Kirschen aus Spanien

Coronavirus und Wetter vermiesen Kirschernte in Alicante

+
Kirschen mit Riss: Der Regen hat viele Früchtchen aus Alicante beschädigt.
  • schließen

Die Landwirte in den Kirschtälern Alicantes beklagen eine quasi verlorene Ernte. Das Wetter 2020 war ungünstig: Zu nass, zu heiß, zu kalt war es - dann wieder zu nass. Und dann kam auch noch das Coronavirus.

  • Das Wetter kündigte 2020 früh eine schlechte Kirschernte an der Costa Blanca an.
  • Das Coronavirus sorgte zudem für fehlende Arbeiter in Tälern wie dem Vall de Gallinera.
  • Kirschenkrise betrifft auch Gastronomie und Tourismus in den Dörfern.

Vall de Gallinera - „Lachende Kirschen", nennen fröhliche Landwirte aus den grünen Tälern der Costa Blanca die Früchtchen, die der Regen zum Platzen gebracht hat. Normalerweise trägt ja nur ein Teil den Riss, der an ein Grinsen erinnert. Der Großteil sind pralle rote Perlen. Im Jahr des Coronavirus sehen aber sogar die größten Optimisten eher einen traurigen Mund in der Kirsche. Denn der Ertrag ist 2020 äußerst dürftig. Das zeichnete sich schon im Februar ab: Zu früh kam die Hitze nach wochenlangem Regen. Als im März und April die Temperaturen und wieder viele Tropfen fielen, war auch das denkbar schlecht für die kürzlich begonnene Ernte.

„Die Kirschbäume waren wegen der Hitze Anfang des Jahres früh in voller Blüte“, sagt in der Zeitung „Las Provincias“ Tere Alemany von der Bauernvereinigung Asaja. „Da ist viel Regen nicht gut. Die meisten Kirschen verfaulen, die Produktion fällt.“ Das Ergebis: Im Erntemonat Mai wirkt das Tal Vall de Gallinera zwar grüner als sonst, ist aber von nur wenigen roten Juwelen geschmückt. Viele der überlebenden Kirschen tragen Risse, was für den Verkauf fatal ist. Gerade die frühen Kirschen bringen den Bauern Einnahmen. Wie groß die Verluste sind, konnte die Kirschkooperative Cerezas Montaña de Alicante bisher nicht sagen.

Kirschen in Not: Für die Ernte fehlen die Arbeiter

„Man muss noch auf die späteren Sorten warten“, erklärt María Ángeles de las Heras von der Kooperative. Sie erwarte jedoch eine „sehr schwache Ernte.“ Das Wetter hätten die Landwirte ja noch verkraften können, erklärt sie, aber zum Unglück gesellte sich noch das Coronavirus. Sorgenvoll sahen die Kirschbauern zu, wie im März und April, wegen der Mobilitätseinschränkungen seit der Erklärung des Alarmzustands, tausende Arbeiter auf den Feldern Spaniens fehlten, zuletzt an der Costa Blanca für die Mispelernte. Früh zeichnete sich ab, dass auch in den Kirschtälern nicht die bewährten Helfer für die Ernte im Mai kommen würden.

Pflücken und sortieren: Erntehelfer im Vall de Gallinera.

Viele Osteuropäer, etwa aus Bulgarien, sind hier seit Jahren beschäftigt, kamen aber dieses Jahr wegen der Sars-Cov-2-Beschränkungen nicht nach Spanien durch. Die Rekrutierung von Ersatz war schwierig. Zwar meldeten sich viele Menschen, „die arbeiten wollten und mussten“, erklärt Tere Alemany. Allerdings verfügten nicht alle über eigenen Transport oder waren - als Betroffene vom Verfahren der zeitlich begrenzten Suspendierung (ERTE) - nicht für einen Vertrag zugelassen. „Da muss man peinlich genau sein“, so Alemany. Ein weiteres Problem: Können die Ersatzkräfte überhaupt auf dem Feld arbeiten?

Nicht nur Kirschbauern: Gastronomie und Tourismus leiden

Oft eben nicht, erzählen uns ein Landbesitzer aus dem Vall de Gallinera. Das Pensum, das Helfer aus dem Ausland abspulen, schaffen viele Spanier, die aus anderen Sektoren als der Landwirtschaft kommen, nicht. Um 7 Uhr das Feld betreten, bei steigender Hitze Körbe und Kisten füllen und abends noch Kirschen sortieren ist ein Knochenjob, bei dem man leicht schlapp macht. Doch auch die sonst bewährten Retter in der Not - Familienangehörige - sind blockiert. Erst am 11. Mai erleichterte Phase 1 der Deeskalation die Mobilität an der Costa Blanca zwar. Aber nur bedingt, weil die Küste um die Provinzhauptstadt Alicante, wo die meisten wohnen, in Phase 0 blieb.

Also blieben viele Kirschbauern auf sich allein gestellt. Doch auch andere Sektoren leiden: Gastronomie und Tourismus. Immer stärker setzten in den vergangenen Jahren Täler wie das Vall de Gallinera auf Erlebnisreisen zur Blüte oder Ernte der Kirsche. Paradiesische Pakete, mit denen der Tourist hoch oben auf den Berghängen - in der Freizeit, ganz ohne Druck - einen Korb voller roter Schmuckstücke von den Bäumen füllen kann. Doch das Event fällt 2020 aus, genauso wie die Gastronomieroute durch die acht Dörfer des Tals - mit deftigen bis süßen Kirschrezepten - oder auch das fröhliche Erntefest im Juni.

Ernte im Vall de Gallinera: Kirschenpflücken ist ein Knochenjob

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare