Die Dama de Elche wird im Nationalen Archäologiemuseum in Madrid aufbewahrt.
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Mütterliche Gestalt: Seit 1897 kehrte die Dama de Elche nur zweimal heim.

Spanien ohne Reisen

Kein Flug für Mama: Dama de Elche steckt wegen Coronavirus im Iran fest

  • vonStefan Wieczorek
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Auf Flüge nach Spanien warten nicht nur tausende Touristen aus Europa. Sondern auch eine wertvolle Kopie der Dama de Elche. 2019 ans Iranische Nationalmuseum verliehen, konnte die iberische Figur nicht wie geplant nach Elche zurückreisen. Wegen der Coronavirus-Pandemie bleibt sie mindestens bis Ende Juli in Teheran.

  • Elche wartet nun in doppelter Hinsicht auf die Rückkehr seiner Dame.
  • Seit Jahren kämpft die Palmenstadt um die Original-Büste, die in Madrid weilt.
  • Was die „Mama de Elche“ unter iberischen Damen so einzigartig macht.

Elche - Am Muttertag 2020 wieder an der Costa Blanca sein. Das hatte die Dama de Elche vor, schafft es aber nicht. Schuld ist das Coronavirus. Die nach Teheran verliehene Kopie aus dem städtischen Archäologiemuseum sollte im April zurückkommen. Aber mangels Flügen bleibt die Büste im Iran. Das schmerzt - und vergrößert die Sehnsucht der Palmenstadt nach ihrer „Mama de Elche“. Denn das Original der iberischen Büste steht im Nationalen Archäologiemuseum in Madrid. Vergeblich blieben alle Mühen der letzten Jahre, sie in ihre Heimatstadt heimzuholen. Seit ihrem Fund 1897 besuchte die Dame Elche nur zweimal kurz.

Zu gern hätte die Stadt mit den tiefen historischen Wurzeln ihre echte, so identitätsstiftende Ibererin dauerhaft wieder. Doch auch ein kurzes Wiedersehen würde Elche beglücken, gestaltet sich aber - wegen bürokratischer Hürden und Sicherheitsbedenken aus Madrid - seit Jahren schwierig. Die haargenaue Kopie von 2003 war bisher das nächste zum Original, was Elche hatte. Ihren Verleih nach Teheran fädelte die Provinz Alicante ein. In einer Ausstellung iberischer Kunst mit 300 Artefakten war die Dame dort seit September 2019 das Highlight. Selbst EU-Außenbeauftragter Josep Borrell besuchte sie noch im Februar:

Importe aus dem Orient

Mindestens bis Ende Juli bleibt die Dame nun in Teheran (virtuelle Tour durchs Museum). Davon hat der vom Coronavirus schwer getroffene Iran nichts. Und auch im leeren Elcher Archäologiemuseum bemerkt im Alarmzustand niemand, dass eine Ersatz-Dame Platz genommen hat: Eine Gipsausgabe von 1908, Entschädigung vom Archäologiemuseum der Provinz Alicante (Marq). Einst war sie im Marq das Premium-Stück der iberischen Halle. Mittlerweile ist sie dort durch eine andere Dame ersetzt: die Dama de Guardamar aus dem Küstenort im Süden. Nicht so alt, nicht so gut erhalten wie die Dama de Elche - aber eben das Original.

Die Dama de Guardamar im iberischen Saal des Museums Marq in Alicante.

Weitere Damen, die Dama de Baza oder Dama de Galera, sind Spanien aus der iberophönizischen Zeit erhalten. Die damaligen Bewohner betraten eine neue Ära. Kontakte mit Völkern aus Ägäis und Orient lehrten sie das Handwerk, um ihre eigenen - oder auch importierte - Vorstellungswelten kunstvoll auszudrücken. Wer genau die steinernen Damen waren? Die Forscher können es nur vermuten. Die Frauen könnten historische Figuren gewesen sein: Priesterinnen, Aristokratinnen, aber auch Göttinnen. Sicher ist: Sie waren sehr bedeutend. Und unter ihnen nimmt die 2.500 Jahre alte Dama de Elche einen besonderen Rang ein.

Kult: Figur am Flughafen

Zum einen wegen ihrer künstlerischen Qualität. So reich an Detail, so ausdrucksstark ist keine der Büsten aus jener Zeit. Zudem fand man sie - vergraben im Acker - in einem Stück. Eine Sensation ist die Figur bis heute. Kein Wunder, dass Madrid sich nicht von ihr trennen will. In Spaniens Hauptstadt gelangte sie über Umwege: Nur wenige Tage nachdem der junge Erntehelfer Manolico - der „Indiana Jones“-Fanfilm unten stellt die Ortslegende unterhaltsam dar - sie 1897 gefunden hatte, wurde die „maurische Königin“ (so benannte man die Dame irrtümlich) für eine lächerliche Summe nach Frankreich verkauft: ins Museum Louvre.

Vielleicht ist es das schlechte Gewissen, das in Elche - bei stetiger Abwesenheit der Dame - solche Zuneigung zu ihr erwachsen ließ. Dieser unglaubliche Kult um die Dame - selbst am Flughafen Alicante-Elche steht eine große Figur - ist ein weiterer Aspekt, der die iberische Figur einzigartig macht. Als „Dame aus Elche“ tauften sie übrigens erstmals die Franzosen. Wie richtig sie damit lagen, zeigte sich viel später. Studien des Gesteins aus einem Steinbruch im Norden der Stadt ergaben vor einigen Jahren, dass es dieselbe Kalk- und Sandsteinmischung aufwies wie die Dama de Elche. Sie ist also wirklich aus Elche: aus Elcher Erde geformt.

Ein Smiley für Whatsapp

„Die Menschen aus Elche lieben ihre Heimaterde wie die Kinder eine Mutter – und in der Dame sehen sie das Bild dieser Mutter, die mit Zärtlichkeit ihre Kinder anschaut“, erklärt der Kulturverein Real Orden Dama de Elche, der regelmäßig Events zur Förderung der iberischen Büste organisiert. Anfang 2020 rief der Verein kreative Bürger zum Entwerfen von Emojis auf. Entstehen sollte ein Smiley für Soziale Netzwerke, der die Dame in der vernetzten Welt bekannt macht. Rechtzeitig vor der Coronavirus-Krise wurde der Wettbewerb beendet (den Gewinner-Smiley sehen Sie hier) und die Bewerbung für Whatsapp und Co. abgeschickt.

In Elche trägt nur die Dame keine Maske gegen das Coronavirus.

Bei ihrem vorerst letzten Aufenthalt in Elche 2006 lockte die echte Dama 380.000 Touristen in die 230.000-Einwohner-Stadt. Solchen Rummel wird es zwar nicht geben, wenn die Kopie der Dame aus dem Iran heimkehrt. Dagegen spricht allein die „neue Normalität“ des Coronavirus. Allerdings wird die stille Rückkehr der Ibererin - womöglich ja am 4. August, 123 Jahre nach dem Fund des Originals - die Elcher Herzen wieder höher schlagen lassen. Und in ungewissen Zeiten für ein wenig Hoffnung sorgen: Vielleicht kommt sie ja doch zurück, die echte Dame. Wenn nicht an diesem, dann halt am nächsten Muttertag*.

Blumen für Mama: 120. Jubiläum des Fundes der Dama de Elche.

* Allen lesenden Müttern alles Gute zum Día de la Madre, den Spanien bereits am 3. Mai beging.

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