Covid-19-Ausbruch in Gandía

Coronavirus-Ausbruch in Gandia: Beim Feiern mit Covid-19 infiziert

  • vonStella Kirchner
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In Gandía haben sich in der letzten Woche über 70 Menschen beim Feiern im Nachtclub mit dem Coronavirus infiziert. Das sind die meisten Fälle an der Costa Blanca. 

Gandía - Menschen mit Masken bestimmen das Bild an Gandías Strandpromenade im Stadtteil Grau. Selbst beim Sonnen behalten viele den lästigen Mundschutz auf und einige gehen sogar so weit, dass sie nicht einmal zum Sporttreiben auf die Mund-und-Nasenbedeckung verzichten. Denn die Gemeinde an der Costa Blanca verzeichnet den größten Covid-19-Ausbruch des Landes Valencia. Auch in anderen Orten der Region sind neue Infektionsherde registriert worden.

GandíaStadt in Spanien
Fläche60,8 km²
Höhe22 m
ProvinzProvinz Valencia

Coronavirus-Ausbruch in Gandía: Infektionsherd im Partyviertel

Update 24. Juli: Bisher wurden schon 94 Personen in Gandía positiv auf das Coronavirus getestet. Mittlerweile sind 12 Gemeinden in der Umgebung vom Virus betroffen, vier Menschen mussten ins Krankenhaus eingewiesen werden.

Bereits 77 Menschen wurden im Gesundheitsbezirk positiv auf das Coronavirus getestet, die meisten Personen haben sich wohl in Gandías Partymeile angesteckt. Das veranlasste die Stadt dazu, die Schließung aller Nachtlokale bis zum 1. August anzuordnen und auch das nur unter der Prämisse, dass die Infektionszahlen bis dahin deutlich sinken. Sieben Menschen liegen mit Covid-19 aktuell im Kreiskrankenhaus Hospital Francesc de Borja, in die Intensivstation musste bislang glücklicherweise niemand eingeliefert werden, meldet die lokale Gesundheitsbehörde. Umliegende Gemeinden wie Calp und Dénia sorgen sich, dass die Corona-Situation in Gandía auch auf die Marina Alta übertritt.

Deswegen patrouillieren auf der Strandpromenade wohl auch mehr Polizeistreifen als in anderen Gemeinden. Wirklich viel zu beanstanden haben sie allerdings meistens nicht, wie ein Polizist, der nicht namentlich genannt werden möchte, den Costa Nachrichten gegenüber bestätigt. „Auf Corona-Regeln wie die Maskenpflicht oder die Einhaltung der Sicherheitsabstände müssen wir die Touristen fast nie hinweisen“, so der Beamte zufrieden.

Coronavirus-Ausbruch in Gandía: Junge Menschen ohne Covid-Symptome übertragen Virus

Einen Einbruch des Tourismus und des Ansturms von Tagesbesuchern aus der Umgebung hat es in Gandía aber augenscheinlich nicht gegeben. Die Strände sind offen und gut gefüllt, genauso wie die Geschäfte, Restaurants und Cafés. Doch an den Mitarbeitern geht die Situation nicht gänzlich vorüber, berichtet auch die bolivianische Kellnerin Fatima Urdonez Rivero, die für die Eiscafé-Kette „Jijona“ arbeitet: „Ich habe weiterhin großen Respekt vor Covid-19, da ich auch täglich im Kontakt mit Fremden, in meinem Fall Kunden, bin.“ Sie stimmt der Aussage des Polizisten nicht zu, dass sich die Touristen und Einheimischen an die Sicherheitsvorschriften halten. „Ich beobachte oft, dass viele Kunden die Masken und auch den Mindestabstand vergessen. Im Urlaub wollen sie halt Spaß haben und nicht von unangenehmen Regeln gestört werden“, vermutet die Bolivianerin.

„Wir sind jung und wollen einfach feiern“, bestätigt Tourist Bryan Lontono Salazar aus Madrid auch gleich die Vorurteile der Kellnerin. „Ich sehe aber auch ein, weshalb die Bars und Kneipen dicht sind“, relativiert er schnell. Dabei sei das Nachtleben am Strand für ihn und seine Freunde der Hauptgrund gewesen, überhaupt nach Gandía zu reisen. „Man kann nichts machen, jetzt gehen wir halt an den Strand und tragen den Tag über eine Maske“, zeigt er sich einsichtig.

Coronavirus-Ausbruch in Gandía: „Touristen haben das Sars-CoV-2 eingeschleppt"

Rentner William John Sendgwick aus England, der mittlerweile seit zehn Jahren in Spanien lebt, sieht in jungen Urlaubern wie der Madrilenen-Gruppe die Hauptschuld an dem Corona-Ausbruch. Noch mehr Probleme hat er mit dem Verhalten von Ausländern, „Jugendliche aus Italien, Frankreich und Deutschland, die hier in Gandía Party gemacht haben, haben das Virus eingeschleppt“, ist er sich sicher.

Coronavirus-Ausbruch Gandía: Der Strand ist gut besucht, aber wesentlich leerer als normalerweise im Sommer.

Täglich führt das Kreiskrankenhaus über 200 PCR-Tests auf das Coronavirus durch. Tatsächlich sind die positiv Getesteten deutlich jünger als bei der großen Welle zwischen März und Mai. Die überwiegende Mehrheit ist zwischen 20 und 40 Jahre alt und zeigt nur leichte oder gar keine Symptome, was die Ansteckung fördert. „Hoffentlich finden sie schnell alle Infizierten, sodass der Ausbruch bald zu Ende ist und wir alle wieder in Sicherheit sind“, hofft der Rentner. Ähnliche Erfahrungen wie Gandía mussten auch schon andere Gebiete in Spanien machen. So hat Murcia gleich das komplette Nachtleben der kompletten Region dicht gemacht, dort müssen sich feierfreudige Touristen mindestens einen Monat lang gedulden. (Edanur Akyüz)

Rubriklistenbild: © Franziska Schmidt

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