Covid-19-Erkrankung

Coronavirus: Warum hat Covid-19 so unterschiedliche Krankheitsverläufe? 

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Warum nimmt Covid-19 in manchen Fällen einen lebensbedrohlichen Verlauf, während andere Menschen nicht einmal bemerken, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben? Das versucht ein Ärzteteam am Hospital General in Alicante mit einer großangelegten mikrobiologischen Studie herauszufinden. 

  • Covid-19 kann unterschiedliche Krankheitsverläufe aufweisen.
  • Mikrobiologen vermuten, dass Bakterien und Viren, die sich bereits vor der Coronavirus-Infektion im Blut befanden, den Krankheitsverlauf wesentlich beeinflussen.
  • Tausende Proben von Patienten mit leichten, mittleren und schweren Covid-19-Symptomen sollen ausgewertet werden.

Alicante - Viele Menschen fragen sich, wieso der Verlauf von ein und derselben Krankheit, nämlich Covid-19, bei verschiedenen Menschen so unterschiedlich ablaufen kann. Viele Mediziner sagen sogar, der typische Verlauf der Coronavirus-Infektionskrankheit sei, dass es keinen typischen Verlauf gebe. Jeder Patient weise ein eigenes Krankheitsbild mit einigen gemeinsamen Symptomen auf: Husten, Schnupfen, Fieber, Gliederschmerzen, Halsschmerzen und ein allgemeines Unwohlsein sind dabei die häufigsten Beschwerden, die aber auch auf eine ganz normale Erkältung hinweisen könnten. Bei manchen erinnert das Coronavirus dann tatsächlich an eine etwas schwerere Erkältung, während andere Menschen im Krankenhaus künstlich beatmet werden müssen. Wie kommt dieser Unterschied zustande?

Ärzte aus Alicante glauben nun, dass die Schwere der Covid-19-Erkrankung wesentlich von Vorerkrankungen und Organismen abhängen, die sich bereits im Körper befinden. Konkret vermuten sie, dass die besonders schweren Krankheitsfälle durch eine Interaktion zwischen Sars-CoV-2 und Bakterien sowie anderen Viren abhängen, die sich bereits vor der Infektion mit dem Coronavirus im Mund- und Rachenraum des Patienten befanden. Diese Organismen müssen für sich genommen gar nicht gefährlich sein, können aber in Kombination mit Sars-CoV-2 schlimme Folgen wie Atemnot und hohes Fieber haben.

Covid-19 Patient in Barcelona muss auf der Intensivstation behandelt werden.

Coronavirus: Frühtest für den Verlauf der Krankheit

„Wenn sich unsere Hypothese bewahrheitet, könnten wir unter Umständen sogar einen Test entwickeln, das schon kurz nach der Infektion mit Sars-CoV-2 anzeigt, ob die Krankheit einen leichten oder schweren Verlauf nehmen wird“, erklärt der Leiter der mikrobiologischen Abteilung des Hospital General de Alicante, Doktor Juan Carlos Rodríguez. Ein solcher Früherkennungstest stelle eine große Hilfe für die Krankenhäuser dar. „Wir könnten die Patienten von Anfang an gezielt behandeln und auch unsere Ressourcen besser planen”, so der Mikrobiologe. So könne zum Beispiel die Entscheidung getroffen werden, wer stationär behandelt werden muss und wer für den Genesungsprozess nach Hause geschickt werden kann.

Dafür werten die Mikrobiologen um die tausende Proben aus, die aus dem Hals oder Rachenraum von Covid-19-Erkrankten mit leichten, mittleren und schweren Symptomen stammen sowie von Personen, die ein negatives Testergebnis erhalten haben. In etwa drei Monaten werden erste Ergebnisse erwartet. Die komplette Studie werde aber erst in einem Jahr abgeschlossen sein, betonen die Wissenschaftler.

Coronavirus und weiter? Wissenschaftler untersuchen den Zusammenhang zwischen Sars-CoV-2 und Vorerkrankungen.

Covid-19: Zehn bis 15 Prozent erkranken schwer

Momentan geht man davon aus, dass etwa zehn bis 15 Prozent aller mit dem Coroanvirus Infizierten so schwer krank werden, dass sie ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen. Im Land Valencia liegt die Quote bei 14 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich auf diejenigen, die mit einem Labortest positiv auf das Coroanvirus getestet worden sind. Aktuell erhöht die spanische Regierung die Sequenz dieser PCR-Tests in Spanien deutlich und untersucht auch Menschen ohne Symptome, die mit einem bestätigten Covid-19-Fall in Kontakt standen.

In den letzten Wochen sind die Einweisungen in die valencianischen Krankenhäuser stark zurück gegangen. Die Intensivstationen (UCIs) verzeichnen sogar ein Minus von 44 Prozent, wie das valencianische Gesundheitsministerium meldet. Die Covid-19-Stationen der Krankenhäuser hatten 40 Prozent weniger Patienten als noch im April. Das hat mit der positiven Entwicklung der Infektionszahlen mit dem Coronavirus in ganz Spanien zu tun. Allerdings wird auch vermutet, dass die Infektionszahlen mit weiteren Lockerungen wahrscheinlich steigen werden. Erst mit der Entwicklung einer Impfung oder eines Medikaments kann eine neue Krankheitswelle zuverlässig dezimiert werden.

Für das Forschungsprojekt erhält das Hospital General de Alicante 169.000 Euro von der spanischen Zentralregierung. Die Abteilung für Mikrobiologie zählt zu den modernsten in ganz Spanien und hat schon wichtige Erkenntnisse für die Behandlung von chronischen Krankheiten wie Diabetes und Krebs sowie über multiresistente Bakterien gewonnen. Zuletzt hat die Abteilung auch eine groß angelegte Abwasserstudie der Universität von Valencia unterstützt, bei der die Genetik des Coronavirus in den Leitungen von Krankenhäusern und Seniorenheimen untersucht wurden, um möglichst früh eine hohe Konzentration des Coronavirus in den Leitungen und dadurch eine eventuell einbrechende Pandemie zu identifizieren.

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