Corona gegen Fiestas

Coronavirus Altea: Kein Feuerwerk, kein Tourismus, keine Arbeit

  • vonStella Kirchner
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Das Coronavirus verhindert alle Feiern, auch das Castell de l‘Olla in Altea. Pyrotechniker, die die großen Feuerwerke inszenieren, fürchten um ihre Existenz. 

  • Jahr für Jahr kommen mehrere Zehntausend Besucher nach Altea, um sich das Castell de l’Olla anzuschauen.
  • Pyrotechniker, die Feuerwerke organisieren, fürchten um ihre Existenz wegen des Coronavirus. 
  • Für die regionale Wirtschaft ist das Fiesta-Wochenende der Höhepunkt des ganzen Jahres. Das fällt durch Covid-19 komplett weg. 

Altea- Aus dem Wasser schießende Feuerfontänen, laut tosende Rauchbomben und feurig schimmernder Sternregen gehören eigentlich zum Sommer in Altea dazu. Die Rede ist natürlich vom berühmten Feuerwerk Castell de l’Olla, dem kulturellen, touristischen und oft auch wirtschaftlichen Highlight des Sommers an der Costa Blanca in dem Feuerkünstler ihre „Knaller-Fähigkeiten“ zeigen. „Wir haben noch bis zur letzten Sekunde gehofft, dass sich die Lage mit dem Coronavirus entschärft“, erklärt der Organisator der Feier, José Pérez Gorgoll von der Cofradía de l’Olla, „aber wir wollen null Risiko eingehen, und auch die letzten Ansteckungsraten lassen eine so große Veranstaltung mit so vielen Besuchern leider nicht zu“.

Feuerfontänen schießen 2019 aus dem Meer und lassen den Olla-Hafen und die Stadt Altea erstrahlen.

Jährlich kommen tausende Touristen nach Altea, um der Feier beizuwohnen. „Auf einem so kleinen Gelände wie der Olla-Bucht ist es unmöglich, einen Sicherheitsabstand von zwei Metern gegen das Coronavirus zu garantieren“, ist sich der Organisator sicher. Das Jahr 2020 ist für Pérez ohnehin kein Feierjahr. „Wir haben andere Probleme als Musik und Feuer. Es sind zehntausende Menschen gestorben und die Unternehmen haben kein Geld mehr“, so Pérez betroffen, „die Zuschüsse vom Rathaus Altea und der Caixa-Bank kommen stattdessen bedürftigen Familien zugute, da ist es unter den aktuellen Umständen besser angelegt!“

Coronavirus und Feste: Feuerwerkskünstler werden arbeitslos

Ganz anderer Meinung ist der Pyrotechniker Ricardo Caballer. „Wieso dürfen die Menschen in Spanien shoppen und an den Strand gehen – demnächst sogar Urlauber und nicht nur Spanier–, während jede noch so kleine Dorffiesta abgesagt wird?“, ärgert sich der Feuerkünstler. Dabei bezieht er sich ausdrücklich nicht auf Großereignisse wie das Olla-Feuerwerk in Altea, das hätte auch er selbst wegen des Coronavirus wahrscheinlich abgeblasen oder stark verkleinert. „In allen anderen Bereichen geht die Regierung Kompromisse ein, sogar Besucher aus allen möglichen Ländern sollen kommen dürfen. In Scharen laufen die Menschen im Moment auf die Märkte. Aber die Fiestas werden einfach abgesagt, ohne sich nur einmal zu überlegen, ob es nicht zumindest Möglichkeiten gäbe, die Besucherzahl zu begrenzen oder die Areale auszuweiten“, fühlt Caballer sich ungerecht behandelt.

