Erwachsene und Kinder mit Mundschutzmasken laufen vor einem Laden in Benissa.
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Der Einkauf in den Geschäften vor Ort kann Existenzen retten.

Handel an Costa Blanca

Coronavirus: Wie Geschäfte an der Costa Blanca ums Überleben kämpfen

  • vonAnne Thesing
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Das Coronavirus hat auch zu einer Krise im Einzelhandel geführt. Um zu überleben, brauchen kleine Händler jetzt Hilfe. Wie Benissa, Teulada-Moraira und Pego die Situation zu meistern versuchen.

  • Coronavirus schwächt den Einzelhandel.
  • Kampagnen und Subventionen sollen den örtlichen Geschäften über die Krise hinweghelfen.
  • Der Einkauf vor Ort ist jetzt wichtiger denn je.

Benissa/Pego/Teulada-Moraira - “Helfen wir uns gegenseitig?”, fragt die Costa-Blanca-Gemeinde Benissa ihre Einwohner in einem jetzt vom Rathaus veröffentlichten Video und meint damit eine ganz praktische, für viele vielleicht banal klingende Hilfe, die jedoch angesichts der Coronavirus-Krise Existenzen retten kann. Eine Hilfe, die darin liegt, vor Ort, in den kleinen Geschäften des eigenen Dorfes, seine Einkäufe zu erledigen. “Ens tirem una maneta?”, lautet diese Frage auf Valenciano, und auch wenn die valencianische Off-Stimme für viele Ausländer schwer zu verstehen sein dürfte, lohnt es sich, das Video anzuschauen. Denn oft sprechen Bilder für sich.

Auf den 14. März blickt das Video, von schwermütiger Musik begleitet, zurück. Ein Tag, “an dem sich das Leben komplett änderte”. An dem die eigenen Träume dem Blick in eine ungewisse Zukunft gewichen sind. In Schwarz-Weiß-Szenen wird gezeigt, wie die Lichter ausgehen, Geschäftsleute ihre Läden schließen, die Rolladen runtergefahren werden und die alles beherrschende Frage im Raum steht: „Was jetzt?“

Neue Zeiten nach Abschwächung der Coronavirus-Krise

„Was jetzt?“, diese Frage hat sich als Folge von Covid-19 in den vergangenen Wochen und Monaten wohl ganz Spanien, ja die ganze Welt gestellt. Und auch wenn die endgültige Antwort noch auf sich warten lässt, gibt es doch mittlerweile, nach diesen zwei unsagbaren Monaten der Ausgangssperre, ein Licht am Ende des Tunnels. So wechselt auch Benissas Video auf Farbe, die mutmachende Musik löst die Schwermut ab, der Kalender zeigt Mitte Mai und „es beginnen neue Zeiten, in denen wir stärker als je zuvor neu beginnen“. Die Läden werden wieder geöffnet, die Schlüssel im Schloss drehen sich wieder in eine andere Richtung, der Zeitpunkt ist gekommen, „wieder beste Qualität und persönlichen Service zu bieten“ und, „warum nicht, anzustoßen auf diese neuen Zeiten“. Statt einsamer Spaziergänger fahren wieder Kinder mit dem Tretroller durch Benissas Straßen, das Leben ist ins Dorf zurückgekehrt. Auch dank geöffneter Läden. „Ens tirem una maneta?“, „Helfen wir uns gegenseitig?“, mit dieser Frage schließt das Video.

Denn Hilfe braucht der Einzelhandel nach zwei Monaten geschlossener Läden dringend. „Damit dieser neue Horizont, den das Video zeigt, sich in eine Realität verwandelt, ist heute mehr als je zuvor die Unterstützung der gesamten Gesellschaft gefragt“, schreibt das Rathaus in einer Mitteilung (spanischer Link). „Bei deinem Nachbarn einzukaufen, bei deiner Freundin oder bei diesem entfernten Verwandten, der einen Laden auf dem Dorfplatz hat, ist grundlegend, um die örtliche Wirtschaft wieder zu beleben.“

Rathäuser helfen aus Coronavirus-Krise heraus

Neben dem Appell an die Kunden, ihr Geld vor Ort auszugeben, sind es dabei auch die Rathäuser selbst, die in die Tasche greifen (müssen), um dem Einzelhandel wieder auf die Sprünge zu helfen. In Benissa sind es 470.000 Euro, die das Rathaus den örtlichen Läden und Unternehmern verspricht. Darüber hinaus sollen ein Digitalisierungsprojekt und eine Weiterbildung den Geschäften helfen, sich der neuen Realität zu stellen, in der der Online-Handel immer mehr an Gewicht gewinnen dürfte.

„Wir alle müssen auf den neuen Zug aufspringen“, sagt María José Garrigós vom Händlerverband der Nachbargemeinde Teulada-Moraira. “Auch die kleinen Läden müssen sich modernisieren und digitalisieren.” Weshalb Teuladas Rathaus den örtlichen Händlern mit dem Projekt Aficweb über das “Portal del Comerciante” der Landesregierung bei der Erstellung einer eigenen Internetseite beziehungsweise bei der Optimierung der bereits bestehenden unter die Arme greift. Darüber hinaus stellt die Gemeinde 294.235 Euro zur Verfügung, um den Einzelhandel zu reaktivieren. Geld, das eigentlich für die Fiestas bestimmt war, die wegen Sars-CoV-2 in diesem Jahr nicht gefeiert werden können.

Auch Kampagnen zur Dynamisierung des Handels sind in Teulada-Moraira geplant, in der Marina-Alta-Gemeinde Pego wurden diese bereits in Angriff genommen. Genannt wurde die Kampagne hier mit Anspielung auf das Coronavirus “Corona’t a Pego”, also “Kröne dich in Pego”. In einer ersten Facebook-Umfrage wurden die Pegolinos nach ihren Wünschen für den Einkauf vor Ort gefragt, zu gewinnen gab es ein “Hygiene-Set” mit Desinfektionsgel und Mundschutz. Denn neben der örtlichen Nähe setzt Pego vor allem auf eins: auf die Sicherheit beim Einkauf - auf die Sicherheit vor der Ansteckungsgefahr und den sorglosen Einkauf trotz Sars-CoV-2. Ein Faktor, der nicht nur beim Einkauf, sondern auch in Bereichen wie dem Tourismus, immer mehr an Bedeutung gewinnt und darüber entscheiden könnte, ob ein Kunde sich für den Einkauf vor Ort oder doch lieber für das Shoppen im Internet entscheidet.

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