ein geier sitzt in einer auffangstation in der region murcia
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Wildhüter haben einen verletzten Geier in der Sierra Escalona aufgelesen und pflegen ihn, um ihn wieder aussetzen zu können.

Camping an der Costa Blanca

Campingplatz in Naturpark in Spanien geplant: Geier über der Sierra Escalona

  • vonMarco Schicker
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Fünf Hektar groß soll ein Camping-Park im Naturpark der Sierra Escalona von Orihuela im Süden von Alicante werden. Bauen im Naturpark? Naturschutz und gesunder Menschenverstand sprechen gegen das Projekt, doch die Immobilienwirtschaft hat Witterung aufgenommen.

  • Neue Bauprojekte in Torrevieja, Orihuela und Pilar de la Horadada bedrohen letzte Naturräume.
  • Campingplatz in Naturpark von Orihuela für über 400 Camper geplant.
  • Land Valencia prüft Genehmigung für Campingplatz, Naturschützer wollen klagen.

Orihuela – Über den neu aufkeimenden Bauwahn in Spanien, vor allem in Andalusien und entlang der südlichen Costa Blanca von Alicante mussten wir auf diesen Seiten immer wieder berichten: Mit der Cala Mosca in Orihuela Costa (1.100 Einheiten), dem Mega-Projekt La Hoya in Torrevieja (7.200 Wohnungen) oder kürzlich Pilar de la Horadada (bei Mil Palmeras, 700 Einheiten), überall werden derzeit längst als beerdigt gedachte Projekte reaktiviert, um, wie es heißt, die Immobilien-Wirtschaft nach der Coronavirus-Krise wieder anzukurbeln.

Bau-Boom an Spaniens Küsten: Wirtschaftswachstum als Totschlagargument

Dass damit oft die letzten unbebauten Küstenkilometer zubetoniert werden, in einer Gegend die durch ein Meer von Urbanisationen ohnehin schon voller Zement ist, nimmt man in Kauf, denn die Nachfrage vor allem aus dem Ausland reißt - trotz viel Leerstands - nicht ab. Die Infrastruktur für Wasserversorgung und Verkehr kommt dabei kaum hinterher, mehr Überschwemmungen, mehr Müll, mehr Luftverschmutzung sind die Folgen, die die sonnenhungrigen Nordeuropäer aber in Kauf nehmen. Die überwiegend von der PP regierten Gemeinden im Süden Alicantes beschleunigten die Verfahren zuletzt.

Die Sierra Escalona zieht sich von Orihuela bis nach Murcia und beherbergt die größte Population Uhus in Europa. Bebauungspläne gefährden den Naturpark.

Camping im Paradies der Eulen: Orihuela setzt auf Campingplatz für Wohnmobile und mit Bungalows

Jetzt nimmt sich die Stadtverwaltung von Orihuela sogar ein Naturschutzgebiet vor. Auch das ist keine Weltneuheit. Gerade wurden Pläne für ein Hotel im Naturpark Cabo de Gata in Almería bekannt. In der Sierra de Escalona, sie zieht sich von Orihuela (Río Seco, Dehesa de Campoamor) bis weit nach Murcia (Alhama de Murcia, Fuente Álamo) hinüber, soll ein Macro-Camping entstehen, also ein Campingplatz auf fünf Hektar mit einer Kapazität für 120 Wohnmobile, 16 Bungalows, Läden, Kinder-Club, Friseur, Supermarkt, Duschen und Wäscherei, einem Verwaltungsgebäude, Sportgelände mit Tennisplatz und Basketballfeld sowie mehreren Swimming Pools.

Insgesamt solle die Anlage bis zu 400 Menschen gleichzeitig nutzen können. Auch hier handelt es sich wieder um ein ruhendes Projekt. Das Unternehmen Agro-Torre Letur hatte das „Camping rústico“ bereits 2014 eingereicht. Jetzt, da Camping als Urlaubsform in der Folge der Coronavirus-Krise wieder an Popularität gewinnt und es in der Gegend zwischen Torrevieja und Orihuela wenig Anlagen für Camper mit freien Kapazitäten gibt, erhofft man sich ein gutes Geschäft. Zumal das Problem der Wildcamper in Spanien zunimmt. Die Immobilienentwickler haben Witterung auf Profit aufgenommen und kreisen wie die Geier auch über geschützten Gebieten.

Naturschützer und Anwohner kämpfen seit Jahren gegen Pläne der Industrie und der Bauwirtschaft sich in der Sierra Escalona bei Orihuela breit zu machen.

Löchrige Gesetze, zögerlicher Naturschutz: Valencia prüft

Die Parzelle befindet sich am Rande der CV-925, rund 400 Meter entfernt von der Kreuzung mit der CV-951, die nach Torremendeo und San Miguel de Salinas führt und liegt damit unmittelbar im Landschaftsschutzgebiet der Sierra de Escalona, die kurz vor ihrer Qualifizierung zum Naturschutzgebiet steht. Der geplante Campingplatz soll dabei in eine Art Pufferzone definiert werden und könnte dabei sogar als "nachhaltige Nutzung" klassifiziert werden und damit einen Präzedenzfall für weitere solche Projekte im Schutzgebiet bilden.

Die dafür zuständige Landesregierung von Valencia prüft den Antrag derzeit noch, denn das fragliche Gelände wurde nachträglich in den Schutzstatus der Sierra aufgenommen. Doch die Zeichen stehen auf Genehmigung. Von solchen Verzögerungen und Überlappungen von Schutzgesetzen der Kommunen, der Regionen und des Staates profitiert die Baubranche.

Das Gebiet, eines der ganz wenigen geschlossenen Waldgebiete der spanischen Levante, gehört zudem zu einer Vogelschutzzone unter europäischen Normen. Hier gibt es die höchste Dichte von Brutpaaren des Uhu in ganz Europa. Auch seltene Geierarten brüten hier, eine Besiedlung würde das Paradies zumindest enorm gefährden, wenn nicht gänzlich zerstören, fürchten die Aktivisten der Freunde der Sierra de Escalona und kündigen sowohl Proteste als auch den Gang vor die Gerichte an.

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