La Nucías Bürgermeister Bernabé Cano steht in Corona-Schutzkleidung neben einer Bewohnerin und einer Angestellten eines Altenheims.
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Auch La Nucías Bürgermeister Bernabé Cano ist Teil des Corona-Impfskandals in Spanien. Hier am Tag seiner Impfung in einem Altenheim.

Außer der Reihe geimpft

Corona-Impfskandal in Spanien: La Nucías Bürgermeister in der Bredouille

  • vonJudith Finsterbusch
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Auch La Nucías Bürgermeister Bernabé Cano hat sich vorzeitig impfen lassen. Der Corona-Impfskandal zieht sich längst durch ganz Spanien.

La Nucía - Seit Ende Januar macht ein Corona-Impfskandal in Spanien Schlagzeilen, weil sich mehrere Politiker gegen Covid-19 impfen ließen, obwohl sie nicht zu einer der Personengruppen gehören, die der staatliche Impfplan in der ersten Phase vorsieht. Angefangen hatte der Impfskandal mit den Bürgermeistern von El Verger und Els Poblets, längst ist klar, dass sich nicht nur Politiker in ganz Spanien vorzeitig impfen ließen, sondern auch Bischöfe, der Chef des Militärs, Landesminister und viele mehr. Zu den vorzeitig Geimpften an der Costa Blanca zählt unter anderem La Nucías Bürgermeister Bernabé Cano.

La NucíaGemeinde in Spanien
Höhe226 m
Fläche21,36 km²
Bevölkerung18.242
ProvinzProvinz Alicante

Corona-Impfskandal in Spanien: Rücktritt von La Nucías Bürgermeister gefordert

So langsam wird es eng für La Nucías Bürgermeister Bernabé Cano. Täglich macht seine Covid-19-Impfung am 6. Januar Schlagzeilen, die Rücktrittsforderungen werden lauter. Die Provinzverwaltung in Alicante, wo Cano hauptberuflich Sportabgeordneter ist, hat ihm in einem ersten Schritt die Kompetenzen entzogen. Sein Mandat als Abgeordneter kann ihm aber ebenso wenig entzogen werden wie das des Bürgermeisters in La Nucía - Corona-Impfskandal in Spanien hin oder her.

Im Rathaus-Plenum äußerte sich La Nucías Bürgermeister Bernabé Cano jetzt zum ersten Mal selbst zu den Vorwürfen um den Corona-Impfskandal, als PSOE-Sprecherin Pepa Ivorra dort seinen Rücktritt forderte. Cano verwies auf die oberste valencianische Gesundheitsbehörde Salud Pública als Verantwortliche für seine Impfung am 6. Januar in der Seniorenresidenz Savia: „Die Entscheidung, mich zu impfen, ging einzig und allein von Salud Pública als höchste zuständige Behörde aus. Ich habe weder meinen Posten als Bürgermeister noch als Provinzabgeordneter noch sonst irgendetwas ausgenutzt.“

Es seien Covid-19-Impfdosen übrig gewesen und „Salud Pública entschied, dass der Impfstoff mir und den zwei anwesenden Guardia Civiles verabreicht werden sollte. So steht es auch im Protokoll von dem Impfeinsatz bei Savia“, sagte La Nucías Bürgermeister Bernabé Cano im Plenum. Eine ähnliche Argumentation hatten auch andere vorzeitig Geimpfte in ganz Spanien vorgebracht. Im Plenum nahm der Bürgermeister auch Stellung zu der Frage, warum er überhaupt in einer Seniorenresidenz war, während in allen Pflegeheimen Besuchsverbot herrscht – die valencianische Landesregierung hat deshalb eine Untersuchung eingeleitet. „Der Besuch war mit Salud Pública abgesprochen, es wurden alle Protokolle eingehalten, ich war nur im Foyer und zu keiner Zeit in Bereichen, in denen sich Patienten aufhalten“, so Cano zu dem Corona-Impfskandal.

Corona-Impfskandal in Spanien: Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein

Die Äußerungen von La Nucías Bürgermeister Bernabé Cano dementierte kurz darauf in einem Fernsehinterview Isaura Navarro, Landessekretärin der öffentlichen Gesundheitsversorgung in der Region Valencia: „Cano ist ohne Einladung in die Seniorenresidenz gegangen. Kaum dass er drinnen war, hat seine Begleitperson gefordert, dass er geimpft wird.“ Wer diese Begleitperson war, ließ Navarro offen, stellte aber in Bezug auf den Impfskandal in Spanien klar: „Cano stand nicht auf der Impfliste und hätte auch nicht geimpft werden dürfen. Verantwortlich für seine Corona-Impfung ist einzig und allein Cano selbst.“

In der Provinzverwaltung haben Compromís, PSOE und Ciudadanos – letztere regieren dort eigentlich gemeinsam mit der PP – Bernabé Canos Rücktritt gefordert. Die Blicke sind jetzt auf Canos Partei gerichtet: PP-Chef Pablo Casado sagte vor wenigen Tagen in einem Radio-Interview: „Die Politiker, die sich vorgedrängelt haben, sollten zurücktreten.“ Die Partei kann Cano zwar nicht seine Ämter entziehen. Aber sie kann Druck ausüben und ein Partei-Ausschlussverfahren in die Wege leiten, wie es die PSOE in Els Poblets und El Verger getan hat. Andere Politiker haben im Zuge des Corona-Impfskandals, der längst ganz Spanien durchzieht, selbst den Hut genommen, darunter auch Dénias Gesundheitsstadträtin Cristina Morera, die sich ebenfalls vorzeitig hatte impfen lassen.

Unterdessen hat die Antikorruptions-Staatsanwaltschaft in Alicante eine Untersuchung wegen des Impfskandals eingeleitet. Sie will prüfen, ob die geimpften Bürgermeister strafrechtlich belangt werden können. Anzeige erstattet hatten zwei Bürger. Das Landesgesundheitsministerium prüft mittlerweile 62 Fälle außerplanmäßiger Corona-Impfungen im Land Valencia. Zehn davon betreffen Politiker. Klargestellt hat das Landesgesundheitsministerium auch, dass die außer der Reihe Geimpften nicht die zweite Dosis erhalten werden – zumindest nicht, solange nicht alle Risikogruppen durchgeimpft sind.

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