Corona lässt Natur aufblühen

Natur in Corona-Zeiten: Delfine schwimmen ungestört in Alicantes felsigen Buchten

Delfine springen in Sierra Helada
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Coronavirus Benidorm: Delfine tollen in der Sierra Helada herum.
Delfin unter Wasser
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Coronavirus lässt Delfine ganz nahe kommen.
Delfine an Boot in Spanien
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Wasserschutzpolizei der Sierra Helada sichtet Delfine.
Delfinflosse im Wasser
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Delfine ziehen durch das spanische Mittelmeer.
Delfin springt im Wasser
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Coronavirus schafft Natur pur: Delfine hüpfen durch die Sierra Helada
Ente in Fluss
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In Altea genießen auch Enten die Coronavirus-Pause für die Natur.
Gans im Fluss
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Corona enthüllt Alteas wilde Seite und bringt die Kanadische Wildgans an den Algar.
Reiher im Fluss
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Corona lässt Alteas Fluss Algar anschwellen und bringt dem Reiher reichlich Nahrung.
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Das Coronavirus hat in Spanien nicht nur negative Folgen. Vielerorts erobert sich die Natur ihren Raum zurück. So auch entlang der Costa Blanca, wo Delfine die Buchten der Sierra Helada durchstreifen.

  • Delfine schwimmen entlang der Sierra Helada bei Benidorm und L‘Alfàs del Pi.
  • Umweltschützer aus Altea freuen sich über die Rückkehr seltener Vogelarten in den Ort.
  • Umwelt-Aktivisten fordern, dass der Umweltschutz in Spanien weiter fortgeführt wird.

Benidorm- Das Coronavirus hält die Menschen in Spanien zu Hause und die Natur feiert eine „Reconquista“, eine Rückeroberung. Im Naturpark Sierra Helada, der sich von Benidorm bis L'Alfàs del Pi erstreckt, wurden in den letzten Wochen so viele Delfine gesehen wie selten zuvor. Die Wasserschutzpolizei, die eigentlich dafür zuständig ist, das Naturschutzgebiet vor Natursündern zu schützen - begegnete einigen Delfinschulen von Flipper und seinen Freunden, die den felsigen Küstenabschnitt durchstreiften. Umweltschützer freuen sich auch über die Rückkehr seltener Vogelarten in die Gewässer.

Coronavirus bringt Delfine in die Sierra Helada

Umweltschützer der Organisation Ecologistas en Acción führt in einem Bericht das häufige Sichten von Delfinen im Mittelmeer auf das stark gesunkene Verkehrsaufkommen zurück. Motorboote und andere Störfaktoren im Meer haben sich in dieser Zeit praktisch in Luft aufgelöst. Und auch Autos, die mit ihren Abgasen und Lärm auch das Ökosystem Meer stören, verhinderten zu Zeiten, in denen eine Ausgangssperre wegen des Coronavirus gilt, solche beeindruckenden Fotos, wie man sie aktuell zu sehen bekommt. Insgesamt seien die Stickstoff-Abgase in der Küstenregion um 55 Prozent gesunken. Die Natur kann sich dadurch freier entfalten als selten zuvor in den vergangenen Jahren.

Wenn auch die Fotos besonders waren, so gehören Delfinsichtungen trotzdem zum Alltag im Naturpark, erzählt Daniel Gilabert vom Servicio de Vigilancia Marina del Parque Natural de Serra Gelada, wie die Wache offiziell heißt. Um die 40 Mal im Jahr sichtet der Umweltschützer aus l‘Alfàs del Pi mit seinem Team die beliebten Meeressäuger. „Wer in l’Alfàs del Pi wohnt und sich nur oft genug an den Leuchtturm von Albir setzt, wird früher oder später einen Sprung aus dem Wasser zu sehen bekommen“, so die Vermutung des Mitarbeiters.

