Ein spanischer Polizist kontrolliert ein Auto.
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In Spanien gilt eine strenge Ausgehsperre. Die Polizei kontrolliert.

Coronakrise wütet in Spanien nicht überall gleich

Traum von der Virenfreiheit: Der Süden und die Zweifel am Sinn des Notstands

  • vonStephan Kippes
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Spanien zählt zu den Ländern Europas, das schlimm unter Corona leidet. Doch nicht überall ist die Lage so ernst wie in Madrid. Im Süden gibt es weniger Infizierte.

  • Von Dénia bis Calp werden nur zwei Neuinfizierte verzeichnet
  • In der Region Murcia sind 110 Menschen pro 100.000 Einwohnern infiziert
  • Kanaren drängen auf Lockerung des Ausgehverbots

Dénia - In Spanien tobt das Coronavirus, aber keineswegs überall. Die schlimmen Nachrichten erreichen die Weltöffentlichkeit vor allem aus den Regionen Madrid und Katalonien, in bei deutschen Urlaubern beliebten Regionen wie etwa Valencia, Murcia oder Andalusien sieht die Lage keineswegs so ernst aus, von den Kanaren mal ganz zu schweigen. Dennoch gilt das strike Ausgehverbot landesweit und kaum jemand darf aus dem Haus.

Auf den Kanaren drängt die Inselregierung massiv darauf, nach dem 26 April die Auflagen des Notstands wie etwa das Ausgehverbot zu lockern. Gut möglich, dass auch andere Regionalpräsidenten am Wochenende den Druck auf Ministerpräsident Pedro Sánchez erhöhen.

Die Region Valencia verzeichnet von Sonntag auf Montag nur 81 neue Infektionen bei einer Bevölkerung von etwa fünf Millionen. Davon stammen wiederum nur zwei dieser Neuinfizierten aus dem Kreis Marina Alta. Der bei deutschen und europäischen Residenten und Rentnern beliebte Gegend mit bekannten Ferienzielen wie Städten Dénia, Jávea, Teulada-Moraira, Benissa oder Calp kommt auf 197 Infizierte.

Coronavirus: Der Süden Spaniens weniger betroffen als der Norden

Die Region Murcia kommt im Schnitt bei 100.000 Einwohnern auf 110 Infizierte, in Andalusien liegt dieser Anteil bei 135, auf den Balearen bei 156  und in Valencia sind 200 Einwohner unter 100.000 infiziert. Das ist kein Vergleich zu den Raten in Madrid, wo 855 unter 100.000 Madrilenen sich mit dem Coronavirus angesteckt haben, oder Katalonien wo es 543 sind. Auch weiter nördlich im Baskenland (572), in Navarra (718) und La Rioja (1.179)  ist die Lage derzeit angespannter als im Süden.  

Auch in anderen Urlaubsdomizilen der Region mit einem hohen Anteil an älteren Menschen und ausländischen Senioren wie Vinaròs in der Provinz Castellón mit 170 Infizierten, Elx-Crevillent mit 137 oder Orihuela mit 122 im Süden der Costa Blanca kann man derzeit kaum von einer santiären Notlage sprechen. Freilich spiegeln die Daten des Gesundheitsministeriums nicht exakt die Realität wider.

Coronavirus Costa Blanca: Massive Tests müssen Aufschluss geben

Die Dunkelziffer von Infizierten und Toten dürfte weit höher sein. Spanien holt bei den Tests zwar täglich auf, hinkt aber noch immer zu weit hinterher, um ein exaktes Bild vom Grad der Infektionen, der Immunität und der Anzahl der assymptomatischen Infizierten zeichnen zu können. Bisher erfasst Spanien fast nur Covid-19-Patienten in medizinischer Behandlung. Dennoch dürfte derzeit den Krankenhäusern sowohl in der Marina Alta als auch in der Vega Baja kein Kollaps aufgrund von Covid-19 drohen.     

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