Das Lokal des Innenhofs des Paradors von Úbeda.
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Paradore, wie dieser in Úbeda, sind zumeist in historischen Gebäuden untergebracht.jpg

Staatliche Hotelkette in den Startlöchern

In Coronavirus-Pandemie: Paradore öffnen ihre Golfplätze

  • vonAndrea Beckmann
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Noch sind die knapp 100 Hotels der staatlichen Hotelkette Paradores geschlossen. Doch mit der Eröffnung der beiden Golfplätze, die Paradores in El Saler (Valencia) und Málaga führt, signalisiert das Unternehmen, dass eine Wiedereröffnung jederzeit erfolgen kann.

  • Die Unterkünfte der Hotelkette Paradores sind noch geschlossen.
  • Mit der Eröffnung zweier Golfplätze signalisiert das Unternehmen, dass es in den Startlöchern steht.
  • In Spanien unterhält Paradores insgesamt 97 Hotels, die zum Teil in Palästen untergebracht sind.

Valencia/Málaga - Auf den beiden Golfplätzen, die die staatliche Hotelkette Paradores in Spanien betreibt - in El Saler in Valencia und in Málaga - rollen die Golfbälle wieder. In Valencia seit dem 18. Mai, während die Inbetriebnahme des Parador-Golfplatzes in Málaga für den 25. Mai vorgesehen ist. In einer Pressemitteilung gibt der Hotelbetreiber bekannt, dass man auf beiden Golfplätzen die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen, die während der Coronavirus-Krise vorgenommen werden müssen, berücksichtigt hat.

Die Golfer freut es. Gilt der Golfplatz im valencianischen El Saler doch als einer der besten Golfplätze Europas. Enstanden ist das 6.042 Quadratmeter große Gelände mit 18 Löchern in unmittelbarer Strandnähe nach den Plänen des baskischen Golfplatzplaners Javier Arana ( 1905 - 1975). Die großzügigen und schwierig zu spielenden greens , breiten Straßen sowie knapp 100 Bunker machen den Parador-Golfplatz in El Saler zu einem einzigartigen Golferparadies.

Ebenfalls in unmittelbarer Meeresnähe liegt der 18-Loch-Golfplatz des Parador von Málaga an der Costa del Sol, dessen Ursprünge auf die 1920er Jahre zurückgehen. Gefördert wurde der Bau von der britischen Prinzessin Beatriz von Battenberg, Mutter der Königin Victoria Eugenia. Sie lebte große Zeitspannen des Jahres in der Nähe von Málaga. Die Arbeiten begannen 1925 unter der technischen Leitung von Harry Sephard Colt. Erweitert wurde der Golfplatz Jahre später unter der Leitung von Tom Simpson.

Nach Wiedereröffnung der Paradore: Sicherheits- und Hygienekontrolle gewährleistet

Paradores de Turismo arbeitet an der Erstellung neuer Hygiene- und Abstandsprotokolle, die ermöglichen sollen, die Hotelunterkünfte mit allen Sicherheitsgarantien zu eröffnen, die die Regierung vorschreibt. Man sei in der Lage, die Hotels zu öffnen, sobald die Behörden dazu grünes Licht geben, teilte das Unternehmen mit. Ein Vorteil sei, dass viele der Paradore, die sich zum Teil in Palästen und Schlössern befinden, in abgeschiedenen Gegenden und weit von Orten mit Massentourismus liegen. Da es sich in der Regel nicht um überdimensional große Unterkünfte handele, sei eine rigurose Sicherheits- und Hygienekontrolle gewährleistet.

Wer sich einmal den Luxus gegönnt hat und sein Haupt etwa auf das Damastkissen eines Himmelbetts in einem Maurenpalast aus dem 8. Jahrhundert betten oder in der Klosterburg eines Ritterordens entspannen konnte, wird von der einzigartigen Atmosphäre der Paradore verzaubert sein.

97 Häuser unterhält die staatliche Gesellschaft Paradores de Turismo de España S.A. auf der Iberischen Halbinsel - besonders viele stehen Reisenden in Andalusien, Castilla y León und Galicien zur Verfügung - sowie auf den Inseln La Palma, El Hierro, La Gomera, Teneriffa und in den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla.

Ein Großteil der Hotels wurde in geschichtsträchtige Gebäude integriert. Doch entstanden nach dem Bürgerkrieg vor allem an wichtigen Überlandstrecken und in besonders attraktiven, aber von Armut gekennzeichneten Landstrichen ganz neue Hotels, mit denen die Franco-Regierung diese benachteiligten Gebiete, zu denen damals auch die Costa Blanca zählte, über die Einnahmen durch den neu gewonnenen Tourismus fördern wollte.

