Gebäude der Altersresidenz Casaverde in Pilar in Alicante mit zwei Bäumen davor.
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Das Altersheim Casaverde in Pilar de la Horadada, ganz im Süden der Provinz Alicante, ist Schauplatz einer Cornavirus-Masseninfektion. Auf dem Foto das Heim im benachbarten Almoradí.

Coronavirus an der Costa Blanca

Corona-Albtraum im Altersheim: Covid-19-Masseninfektion in Residenz Casaverde in Pilar de la Horadada

  • vonMarco Schicker
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Jetzt übernimmt die Landesregierung das Ruder: Mittlerweile wurden 67 Bewohner und 13 Angestellte des privat betriebenen Altenheimes Casaverde de la Torre, im Küstenbezirk Torre de la Horadada, ganz im Süden der Costa Blanca, positiv auf das Coronavirus getestet. Zwei Personen starben diese Woche bereits.

  • Altersheim in Pilar de la Horadada wird nach Coronavirus-Massenausbruch dem Gesundheitsministerium Valencia unterstellt.
  • Lange Auswertung der PCR-Tests könnte Ursache für spätes Handeln in Altersheim gewesen sein. Weitere Ursachen werden gesucht.
  • Provinz Alicante hatte Altersheime - im Gegensatz zu Madrid - bisher relativ gut im Griff.

Pilar – Pilar de Horadada, die südlichste Stadt an der Costa Blanca, hatte seit März gerade 67 Coronavirus-Fälle registriert. Selbst den testreichen spanischen Sommer überstand man mit nur ein paar aus Murcia eingeschleppten Fällen im Unterhaltungsbereich glimpflich. Doch in diesen Tagen kamen auf einen Schlag fast noch einmal so viele Coronavirusfälle hinzu.

Altersheim in Pilar: Mit oder an Covid-19 ist nicht die Frage, wegen Covid-19 sind sie tot

Mittlerweile 54 Bewohner und 15 Angestellte des Altersheimes Casaverde de la Torre, im Küstenbezirk Torre de la Horadada, wurden positiv auf das Coronavirus getestet, zwei Personen, beide Mitte 80, starben bisher wegen Covid-19. Sie hatten chronische Vorerkrankungen und zeigten zudem typische Symptome des Covid-19. Es ist müßig, hier die Frage zu stellen, ob sie mit oder an Covid-19 starben, – ohne würden beide wohl noch leben.

Die dramatischen Umstände veranlassten das valencianische Gesundheitsministerium die Betreuung des Heimes in die eigenen Hände zu nehmen, da aus Vorsicht nicht nur die 15 positiv getesteten Betreuer, sondern das gesamte Personal unter Quarantäne gestellt werden musste. Anhaltspunkte für Fehlverhalten des Heims wie in Llíria, wo ein Heim durch ein schockierendes Video auffiel, gibt es nicht.

Unkontrollierter Ausbruch in Altersheim: Auswertung der Coronavirus-Tests dauert zu lange

Warum es heute noch zu so einer explosionsartigen Ausbreitung kommen kann, wo doch massenhaft PCR-Tests durchgeführt werden, hat einen simplen Grund: Die Labors kommen mit der Auswertung der Tests nur schwer nach. Zum einen mangelt es an Personal, das die spanienweite mittlerweile über 600.000 PCR-Tests auswerten könnte, zum anderen kommt es immer wieder zu Engpässen bei der Belieferung mit Reagenzmitteln. Daher dauert es manchmal bis zu über einer Woche bis Ergebnisse vorliegen und entsprechende Schritte eingeleitet werden. Jeden in Quarantäne zu stecken, bei dem ein Test vorgenommen wird, auch wenn er keine Symptome zeigt, würden Stadt und Land indes lahm legen.

Casaverde in Pilar: Wer hat Schuld am Kontrollverlust?

Das Altersheim in Pilar gehört zur Grupo Casaverde, einem der wichtigsten privaten Betreiber von Altersresidenzen in Spanien. Dass es im Heim in Pilar ein Problem gab, konnte man nur indirekt ablesen: Am 23. August schloss man das Heim für Besucher, ab 3. September suchte man in Sozialen Netzwerken kurzfristig nach Krankenschwestern zur „Verstärkung des medizinischen Teams“. Dass es Versäumnisse bei der Einhaltung der Hygieneregeln und wohl auch bei der Meldepflicht gegeben hat, ist aufgrund der schlagartigen Übertragung sehr wahrscheinlich und wird nun untersucht.

Krankentransport an einem Altersheim in Madrid. Hat die Politik bestimmt, wer behandelt wird und wer nicht?

Die Betreuung durch das Gesundheitsministerium in Valencia bedeutet in der Praxis mehr Arbeit und gebundenes Personal für den privaten Anbieter Ribera Salud, der in einer öffentlich-privaten Partnerschaft den Gesundheitsbezirk im Süden der Costa Blanca mit einem Einzugsgebiet für bis zu 180.000 Menschen abdeckt und unter anderem auch das Uniklinikum Torrevieja betreibt. Schon im April musste Ribera in der Residencia La Inmaculada von Torrevieja wegen eines Infektionsherdes einspringen.

Altersheime an der Costa Blanca: Keine Szenen wie in Madrid

Bis dato sind dem Süden Alicantes Szenen der totalen Aufgabe wie in Heimen weiter im Norden von Valencia oder in Madrid im März und April, erspart geblieben. Dort fand das Militär vom bereits selbst infizierten Personal verlassene Heime mit hunderten toten alten Menschen auf ihren Zimmern vor.

Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte die Regionalregierung wegen des Platzmangels in den Krankenhäusern, die Residenzen angewiesen, den Alten die medizinische Behandlung zu verweigern und sie nicht in die Krankenhäuser in Madrid zu lassen - sie also im Zweifel sterben zu lassen. Die Gerichte befassen sich im Rahmen einer Sammelklage gegen die Landesministerpräsidentin Isabel Díaz Ayuso als politische Verantwortungsträgerin.

In der Casaverde von Pilar heißt es für die Bewohner und ihre Angehörigen nun abwarten und hoffen oder beten. Die rund 100 Bewohner sind in ihren Einzelzimmern unter Quarantäne gestellt, Mediziner wollen sich nach und nach einen Überblick über den Gesundheitszustand vor allem der Infizierten, also mehr als der Hälfte der Insassen, verschaffen.

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