"Dieses Virus stoppen wir gemeinsam", plakatiert die Regierung. Foto: Ángel García

Coronavirus Spanien: Alarmzustand Tag 20 - Über 10.000 Tote

- Aktuelle Zahlen: Über 10.000 Tote, 950 in 24 Stunden - Arbeitsmarkt: 830.000 weniger Beitragszahle...

- Aktuelle Zahlen: Über 10.000 Tote, 950 in 24 Stunden - Arbeitsmarkt: 830.000 weniger Beitragszahler, 3 Millionen im ERTE - Politik: Dialogversuch, Phantomflugzeuge, Selbständige - Einwanderer sollen Gesundheitspersonal ersetzen - Hospital Villajoyosa: 70 Patienten mussten verlegt werden - Wiederholungstäter hinter Gitter: Polizei greift härter durch - Chiringuito im Wohnzimmmer: Spanier holen sich die Bar nach Hause - Lebensmittelläden in Valencia dürfen Karfreitag und Ostermontag öffnen Die aktuellen Zahlen zum Coronavirus in Spanien, Mitteilungsstand 12 Uhr, Quelle: Ministerio de Salud: Tote:  10.003 (Vortag: 9.053, + 950 mehr in 24 Stunden, +7,9%, die Kurve des Anstiegs flacht sich leicht weiter ab) Infizierte: 110.238  (Vortag: 102.136) Auf Intensivstationen:  6.092 (Vortag: 5.872) Gesundgeschriebene: 26.793   (Vortag: 22.647) Schwarzer Monat für Arbeitsmarkt Madrid/Valencia - mar. Der März bringt dem spanischen Arbeitsmarkt normalerweise eine starke Erholung, denn vor allem die Hotel- und Gastwirtschaft stellt für die Osterwoche und die Sommersaison dann massenhaft Menschen ein. Doch in diesem März erhöhte sich die Zahl der registrierten Arbeitslosen um über 300.000 - ein historischer Rekord - auf 3,55 Millionen und damit den Stand von 2017. Gleichzeitig verlor die Sozialversicherung 834.000 Beitragszahler, der größte monatliche Rückgang seit der Finanzkrise. Die Differenz ergibt sich daraus, das der Großteil jener, die ihren Job verloren, aufgrund ihrer kurzzeitigen, prekären Anstellungsverhältnisse keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Nur 10% der Neueinstellungen im Februar waren Langzeitverträge. Dabei sind die Angestellten im temporären Ausstellungsverfahren, ERTE, noch gar nicht mitgezählt, geschätzt drei Millionen Menschen befinden sich bereits im Wartestand. Außerdem wurden 275.000 Krankschreibungen wegen des Coronavirus registriert - also mehr als doppelt so viele, wie es offiziell registrierte Infizierte gibt. Die Provinz Alicante zählte im März 13.800 neue Arbeitslose, rund 80.000 seien im ERTE-Verfahren. Allein 8.700 Jobs gingen im Tourismus flöten, für die gesamte Costa Blanca geben Unternehmerverbände einen Umsatzverlust von fünf Milliarden Euro Umsatz in dieser Branche an. Ihre Hoffnung ruht nun darauf, zumindest die Sommersaison retten zu können. Dialogsuche und Phantomflugzeuge Wie berichtet, hatte das letzte Maßnahmenpaket der Regierung sowie die Stilllegung der nicht essentiellen Branchen große Kritik bei den Sozialpartnern sowie der rechten Opposition, aber auch in einigen Regionen des eigenen Lagers entfacht. Regierungschf Sánchez sucht nun das Gespräch, vor allem mit Arbeitgebervertretern und wies seine Minister an, sich mit öffentlicher Kritik an der immer provokanter auftretenden PP zurückzuhalten. Diese kündigte den allgemeinen Konsens, in der Krise überparteilich zusammenzuhalten, weitgehend auf, PP-Chef Casado fiel bereits in die alten Muster der Fundamentalopposition zurück. Seine Madrider PP-Chefin Isabel Diaz Ayuso blamierte sich ein weiteres Mal öffentlich. In Sozialen Medien berichtete sie stolz von den ersten zwei Flugzeugen, die in ihrem Auftrag mit Sanitätsgütern aus China in Madrid gelandet seien. Tatsächlich waren die Flieger jedoch von der Comunidad Valenciana gechartet worden. Hilfe für Selbständige Derweil gehen einige Regionen eigene Wege, um die ökonomischen Lasten abzufedern. Die Landesregierung Valencia hat 60 Millionen Euro bereit gestellt, um Selbständigen, die keine Einkünfte mehr wegen der Quarantäne generieren können oder deren Einkünfte signifikant eingebrochen sind, eine monatliche Hilfszahlung von 750 bis 1500 Euro zu überweisen. Madrid überlegt, die monatliche Pflichtabgabe (quota) für Selbständige