Verschärfte Kontrollen zur Semana Santa. Foto: Ángel García

Coronavirus Spanien: Big Data gegen die Erreger

- Aktuelle Zahlen: Wieder Anstieg bei Todesopfern - Wie viele sind wirklich Infiziert: Regierung ord...

- Aktuelle Zahlen: Wieder Anstieg bei Todesopfern - Wie viele sind wirklich Infiziert: Regierung ordnet Massentest an - Big Data oder App: Individuelle Rechte und öffentliche Gesundheit - Arbeitslose und Einwanderer als Erntehelfer - Opposition vermisst Parlamentsbühne Tote: 13.798 (Vortag 13.055 +743 in 24 Stunden) Registrierte Infizierte: 140.510 (Vortag: 135.032, +4%) Davon auf Intensivstationen: 7.069 Gesundgeschriebene: 43.208 (Mitteilungsstand, 7. April, 12 Uhr, Quelle: Ministerio de Sanidad) Madrid - mar. Die Regierung begann eine Testreihe an 30.000 repräsentativ ausgewählten Familien oder 62.400 Personen, die zunächst einem Schnelltest unterzogen werden. Fällt dieser negativ aus, folgt der verlässlichere PCR-Test (auf Erbgut des Coronavirus). Die Tests werden nach 21 Tagen wiederholt, dann werden auch Antikörper detektiert. Auf diese Weise will man Licht in die Dunkelziffer bringen und hochrechnen können, wie hoch die Infektionsrate im Land tatsächlich ist, aber auch wie viele Menschen postitiv, jedoch ohne Symptome sind usw. Die Daten dienen vor allem auch als Entscheidungsgrundlage in welchem Umfang und wie schnell die Quarantäne-Maßnahmen des Alarmzustandes gelockert oder aufgehoben werden können. - Zunächst wurden wegen der Semana Santa landesweit die Kontrollen allerdings nochmals verschärft, weil immer noch Tausende versuchen in ihre Zweitwohnungen an der Küste zu gelangen. Ob die Kontrolle der Epidemie sowie die Steuerung der Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen mit Hilfe von "Big Data" oder sogar der individuellen Überwachung der Bewegungsprofilen, z.B. über Apps, der Bürger umgesetzt werden wird, ist noch völlig offen. Die Regierung nutzt bereits Handydaten der Provider anonymisiert zur Analyse von Bewegungsströmen und studiert derzeit Modelle, die in anderen Ländern (China, Südkorea) angewandt werden, einzelne Regionen führen eigene Planspiele durch. In Österreich musste ein Minister einen Vorschlag zur Totalüberwachung jedes einzelnen Bürgers zunächst zurückziehen. Die kritische Aufmerksamkeit der Bürger ist in dieser Situation gefragt, Vizeregierungschef Pablo Iglesias hat bereits erklärt, seinen Regierungskollegen sehr genau auf die Finger schauen zu wollen. Die Regierung hat bereits klargemacht, dass bei der Rückkehr zur Normalität natürlich die öffentliche Gesundheit vor persönliche Freiheitsrechte zu stellen ist - das ist sie auch in "Friedenszeiten". Man werde aber, auch bei der geplanten Isolierung von asymptomischen Infizierten (Projekt "Arche Noah", siehe gestrigen Beitrag), nur Lösungen umsetzen, die Würde und Grundrechte der Menschen so weit wie irgend möglich aufrecht erhalten. Da einige Internet-"Freiheitskämpfer" - auch auf diesen Seiten - bereits das Bild einer Diktatur an die Wand malten, mit völlig unpassenden Vergleichen: Ein Arzt und ein Richter konnten schon bisher - auch in jedem anderen demokratischen Land - mit ansteckenden Krankheiten Infizierte zwangseinweisen lassen, wenn diese eine Behandlung verweigerten und man darin eine Gefahr für die Öffentlichkeit sah. Es gilt das Prinzip, dass die Freiheit des Einen dort endet, wo die Rechte des Anderen gefährdet werden. Daran ändert sich rechtlich nichts, allein die Zahl der potentiell Betroffenen ist in der derzeitigen Lage bei weitem höher als sonst. Wo eine Quarantäne nicht zu Hause durchgeführt werden kann, weil z.B. im gleichen Haushalt Menschen aus Risikogruppen leben, wird diese in dafür hergerichtete Einrichtungen verlegt, z.B. in Hotels. Erntehelfer gesucht 100.000 bis 150.000 Erntehelfer fehlen der Landwirtschaft in den kommenden Wochen für die Frühjahrsernte. Der Ministerrat vom heutigen Dienstag will daher die Beschäftigung von Zuwanderern, die eigentlich noch keine Arbeitsgenehmigung haben (Asylbewerber) in diesem Sektor erleichtern sowie heimischen Arbeitslosen entsprechende Angebote machen, um den Bedarf der Branche kurzfristig decken zu können. Derweil vertiefen sich die Gräben zwischen Regierung und Opposition. Während Regierungschef Sánchez vor allem mit den Führern der Autonomen Regionen pragmatisch die Krise zu lösen sucht, mit sogenannten "Pactos de Moncloa", kündigt die PP bereits den Gang zum Verfassungsgericht an, um, so ihre Darstellung, die "parlamentarische Kontrolle über die Regierung" wieder herzustellen. Die PP ärgert sich vor allem darüber, dass die eingeschränkte Arbeit des auf wenige Repräsentanten zusammengeschmolzenen Parlamentes ihr nicht genügend mediale Aufmerksamkeit bringt. Sie fordert "das Parlament und alle seine Kommissionen" wieder zu öffnen und drohte bereits an, mit Dutzenden Parlamentariern zu erscheinen. Vox tat dies bereits, bei Missachtung sämtlicher sanitärer Vorschriften.

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