Der Valencianer kreiert nicht nur Feuervorstellungen für Fiestas und Freizeitparks, sondern führt auch die von seinem Großvater gegründete Firma für Feuerwerkskörper Ricasa. „Bald sind alle Mitarbeiter von uns in der Kurzarbeit ERTE, doch was mache ich, wenn die Regierung die Kurzarbeit nicht mehr unterstützt? Die Hilfen sind ja zeitlich begrenzt. Für uns fällt jetzt jedoch unsere Hauptsaison, der Sommer, aus und dann beginnt es erst wieder Mitte März mit den Fallas in Valencia. Das heißt, ich muss bis März 2021 von meinem Ersparten leben und irgendwie dafür sorgen, dass ich auch den einen oder anderen Mitarbeiter halten kann.“ Staatliche Subventionen speziell für Künstler wie Caballer, die durch das Coronavirus arbeitslos geworden sind, sind noch nicht geplant. „Die Rathäuser müssen uns nicht bezahlen, weil das Coronavirus höhere Gewalt ist und sie deswegen jedes Recht haben, ihre Veranstaltungen abzusagen. Wir bekommen also von niemandem eine Entschädigung für die Verdienstausfälle“, sorgt sich der Pyrotechniker um seine Zukunft.

2019 sahen sich mehr als 50.000 Menschen das Olla-Feuerwerk an.

Arbeitslos durch Covid-19: Feuerkünstler hofft auf USA

Sein einziger Lichtblick geht gen Westen. „Ausgerechnet in den USA, die ja so stark vom Coronavirus betroffen sind wie kein anderes Land, bleiben ein paar Aufträge bestehen. Zum Beispiel wird in New York am 4. Juli ein Feuerwerk zum Nationalfeiertag gezündet, das alle Menschen von ihren Fenstern aus beobachten sollen“, erzählt Pyrotechniker Caballer. Das sei die richtige Art und Weise, mit der aktuellen Situation umzugehen. „Spanien braucht Fiestas, das weiß doch jeder“, sagt er halb lachend, halb wütend. „Wer weiß, vielleicht werden wir am Ende alle an Depressionen sterben oder an den Folgen der Wirtschaftskrise und nicht an Sars-CoV-2“.

Die wirtschaftlichen Folgen sind schon jetzt, ob mit oder ohne Fiesta in Altea, nicht zu übersehen. Angebotsschilder an den Geschäften, Restaurants und Hotels werben mit hohen Rabatten und Sonderangeboten um die letzten verbliebenen Gäste. „Es gibt Gäste, die jedes Jahr nach Altea reisen, um das Castell de l’Olla zu sehen. Im Vergleich zu der Anzahl der Stornierungen, die wir ohnehin wegen des Coronavirus erhalten haben, macht das auch nichts mehr aus“, erklärt Enrique Mas, Direktor des Luxushotels Villa Gadea, das auch immer den VIP-Bereich der Veranstaltung betreibt. Einen sehr großen Effekt habe der Wegfall des Feuerwerks dagegen auf den Zimmerpreis, der während des Festaktes immer besonders hoch gewesen sei. Der Unternehmer hofft stattdessen auf eine gute Herbst- und Wintersaison.

Das Feuerwerk vor der Olla-Bucht ist eines der spektakulärsten in Valencia.

Ungerechte Arbeitslosigkeit: Feuerwerk auch von Weitem sichtbar

Pyrotechniker Caballer hebt die Wichtigkeit der Feiern für die gesamte Wirtschaft hervor. „Für eine Fiesta kaufen sich die Leute schöne Klamotten, gehen davor essen und hinterher tanzen und ein Bier trinken, all das trägt die Wirtschaft und ist vor allem das Herz und die Seele der Küste.“ Dass nun in der vergangenen Woche mit den Fallas in Valencia, die zunächst vorübergehend auf den Sommer und dann auf den Herbst verlegt worden waren, auch die größte Fiesta der Region ausgefallen ist, tut Caballer im Herzen weh. Das letzte Feuerwerk in Spanien hat er im Februar organisiert, bevor die Fallas wegen des Coronavirus vorzeitig beendet wurden. „Mal sehen, ob es mein Unternehmen Ricasa für die Fallas 2021 noch gibt, ich hoffe es“, meint er traurig.

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