Ein Vergleich zweier Gegensätze

Coronavirus in Spanien: Wie Benidorm und Altea den Corona-Sommer 2020 überlebten

  • vonLaura Closmann
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Gegensätzlicher könnten Benidorm und Altea kaum sein. Wie haben die beiden Touristenorte an der Costa Blanca den Sommer 2020 während der Corona-Krise erlebt?

Altea/ Benidorm: Zwar liegen beide Städte an der Costa Blanca nur wenige Kilometer voneinander entfernt, doch während Alteas Tourismusstrategie eher auf Tagesausflügler abzielt, ist Benidorm von Touristen abhängig, die aus dem In- und Ausland anreisen. Sowohl in Altea, als auch in Benidorm hat das Coronavirus diesen Sommer Spuren hinterlassen. Dennoch gibt es gravierende Unterschiede: Altea setzte aufgrund der Covid-19-Pandemie in Spanien statt auf ausländische Touristen auf Einheimische; Benidorm hingegen verzeichnet extreme Verluste im Tourismusgeschäft.

Corona-Sommer in Spanien: Die Bucht von Altea von einer der vielen Aussichtspunkte in der Altstadt aus gesehen.

Laut Alteas Tourismusstadträtin Xelo González musste der Küstenort mit seiner hübschen Altstadt nicht allzu sehr unter der Corona-Krise leiden. „Im August 2020 waren unsere Hotels zu fast 85 Prozent belegt“, erklärt González. Wer sich unter den Geschäftsleuten und Betreibern von Restaurants, Eisdielen oder Boutiquen umhört, bekommt immer ähnliche Antworten: Zwar kamen weniger ausländische Touristen als sonst, jedoch hielt das Coronavirus an der Costa Blanca Spanier nicht davon ab, die Stadt zu besuchen. Altea hat somit das Glück, nicht zu sehr von Touristen aus dem Ausland und Reisewarnungen für Spanien abhängig zu sein.

Corona-Sommer in Altea: Gutes Geschäft trotz Pandemie

„Das Geschäft läuft, wir haben gute Einnahmen“, bestätigte in der Hochsaison Nahuell Santellan, Angestellter der Eisdiele Heladeria Quo. Auch die Pizzeria El Italiano an der Strandpromenade blieb weiterhin geöffnet, selbst wenn die Gäste im Jahr 2020 hauptsächlich aus Spaniern bestanden. „Nach Altea kommen keine Partytouristen, sondern Besucher, die sich die Altstadt ansehen und die Ruhe genießen wollen“, meint Strandwächterin Angie Such Baker. Und das geht schließlich auch in Zeiten des Coronavirus.

In Benidorm bleiben aufgrund der Corona-Krise die Touristen aus.

Corona-Sommer in Benidorm: Enormer Touristenrückgang an der Costa Blanca

Deshalb merke man in Altea im Vergleich kaum einen Unterschied zu den letzten Jahren – ganz im Gegensatz zu Benidorm. Die Wolkenkratzerstadt an der Costa Blanca glich im Sommer einer Geisterstadt. Wer die Strandpromenade oder die Fußgängerzone entlanglief, bemerkte die fehlenden Touristen in der sonst so quirligen Stadt. Aus der Touristeninformation Benidorms heißt es, dass im Sommer nur noch 30 der 133 Hotels geöffnet waren. Für junge Touristen, die in Benidorm auf Partyurlaub aus sind, ist der Ort mit den geschlossenen Diskos nun wenig attraktiv – die Sperrstunde für Restaurants und Bars sowie die Ausgangsbeschränkungen in Spanien tun ihr Übriges. Ganz klar, das Coronavirus beeinträchtigt das Reisen. Besonders die vielen britischen Lokale und Pubs sahen sich gezwungen zu schließen. Bei einer Demo zeigten Benidormer Geschäftsleute aus der Tourismusbranche ihren Frust.

Coronavirus in Spanien: Krise bringt Tourismus in Benidorm in Gefahr

„Es gibt keinen Tourismus dieses Jahr, wir werden in Kürze schließen. Und wenn die Situation in Spanien so bleibt, erst im März wieder öffnen“, so der Betreiber der Eisdiele Pinocchio, Alberto Martínez. Laut dem Benidormer Einzelhandelsverband Aico sind mehr als 18.000 Arbeitsplätze aufgrund der Corona-Krise in Gefahr. Ist Spaniens Tourismusbranche am Ende?

Unterstützung für die Einzelhändler hat das Rathaus von Benidorm zugesagt. Die Stadt stellt 40.000 Euro für Unternehmen zur Verfügung, die ihr Geschäft aufgrund von Covid-19 schließen mussten oder Einbußen von mindestens 40 Prozent hatten. Bei 300 Betrieben in Benidorm, die laut Aico ihre Türen bald schließen könnten, kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Rubriklistenbild: © Ángel García

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