Was auch hinter der ursprünglichen Idee stand, die 1928 zur Geburtsstunde des Paradors, übersetzt Rasthaus, geführt hatte. 1910 beauftragte die damalige Regierung den Landgrafen Marqués de la Vega damit, ein Gasthauskonzept für die Iberische Halbinsel auszuarbeiten, weil es Hotels zu jener Zeit im Land kaum gab. Zudem war der Regierung daran gelegen, das Image Spaniens im Ausland aufzuwerten.

1926 legte de la Vega dem Tourismuskommissariat seinen ersten Vorschlag vor. In der Sierra de Gredos (Castilla y León) wollte er eine Herberge entstehen lassen, die dem Tourismus „die Herrlichkeit dieser Landschaft“ erschließen sollte. König Alfonso XIII. jubelte. Der Monarch war von der Idee so begeistert, dass er sich persönlich auf die Suche nach einem Grundstück für das ehrgeizige Bauvorhaben machte. Am 9. Oktober 1928 war es so weit: Der erste Parador öffnete mit 74 Zimmern seine Pforten, und die Junta de Paradores y Hosterías del Reino (Gesellschaft der staatlichen Hotels und Gasthäuser des Königreichs) wurde gegründet.

Vorübergehend Lazarett

In den darauf folgenden Jahren öffneten zahlreiche Paradore im ganzen Land. So zum Beispiel in Oropesa (1930), Úbeda (1930), Ciudad Rodrigo (1931) und Mérida (1933). Gleichzeitig wurde damals die Infrastruktur signifikant ausgebaut, entstanden Straßen, Eisenbahnstrecken, Flug- und Seehäfen.

Mit dem Spanischen Bürgerkrieg kam dann das vorläufige Aus für den Tourismus. Einige der Paradore dienten in den Kriegswirren sogar als Lazarett. Doch nach Beendigung der Auseinandersetzungen dauerte es nicht lange, und die zweckentfremdeten Häuser wurden renoviert und eine Vielzahl wurde, so wie man sie heute noch kennt, ein zweites Mal eröffnet.
Und es kamen neue hinzu, um „die touristischen Attraktionen des Landes zu fördern“.

Einer der bekanntesten und attraktivsten jener Epoche ist der Parador, der 1945 im Kloster San Francisco inmitten der Gärten der Alhambra in Granada eröffnet wurde. Ihm folgten weitere in anderen attraktiven Feriengebieten wie etwa der Parador de Gibralfaro in Málaga (1948). Die meisten Häuser der staatlichen Hotelgruppe – ob historisches Gebäude oder Neubau – entstanden aber in den 1960er Jahren, zu einer Zeit, als der Tourismus hierzulande eine rasante Entwicklung nahm. Bis Ende der 1960er Jahre stieg die Zahl der Regierungshotels von 40 auf 83 Häuser, so berühmte Paradore wie in Córdoba (1960), in Jaén (1965), aber auch in Jávea (1965) und Valencia (1966) öffneten ihre Tore.

Im Schloss des Kalifen

Während der Parador von Córdoba auf den Ruinen des Sommerschlosses des Kalifen Abd ar-Rahman ibn Muhammad erbaut wurde, zog der von Jaén in eine maurische Burg aus dem 13. Jahrhundert, ehemals Sitz der kastilischen Könige. Für die Paradore von Jávea und El Saler baute die Regierung neu.

Einen weiteren Meilenstein bildeten die 1980er Jahre, in denen die Gesellschaft staatlicher Paradore einige Hotels der Entursa-Gruppe übernahm. Unter anderem die einzigen Fünf-Sterne-Häuser Hostal de los Reyes Católicos in Santiago de Compostela und Hostal de San Marcos in León. Letzterer gilt als Parador der Superlative. Was sich auch in den Preisen niederschläg.

Ein Aufenthalt im Parador kann die Urlaubskasse schnell sprengen. Der etwas andere Hotelkomfort hat seinen Preis. Um auch Familien kleinerem Budget die Übernachtung in den stimmungsvollen Häusern zu ermöglichen, bietet die Gruppe Vergünstigungen an. Darüber hinaus bietet die Hotelkette je nach Jahreszeit spezielle Angebote, die mittelalterlich in Szene gesetzte Essen, Weinproben, Einführungen beispielsweise in die Pilzkunde, Reit-, Tauch- oder Golfkurse oder auch Parador-Touren durch bestimmte Gebiete beinhalten. Wer also ein wenig flexibel ist, der kann bei etwas schmalerem Budget die ganz eigene Faszination der Paradore genießen und sich wie Gott in Spanien fühlen.

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