, um die wunderbare Aussicht bis hin zur Skyline von Benidorm zu genießen, sondern um sich ins Wasser zu stürzen, als befände man sich irgendwo in Acapulco in Mexico und nicht etwa im kleinen beschaulichen Calpe an der Costa Blanca. Dabei kam es am gestrigen Sonntag, 24. April, zu einem tragischen Unfall.

Calpe: Ausgelassener Tag am Meer endet tragisch - Zwei Jugendliche von Welle mitgerissen

Nach langer Zeit war das Wetter in Calpe nach dem vielen Regen der letzten Wochen wieder einmal prächtig, es zeigte sich keine einzige Wolke am tiefblauen Himmel, und obwohl die Temperatur noch immer unter 20 Grad lag, war es in der Sonne angenehm warm. Nur der Wind war stürmisch und die Wellen rollten mit viel Kraft schäumend in Richtung der langen Küste von Calpe. Eine Gruppe von neun Jugendlichen oder jungen Männern befand sich zu dieser Zeit auf genau dieser Roca Plana und tat, was sie bei diesen Wetterbedingungen nicht hätte tun sollen: Sie spielten, juchzten und sprangen, wahrscheinlich um ihren Mut zu beweisen, von dem etwa fünf Meter hohen Felsen in das kalte Aprilmeer.

Die Stimmung war ausgelassen, beschrieb die Augenzeugin Uschi Rösler das Geschehen. Die deutsche Urlauberin war nur zufällig vor Ort und hatte zuvor noch Fotos von den ins Wasser springenden Jungen gemacht. Die Jugendlichen seien bester Laune gewesen und hätten viel gelacht. Doch mit einem Mal bricht panische Verzweiflung aus. Eine Welle packt zwei der jungen, unerfahrenen Schwimmer aus Lateinamerika und reißt sie mit sich ins Meer vor Calpe hinaus. Die Feuerwehr berichtet später, dass zunächst einer der Jugendlichen ins Wasser sprang und in Not geriet, ein zweiter versuchte, ihn zu retten, wird aber ebenfalls fortgerissen. Beide sind etwa 18 Jahre alt.

Calpe unter Schock - Augenzeugen berichten von dem tragischen Unglück

Johann, ein junger Resident aus Belgien, besucht diesen Ort in Calpe gerne und hatte sich eine dunkelblaue Luftmatratze mitgebracht, um darauf ein Nickerchen zu halten, was ihm schwerfiel, weil die Gruppe junger Leute viel Lärm gemacht hatte. Fassungslos beschrieb er anschließend, wie das fröhliche Juchzen der spielenden Jugendlichen von einem Moment auf den anderen in markerschütterndes Gebrüll überging. Die Jugendlichen kamen auf ihn zu, schrien ihn in lauter Panik in verschiedenen Sprachen an und zogen ihm praktisch die Matratze unter dem Hintern weg, damit sie sie den Ertrinkenden als Hilfe zuwerfen konnten. Es half aber nicht. Die Matratze trieb schnell weg, von der Strömung mitgerissen. Auch die ertrinkenden Jugendlichen waren in der wilden See nicht mehr zu entdecken.

Von diesem Felsen an der Küste von Calpe sprangen die Jugendlichen ins Meer.

Zwei der Freunde rennen in Windeseile zum Hafen von Calpe, um Hilfe zu holen. Doch die Polizei ist bereits auf dem Weg, Augenzeugen haben sie auf ihren Handys angerufen. Mehrere Wagen der Ortspolizei machen sich auf zur beliebten Route rund um den Peñón. Für die Polizei ist es jedoch schwierig, die Situation richtig zu beurteilen. Die spanische Seenotrettung Salvamento Marítimo wird sofort alarmiert, aber diese Momente zu füllen, bis die eigentlichen Seenotretter eintreffen, ist schwierig. Die Stille am Peñón del Ifach ist unheimlich. Es scheint, als ob selbst den Möwen das Lachen vergangen ist. Die Polizisten wissen zunächst wohl auch nicht, was sie tun sollen - von den beiden Jugendlichen, die von dem Felsen sprangen, ist mit bloßem Auge nichts zu sehen.

Fieberhafte Suche nach den verunglückten Jugendlichen in Calpe

 „Die Polizei hatte einen Rettungsring dabei, aber den haben sie einfach auf den Felsen gelegt und dann ist nichts passiert“, erzählt der junge belgische Zeuge der Tragödie, während am fernen Horizont noch die Umrisse seiner blauen Luftmatratze schimmern. In nur kurzer Zeit hatte das Meer sie weit hinausgetrieben. „Dann habe ich den Rettungsring genommen und ihn einfach hinterher ins Wasser geworfen“, beschreibt er die dramatischen Minuten. „Auf dem Felsen liegend konnte er doch auch niemandem helfen.” Weitere Polizeiautos tauchen auf, und in einem davon sitzt eine Rettungsschwimmerin. Sie klettert auf den Felsen und springt in die Richtung, die die anderen Jugendlichen ihr gewiesen haben, hinein in das kalte Meer vor Calpe. Sie taucht schnell wieder auf, schaut sich um. Auch sie kann kaum den heftigen Wellen standhalten, und kämpft sich mutig ins offene Meer hinaus. Aber dort ist niemand mehr aufzufinden.

