Volle Berge

Coronavirus lockt Massen in die Natur: Berglandschaften der Costa Blanca überfüllt

  • vonAnne Thesing
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An der Costa Blanca boomen wegen der Coronavirus-Krise Ausflüge in die Natur – Gebiete wie die Sierra Bernia leiden unter unkontrolliertem Andrang.

Jalón- Seit einiger Zeit ist es an den Wochenenden voll in Spaniens Bergen. So auch in der Sierra Bernia an der Costa Blanca. So voll, dass es auf dem engen Wanderweg schwer wird, den zum Schutz vor dem Coronavirus notwendigen Mindestabstand einzuhalten, und auch eine Maske tragen in der freien Natur nur die wenigsten. „Der Weg ist eng und die Leute, die hochkommen, treffen auf die, die runterlaufen“, sagt Monika Fornell, die regelmäßig Ausflüge in die Sierra Bernia unternimmt. Doch so viele Menschen wie bei ihrem letzten Besuch vor wenigen Wochen „habe ich hier noch nie gesehen“. Ein Phänomen, das sich an der Costa Blanca Wochenende für Wochenende wiederholt, und das nicht nur in den Bergen der Sierra Bernia. Corona lockt die Menschen raus in die Natur, wo, so sollte man meinen, die Ansteckungsgefahr am geringsten ist. Doch was, wenn besonders beliebte Orte geradezu von Wochenendausflüglern übervölkert werden?

Sierra de BerniaBergkette in Spanien
ProvinzProvinz Alicante
LandSpanien

Coronavirus und Natur: Vermüllung geschützter Landschaft an der Costa Blanca

„Man muss die Situation regulieren, so wie es im Sommer auch an den Stränden gemacht wurde“, sagt Benissas ehemaliger Bürgermeister und Reiniciem-Sprecher Abel Cardona. Denn nicht nur die Covid-19-Gefahr sei ein Problem. „Es ist alles sehr verdreckt“, beschreibt Monika Fornell die Situation in der Natur. „Masken, Handschuhe und sogar Windeln haben wir gefunden“, bestätigt Abel Cardona und greift damit die Müllproblematik auf, die auch an der Costa Blanca immer wieder zu Unmut führt.

Und das in diesem Fall an einem Ort, der 2006 von der Landesregierung zur „Paisaje protegido“, also zur geschützten Landschaft, deklariert wurde. Ein Status, der der Nordseite der Bernia, die in die Gemeindegebiete von Benissa, Jalón und Alcalalí fällt, zugeteilt wurde. Den restlichen Teil dieses imposanten Costa-Blanca-Gebirges teilen sich Tárbena, Callosa d‘En Sarrià und Altea. „Doch keiner kümmert sich richtig darum“, sagt Abel Cardona. „Die Sierra Bernia ist wie ein Niemandsland.“

Coronavirus füllt die Sierra Bernia an der Costa Blanca

Das müsse sich ändern, fordert Reiniciem. Zu wertvoll sei die Berglandschaft, in der endemische Pflanzen wachsen und die von seltenen Tierarten besucht werde. „Doch viele wissen nicht einmal, dass dieses Natur-Gebiet geschützt ist“, sagt Cardona. Ansonsten würden sie sich, hoffentlich, anders verhalten, ihren Müll nicht liegenlassen und nur die offiziellen Wanderwege benutzen. „Da diese zu voll sind, suchen sich viele Alternativen und zertrampeln dabei wertvolle Pflanzen“, sagt der Benissaner, der sogar schon Busse die enge Bergstraße im Hinterland der Costa Blanca hat hochfahren sehen.

Autos wiederum, für die in „normalen Zeiten“, als das Coronavirus noch nicht das Freizeitverhalten der Menschen beeinflusste, die Ebene bei den „Cases de Bernia“ als Parkplatz ausreichte, würden sich mittlerweile einen Kilometer lang in den beiden einzigen Zufahrtsstraßen aus Benissa und Jalón reihen. „Anwohner haben sich schon beschwert, dass ihre Hauseinfahrt zugeparkt wird.“ Auf der engen Straße sei wegen der Autoschlangen nur noch ein Streifen befahrbar, es komme zu Staus und Verkehrsproblemen. „Die Situation ist völlig außer Kontrolle“, fasst Cardona die Lage im Hinterland der Costa Blanca zusammen.

Natur der Costa Blanca: Coronavirus-Zeiten fordern neue Maßnahmen

Reiniciem Benissa fordert daher von der Ortsregierung, sich in Valencia für eine Regulierung der Situation einzusetzen. „Die geschützte Natur muss auch als solche verwaltet werden. Dafür muss die Landesregierung die sechs Gemeinden in einem Verwaltungsorgan zusammenführen, das gemeinsam Entscheidungen trifft“, so der Vorschlag der Oppositionspartei. Zum Beispiel um das Gebiet sauberzuhalten, Wege auszuweisen, Informationsschilder anzubringen und „pädagogische Arbeit zu leisten, damit sich die Besucher darüber im Klaren sind, dass sie sich nicht auf irgendeinem Berg, sondern in geschütztem Gebiet befinden“.

Natur an der Costa Blanca: In Coronavirus-Zeiten ist die Bernia besonders beliebt.

Und wenn all das nicht funktioniert? „Dann fordern wir, dass dieses Gebiet der Costa Blanca zum Naturpark erklärt wird.“ Das wäre eine Schutzstufe höher und würde mehr Maßnahmen erlauben. So arbeite die Landesregierung gerade an neuen Normen für Naturparks wie dem Peñón d‘Ifach in Calp, die, ähnlich wie die Bernia, unter dem Publikumszustrom in Coronavirus-Zeiten leiden.

„Es geht nicht darum, dass wir etwas verbieten wollen“, sagt Cardona, der es im Grunde begrüßt, dass immer mehr Menschen die Natur aufsuchen. Einschränkungen gebe es wegen Sars-CoV-2 schon genug, sagt er. Doch die Situation müsse geregelt werden. In der Bernia – und in anderen Naturgebieten der Costa Blanca.

Rubriklistenbild: © Ángel García

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