Museen trotz Covid-19 geöffnet

Flut und Pandemie: Coronavirus-Comeback für Museen in Orihuela

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Ein Bild für Covid-19-Zeiten: Orihuelas „Teufelin“ ist im Archäologiemuseum zu sehen.
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Auch wenn das Coronavirus weiter Kreise zieht, öffnet die Stadt Orihuela ihre Museen wieder: Am 18. Mai, pünktlich zum internationalen Tag der Museen. Dabei feiert das Haus des Poeten Miguel Hernández ein Comeback, nachdem es bei der Flutkatastrophe im September 2019 schwer beschädigt worden war.

  • Am 18. Mai beenden Orihuelas Museen die Coronavirus-Pause.
  • Zwei Museen pausierten nicht nur wegen der Pandemie mehrere Monate lang.
  • Darunter das Haus von Miguel Hernández, einem Dichter für die Covid-19-Zeit.

Orihuela - Am 18. Mai ist die Costa Blanca der Normalität wieder ein Stück näher. Die Provinz Alicante ist in der Coronavirus-Krise komplett in Phase 1 der Deeskalation angelangt. Und in Orihuela, Stadt der Künste und Paläste, öffnen die städtischen Museen. Zudem haben die Bibliothek María Moliner und das Archiv der Kreishauptstadt der Vega Baja am 12. Mai wieder die Aktivität aufgenommen. Alle Sicherheitsvorkehrungen gegen Sars-CoV-2 seien getroffen, erklärte Kulturstadträtin Mar Ezcurra (Ciudadanos). Die Stadt, die bei der Öffnung der Stadtmärkte so zögerte, sei bereit für die Öffnung ihrer Schatzkammern.

Pünktlich zum Welttag der Museen am 18. Mai öffnet Orihuela folgende Museen: Krippenmuseum, Archäologiemuseum, Museum der Stadtmauern, Museumspalast Sorzano de Tejada, Sakralkunstmuseum im Bischofspalast, Museum der Reconquista sowie zwei Museen, die einen berühmten Stadtsohn betreffen: Dichter Miguel Hernández. Zum einen ist sein Geburtshaus wieder geöffnet, zum anderen das Museumshaus mit dem Feigenbaum, der den jungen Hirten zur Poesie inspirierte. Dienstags bis samstags von 10 bis 14 und 17 bis 20 Uhr, sonntags von 10 bis 14 Uhr öffnen die Museen.

Coronavirus-sichere Wege für Orihuelas Museumsbesucher

Zu den Sicherheitsvorkehrungen gegen das Coronavirus gehört, dass nur ein Drittel der maximalen Besucherzahl die Museen betreten kann. Zudem werden die Innen- und Außenbereiche täglich desinfiziert und Schilder führen Besucher möglichst weit voneinander entfernt durch die Schauhäuser. Zwei der Museen öffnen nach monatelanger Pause, die nicht nur Covid-19 geschuldet war. Das Museo de la Reconquista etwa erstrahlt nach einer kompletten Überarbeitung mit neuem Look und mit neuen Ausstellungsstücken. Ein kleiner Trost für Orihuela, das wegen der Pandemie die Reconquista-Fiesta im Juli abgesagt hat.

Dramatischer war die Lage im Museumshaus von Miguel Hernández. Im September 2019, als der Kreis Vega Baja vom Unwetter Dana unter Wasser gesetzt wurde, litt das Häuschen zwischen dem Berghang und dem großen Klostergebäude Santo Domingo schwer. „Ambitionierte“ Arbeiten, so die Kulturstadträtin, hätten das Haus des Hirtenpoeten, der vor 110 Jahren geboren wurde, wieder instandgesetzt. Erneuert wurde das ganze Dach, bemalt die Wände innen und außen. Im März hatte diese kleine Wiege von Orihuelas poetischer Seele öffnen sollen. Doch dazwischen kam das Coronavirus.

Nach Flut und Coronavirus öffnet in Orihuela das Haus von Miguel Hernández wieder (unten)

Ein Dichter für die Covid-19-Zeit

Wer war Hernández? Ein Sohn einfacher Viehwirte aus Orihuela, der - wer weiß woher? - die Poesie in die Wiege gelegt bekam. Zunächst von den Traditionen seiner Heimatstadt inspiriert, widmete er sich zusehends der politischen Dichtung. Im Bürgerkrieg kämpfte er, mit Waffe und Stift, gegen Franco. Am Ende des Krieges gefasst, entstanden in Haft poetische Abhandlungen über das Drama des Menschen. Mit 32 Jahren starb Hernández an Lungenleiden. In kurzer Zeit hatte der Dichter eine erstaunliche Evolution durchlaufen. Doch einem Merkmal blieb Hernández stets treu: Dem klaren Ausdruck, dem jeder Leser leicht folgen kann.

Menschen in verschiedensten Zusammenhängen - und Dramen - finden sich in Hernández´ Gedichten wieder. Ein Beispiel seiner Kunst? Passend zur entmutigenden Covid-19-Zeit, hier seine "Canción última" (Letztes Lied): „Bemalt, nicht leer, ist mein Haus mit der Farbe großer Passionen und Unglücke. Es kehrt heim vom Jammer, in den es gebracht wurde, mit seinem leerem Tisch, seinem ruinösen Bett. Doch es werden Küsse über den Kissen erblühen. Um die Körper wird sich das Laken schlingen, nächtlich und duftend. Der Hass wird sich verlieren, dort hinter dem Fenster. Die Kralle wird sanft sein. Bewahrt mir die Hoffnung.“

Joan Manuel Serrat vertonte viele Gedichte von Miguel Hernández, zum Beispiel die zitierte „Canción última“. Die meisten dieser Lieder finden Sie auf Youtube.

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