zu übernehmen, - im Hilfspaket der Regierung ist nur eine Stundung vorgesehen. Personalmangel im Gesundheitswesen Um den Personalmangel im Gesundheitswesen wegen des Mehraufwandes, aber auch dem Ausfall tausender infizierter Mitarbeiter, aufzufangen, hatte die Regierung Mitte März angekündigt, um die 52.000 qualifizierte Personen aktivieren zu wollen, darunter pensionierte Äzte und Pfleger, niedergelassene Ärzte, die ihre Praxis geschlossen haben, Zuwanderer mit noch nicht abgeschlossenem Nostrifizerungsverfahren, Medizinstudenten der höheren Jahrgänge sowie arbeitslose Ärzte. Wie sich in der Praxis herausstellte, konnten die Autonomen Regionen, die für die Umsetzung des Edikts zuständig sind, bis jetzt aber nur wenige aus diesem Pool anheuern. Auf der anderen Seite zogen dieser Tage 40 Ärzte, Personal aus geschlossenen Gesundheitszentren, aus dem Behelfsspital auf dem Madrider Messegelände unverrichteter Dinge wieder ab, weil man sie dort nicht brauchen konnte. Gesucht wurden in erster Linie Intensivmediziner und -pfleger. Die Regierung plant nun schneller vor allem auch eingewanderte Nicht-EU-Ärzte zuzulassen, die eigentlich noch im Zulassungsverfahren sind. Die Mehrzahl von ihnen stammt aus Lateinamerika (vor allem Venezuela) aber auch aus den Maghreb-Staaten. Hospital La Vila lagert Patienten aus Das Kreiskrankenhaus der Marina Baixa, das Hospital La Vila ist kollabiert. Bereits am 22. März erreichte das Hospital zwischen Benidorm und Villajoyosa seine maximale Kapazität auf der Intensivstation. Seitdem müssen auch schwere Fälle in andere Kliniken ausgelagert werden, darunter auch Privatkrankenhäuser wie Imed Levante, Clínica Benidorm, Hospital de Torrevieja sowie einige auch ins Hospital General de Alicante. Der Gewerkschaftsvertreter der überlasteten Klinik sprach von einem "Covid-Hot-Spot in Benidorm", der auf Personen aus "anderen Regionen" zurückzuführen sei. Die anderen großen Krankenhäuser der Provinz Alicante steuern auf ihre maximale Kapzität zu, im Unikrankenhaus Torrevieja (Ribera Salud) werden rund 120 Menschen wegen Corona stationär behandelt, im Hospital General de Elche sollen es ebenfalls über 100 sein, in Elda 120. Das Hospital in Dénia hat die höchste Zahl an infiziertem Personal zu verkraften. Wiederholungstäter werden verhaftet Die Polizei verschärft ihre Gangart weiter. Die Nationalpolizei erhielt die Anweisung, dass Menschen, die zum zweiten Mal wegen der gleichen oder einer ähnlichen Übertretung der Vorschriften des Alarmzustandes, wegen Ungehorsam gegen die Staatsgewalt zu verhaften seien. Landesweit werden täglich rund 10.000 Identifikationen wegen Übertretungen vorgenommen und rund 100 Personen verhaftet, die meisten davon zur Aufnahme einer Anzeige nur kurzzeitig. In Murcia versuchten am Mittwoch zwei Männer auf Polizisten einzustechen, die eine Straßen-Sauf-Paty (Botellón) in einem Wohnviertel auflösten wollten. Die beiden wurden festgenommen. Bier und Chips: Spanier verlegen Chiringuito nach Hause Kauften die Spanier mit Beginn der Quarantäne vor allem Toilettenpapier und Nudeln, hat sich das Konsumverhalten jetzt deutlich verändert. Die Vereinigung der Zulieferer und Supermärkte (Asedas) stellte für Ende März kräftige Zuwächse beim Verkauf von alkoholischen Getränken fest. 77,6% mehr Bier, 62% mehr Wein und 37% mehr harte Getränke wurden verkauft als in den ersten zwei Märzwochen. Speiseeis, Kartoffelchips, Oliven und Anchovis legten zwischen 60 und 90% zu, Mehl sogar um 196%. "Die Bürger haben sich ihre Bar und ihre Bäckerei nach Hause geholt", kommentieren die Statistiker. Spanien ist - in Friedenszeiten - das Land mit der höchsten Bardichte pro Kopf der Welt, für je 175 gibt es einen gastronomischen Betrieb. Die Lebensmittelgeschäfte dürfen in der Region Valencia auch am Karfreitag und Ostermontag öffnen, um davor oder danach große Menschenansammlungen an selbigen zu verhindern. Es handelt sich indes um eine Kann-Bestimmung.

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