Erst Minuten später taucht ein Motorschlauchboot auf, das offenbar der Polizei gehört. Als Beobachter fragt man sich, warum es so lange dauert, bis ein Boot die Unfallstelle erreicht, schließlich liegt der Hafen von Calpe gleich um die Ecke. Das Boot kreist ein paar Mal um die Unfallstelle und steuert dann auf die Luftmatratze zu - mit der Hoffnung, dass sich dort noch jemand festgehalten hat. Dieser Wunsch wird nicht erfüllt. Sie drehen wieder ab und lassen die Matratze auf das offene Meer hinaus treiben.

Starke Strömung und aufgewühltes Meer - Gefährlicher Felsen in Calpe

Ein paar Taucher von der nahe gelegenen Tauchschule kommen ebenfalls eilig herbei und sehen sich die Szene an. „Das Wasser und die Strömung sind zu stark“, erklären sie - und verschwinden schnell wieder. Sie können nicht helfen. Währenddessen sitzen die betroffenen Freunde der Opfer am Wegrand, und weinen bitterlich. „Wir wollten doch nur spielen“, beteuert einer von ihnen und vergräbt sein Gesicht in den Händen. Es handelte sich nicht um das erste Mal, dass sie an diesem Felsen in Calpe waren. Allerdings war es das erste Mal seit dem letzten Herbst, als es kälter wurde. Sein Kumpel neben ihm ist kreidebleich und scheint sich die Schuld geben zu wollen, bis ihn jemand anderes aus der Gruppe in den Arm nimmt und sie sich gegenseitig trösten. 

Zum Thema: Tödliche Unfälle im Barranco bei Bolulla - Feuerwehr warnt vor Wassermassen

„Mein Sohn war schon öfter mit seinen Freunden auf der Roca Plana“, erzählt eine Anwohnerin aus den Niederlanden. „Nie ist etwas passiert.” Eigentlich wüssten die jungen Leute aus der Region genau, wann der beste Zeitpunkt für einen waghalsigen Sprung ins Wasser sei. Im April, bei noch eisigen Wassertemperaturen, heftigen Windböen und stürmischer See, sei das definitiv nicht der Fall gewesen. Auch die Polizei aus Calpe stimmt dem zu. „Natürlich ist es nicht in Ordnung, dass dieser Platz immer wieder aufgesucht wird“, erklärt ein Polizeibeamter. Aber was solle man tun, fügte er hinzu. Der Paseo Ecológico am Peñón sei rund um die Uhr möglich und man könne den Zugang zu dem Felsen, der ohnehin nur mit geschickten Kletterkünsten zu erreichen sei, nicht einfach absperren. Außerdem, so fügt er hinzu, gäbe es viele Punkte dieser Art an der Calpiner Küste. Sobald dieser eine Platz gesperrt wäre, würden sich die Wagemutigen einfach einen anderen Ort für ihre Mutproben suchen. Und der Stadt Calpe seien ohnehin die Hände gebunden. Dieser Punkt liege nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich, erklärte eine Rathaus-Pressesprecherin: Hier habe das Küstenamt in Madrid das Sagen.  

Suche per Hubschrauber - Taucher finden Leiche eines der Vermissten in Calpe

Der Paseo Ecológico Príncipe de Asturias ist ein beliebter Ort am Sonntagnachmittag. Die Szenerie füllt sich an diesem Sonntag zusehends. Schon von weitem ist das Geräusch von Rotoren zu hören, was die Polizisten nun veranlasst, den Weg zu sperren und den Hubschrauberlandeplatz zu räumen. Ein Rettungshubschrauber der Feuerwehr aus Alicante dreht seine Runden und kreist etwa 50 Meter über dem offenen Meer. Mit der Zeit scheint er jeden Quadratmeter des Meers um Calpe abzusuchen, in der Hoffnung, die beiden Vermissten noch zu finden. Kurze Zeit später trifft dann Helimer 205 des spanischen Seenotrettungsdienstes ein und löst ihn ab. Der Helimer 205 ist ein Helikopter, der schon viele Verunglückte über die Jahre retten konnte. Auch zu Wasser kommt endlich Unterstützung: Das Spezialboot LS Tabarca vom Roten Kreuz schaltet sich in die Suche mit ein. 

Einsatzkräfte unweit der Unglücksstelle in Calpe.

In der Zwischenzeit sind auch die Familienangehörigen der beiden jungen Opfer am Peñón de Ifach angekommen. Man könne ihnen nicht viel Hoffnung machen, erklärt ein sichtlich aufgewühlter und fassungsloser Polizist der Mutter eines der vermissten Jungen die Situation. Sie sinkt sofort weinend zu Boden, der Schmerz der Mutter trifft auch jeden Umstehenden in Mark und Knochen. Sanitäter kümmern sich um die Frau. Psychologische Betreuung wird ohnehin für alle Beteiligten unumgänglich sein. Auch für den jungen Belgier, der fassungslos in einer Ecke sitzt und der die Ereignisse des Tages wohl nicht so schnell vergessen wird.

Die Suche per Hubschrauber wird am Sonntag in Calpe bis zum Einbruch der Dunkelheit fortgesetzt. Taucher der Guardia Civil finden am späten Abend die Leiche eines der beiden Vermissten. Die Suche nach dem zweiten jungen Mann dauert am Montag, 25. April, weiter an, im Einsatz sind unter anderem Boote der Seenotrettung und des Roten Kreuzes sowie Taucher der Guardia Civil.

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