Passagiere sitzen in einem Flugzeug.
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Ob wirklich alle Sitze im Flugzeug Corona-gerecht desinfiziert wurden?

Unbesorgt Platz nehmen

Corona macht erfinderisch: Unternehmer aus Benissa entwickelt Sitzschutz für Flugzeug und Co.

  • vonAnne Thesing
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Was brauchen Reisende in Coronavirus-Zeiten? Bestmöglichen Schutz vor Ansteckungen. Dazu will Javier Ginestar aus Benissa mit einer neuen Erfindung für Flugzeug- und andere Sitze beitragen

Benissa - Javier Ginestar beobachtete, versetzte sich in die Menschen hinein – und erfand. Seine Beobachtungen machte er bei den vielen Geschäftsreisen, die den Unternehmer aus Benissa an der Costa Blanca an verschiedenste Orte führen. Auch zu Coronavirus-Zeiten, in denen kaum jemand gerne in ein Flugzeug, einen Bus oder einen Zug steigt.

„Ich habe gemerkt, wie ungern die Menschen sich zum Beispiel im Flugzeug auf ihren Platz setzen. Viele putzen den Sitz erst einmal mit Feuchttüchern ab.“  Denn wer weiß schon, ob in der oft kurzen Zeit zwischen Landung und nächstem Start wirklich alles porentief desinfiziert wurde? Ein Zweifel, den Javier Ginestar in ein neues Produkt verwandelte, das nicht nur in Spanien auf Interesse stößt..

Coronavirus-Schutz im Flugzeug: Unternehmen aus Benissa mit Tradition

In vierter Generation führt der 57-Jährige ein Textilunternehmen in Benissa, das sich mittlerweile zu einer international tätigen, mit eigenem Personal und in eigenen Werkstätten in Asien produzierenden Unternehmensgruppe gemausert hat, der Ginestar International Group. „Dass unsere Familie im Textilbereich tätig war, lässt sich bis auf das Jahr 1902 zurückführen“, sagt Ginestar, dessen Unternehmen sich in den vergangenen Jahren vor allem auf Uniformen, zum Beispiel für Stewardessen in Flugzeugen, und Dekoration für Hotels und Restaurants spezialisierte. Sektoren, bei denen die Coronavirus-Pandemie die Nachfrage in den Keller hat rutschen lassen.

„Wir hatten also Zeit“, sagte Ginestar. Zum Beobachten – und zum Erfinden. Und so entstand nach dem genauen Blick darauf, was die Menschen in dieser Situation brauchen, die Lösung für all die, die beim Hinsetzen in Flugzeugen, Bussen, Zügen oder auch Konzertsälen lieber auf Nummer sicher gehen. „VDF-Cover“ heißt der mittlerweile patentierte Sitz-Bezug, der ihnen Schutz vor Infektionen und möglichen Ansteckungen bieten soll. Vor wenigen Wochen wurde er von Vedéfora, einem Unternehmen der Ginestar Group aus Benissa, auf den Markt gebracht.

Coronavirus-Schutz aus Benissa: Ein Stoff für alle Fälle

„Der Stoff ähnelt dem einer Atemschutzmaske, hat aber auch wieder ganz andere Eigenschaften“, sagt der Unternehmer. Das Problem: Der Bezug muss Vorschriften für sämtliche Bereiche, in denen der Stoff über einen Sitz gestülpt wird, erfüllen. Und die können für ein Schiff anders sein als für ein Flugzeug, für einen Zug wiederum gelten andere Normen als für einen Konzertsaal.

Nach unzähligen Versuchen war das Material erfunden, das allen Orten gerecht wird und dem Coronavirus zuwider sein dürfte. Brandsicher, antistatisch, antibakteriell. Und, auch darauf legt Javier Ginestar wert: nachhaltig. Es wurden zum großen Teil recycelte Materialien verwendet, die Farbstoffe sind ökologisch. Zwar sind die Bezüge, natürlich, Einwegprodukte, „doch nach ihrem Gebrauch können die Fasern zerstört und neuer Stoff hergestellt werden“.

Erfinderischer Unternehmer aus Benissa: Javier Ginestar.

Bei verschiedensten Fluggesellschaften in Spanien sei sein Produkt bereits auf Interesse gestoßen. „Die Idee ist, dass die Fluggesellschaften die Bezüge kaufen und sie vom Reinigungspersonal vor jedem Flug auflegen und nach jedem Flug entfernen lassen“, sagt der Unternehmer aus Benissa. Den Kunden gebe das für wenig Geld ein Plus an Vertrauen. Und das ist gerade in SARS-CoV-2-Zeiten ein wichtiges Gut.

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