„Subjektiv kam es mir schon etwas mehr vor, aber ich glaube fast, dass wir aufgrund der Ausgangssperre einfach mehr Zeit dafür hatten, die Natur und Tierwelt in Altea und l‘Alfàs del Pi zu beobachten und es gar nicht so viel mehr Tiere als sonst waren“, vermutet er. Normalerweise verbringen die Umweltschützer einen Großteil der Zeit damit, zu große und zu schnell fahrende Motorboote an der Weiterfahrt im Meeresnaturpark zu hindern und Fischer mit verbotenem Equipment aufzuspüren. „Es war ein wunderbares Erlebnis, mich einmal wirklich auf die Natur konzentrieren zu können“, freut sich Gilabert.

Naturschutz Altea: Umweltschützer fordern Maßnahmen nach dem Coronavirus

Bei allem Lob für die Verbesserungen während der Coronavirus-Quarantäne, will der Mitarbeiter des Naturparks aber das große Ganze weiter im Blick behalten: „Eine Erholung für zwei Monate war gut, viel besser wäre es aber, wenn dieser Schutz auch langfristig aufrecht erhalten würde.“ Dafür schlägt er einzelne sorgfältig geschützte Zonen vor. „Wir müssen den Tieren einen Raum geben, in dem es weder Motorboote, noch Fischer, noch Segler oder Surfer gibt. Da wird sich die Natur viel besser regenerieren als durch eine Quarantäne von ein paar Wochen“.

Dem Umweltschützer ist bewusst, dass einzelne touristische Abschnitte der Sierra Helada nur schwer auf die Infrastruktur verzichten können. „Fürs Erste hatten wir zum Beispiel an die Isla de Benidorm gedacht, die ohnehin schon viele Naturschutzauflagen hat. Oder an die Bucht von Altea – die ebenfalls zum Naturpark Sierra Helada gehört – bei Mascarat“.

An Ideen mangelt es den Umweltschützern nicht. „Jetzt braucht es nur noch eine Gemeinde, die das Projekt mit uns umsetzen möchte“, erklärt Gilabert. Die Menschen seien seiner Meinung nach bereits sehr stark für den Naturschutz sensibilisiert. „Sie schreiben Petitionen an Rathäuser und selbst die Fischer unterstützen unser Vorhaben“, berichtet er. Vorbild sei das Meeresreservat San Antonio in Dénia. „Da sieht man, wie gut sich die Natur nach einer Verschärfung der Gesetze erholt hat.“

Corona-Ausgangssperre und Regen schaffen Paradies für Vögel

In Altea ist während der Coronavirus-Ausgangssperre noch ein anderes Gewässer aufgeblüht, der Río Algar. Auch dort hat sich die Natur die Vormacht zurückerkämpft, in den letzten Wochen haben sich immer wieder seltene Vogelarten wie die türkisfarbene Blauracke, auch Mandelkrähe genannt, niedergelassen. In Spanien ist diese seltene Art vom Aussterben bedroht, auch weltweit gibt es wenige Exemplare des farbenfrohen Zugvogels. Den Winter verbringt er in Afrika und im Frühjahr zieht es ihn nach Europa, in den letzten Jahren aber immer eher nach Osteuropa als nach Spanien. Zum Überleben braucht er viel Ruhe und ein großes Biotop, in dem er auf Jagd nach Insekten gehen kann.

Zusätzlich zum Coronavirus und der damit verbundenen Ausgangssperre haben auch die starken Regenfälle im April geholfen, die den Fluss erweitert und einen starken Anstieg der Insektenpopulation hervorgebracht haben. Auch häufiger am Algar anzutreffende Vögel wie Reiher, Gänse und verschiedene Entenarten stapfen aktuell in einer weit häufigeren Anzahl als vorher durch das Gewässer. Die spanische Vogelschutzvereinigung SEO freut sich über die Rückkehr der Tiere in das Naturgelände in Altea. „Auf der einen Seite kehren zu der aktuellen Jahreszeit ohnehin immer viele Zugvögel aus Afrika zurück, auf der anderen Seite hat die Ausgangssperre der Natur sehr genützt, weil es weniger Lärm, Abgase und auch weniger Landwirtschaft als vorher in Spanien gibt“, erklärt der Biologe Toni Zaragozí aus Altea, der Mitglied bei SEO ist. Es wird sich zeigen, ob dieser Zustand auch nach Ende der Pandemie noch längerfristig bleiben wird.  

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