Zwei Arbeiter inspizieren einen Flussdamm in Guardamar, an dem sich Müll anhäuft
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Die Arbeiter fanden tonnenweise Müll am neuen Damm. 

Umwelt an Costa Blanca

Müll in Coronavirus-Zeit: Arbeiter in Guardamar finden Abfälle aus Ausgangssperre im Fluss

  • vonStefan Wieczorek
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Im Fluss bei Guardamar schwimmt tonnenweise Abfall, darunter Reste und Verpackungen aus der Coronavirus-Ausgangssperre. Arbeiter des Wasserwirtschaftsamts reparieren gerade den Damm nach dem zerstörerischem Unwetter Dana.

  • In Guardamar fischt das Wasserwirtschaftsamt bei Reparatur eines Damms tonnenweise Coronavirus-Müll aus dem Fluss.
  • Lauter Reste aus der Coronavirus-Ausgangssperre fanden Forscher der Universität Elche.
  • Verstärkt "neue Normalität" von Covid-19 das Problem mit den Abfällen in Guardamar?

Guardamar - Wären es Fische gewesen, wäre es ein Jahrhundertfang. Mehrere Tonnen Abfälle jedoch fischte das Wasserwirtschaftsamt CHS am 21. Mai bei Guardamar aus dem Fluss Segura. Angesammelt hatten sich die Massen am Damm, der die Mündung vor schwimmenden Resten schützt. Vor acht Monaten, beim Jahrhundertgewitter an der Costa Blanca, kam die Staumauer zu Schaden. Nun reparierte das CHS sie - und staunte über die Masse an Müll, der einiges über das Konsumverhalten der Bürger in der Coronavirus-Ausgangssperre verrät.

In Guardamar musste ein Bagger her, um die große Menge an weggeworfenen Resten und Flussgräsern beiseite zu schaffen. Laut CHS handelte es sich zum Großteil um Müll aus dem Alltagsgebrauch - und nicht aus der Landwirtschaft. Also aus Haushalten, die den Abfall nicht korrekt entsorgten. Das fand eine Studie der Universität Miguel Hernández von Elche heraus, die das Land Valencia beantragt hatte. Der Müll stamme eindeutig aus den Gemeinden, die auf dem Weg des Flusses liegen: Rojales, Dolores, Almoradí, die Kreishauptstadt Orihuela, und zuvor Murcia.

"Neue Normalität" von Covid-19 löst altes Problem mit Abfall nicht

Durch den Kreis Vega Baja gelangte der schwimmende Müll über verschiedene Wege zur Mündung. Die Vega ist eine weite Tiefebene mit einem Jahrhunderte alten Netz aus teils überirdischen Bewässerungskanälen für den landwirtschaftlichen Anbau. Im Zeitalter des Einweg-Gebrauchs gebrauchen sie jedoch viele rücksichtslose Menschen als Abfallcontainer. Doch die Reste verschwinden im Wasser nicht auf magische Weise - sondern tauchen spätestens in Guardamar wieder auf. Das alte Flussbett - ein neues verläuft parallel - sorgt hier regelmäßig für traurige Umwelt-Schlagzeilen.

Ein Video von Greenpeace Spanien brachte Guardamar vor einem Jahr traurigen Weltruhm. Immer wieder treffen sich Umweltschützer am Fluss und säubern das Wasser und seine Umgebung, den Hafen, die Playas. 6.000 Kubikmeter Müll, zum Großteil aus Plastik, erreichen die Mündung im Jahr. 20 Prozent aus der Nachbarregion Murcia. Auch in der "neuen Normalität", wie man das Covid-19-Zeitalter nennt, scheint das alte Problem Guardamar nicht zu verlassen. Im Gegenteil: Das Coronavirus könnte die schwimmende Epidemie aus Plastik sogar verstärken, warnen Ökologen.

An und in der Mündung in Guardamar sammelt sich ständig Müll.

Coronavirus: Wohin mit Handschuhen und Masken?

Denn in der sanitären Krise von Covid-19 hat der Gebrauch von Verpackungen aus Kunststoff zugenommen. Als die Straßenmärkte geschlossen waren, kauften Kunden in Plastik verpackte Lebensmittel im Supermarkt. Viele Menschen wissen nicht, wie sie mit getragenen Handschuhen und Masken umgehen sollen - und werfen sie unbedacht weg. Wie man es korrekt macht, erklärt Handballspielerin Ana Martínez aus Elche im folgenden Video: Möglichst wenig wegwerfen, und wenn nötig, dann vorsichtig ausziehen und in die graue Tonne entsorgen. Nicht in die gelbe.

Wegen des Coronavirus ist die ältere Notlage fast vergessen, wegen der das Wasserwirtschaftsamt nach Guardamar musste. Im September 2019 führte das Unwetter Dana im Kreis Vega Baja zu starken Überschwemmungen, zerstörte Häuser und Infrastrukturen. In Almoradí brach die Mauer am Flussufer, so dass der Kreis überschwemmt und in eine Lagune verwandelt wurde. Die neue Mauer von Almoradí wird gerade repariert, genauso wie in Formentera del Segura und Rojales sowie der Damm in Santomera in Murcia.

Jeder Handschuh aus Plastik landet am Ende irgendwo

Der von der Dana gebrochene Damm in Guardamar dagegen ist nun intakt. Es liegt nun, gerade in der "neuen Normalität" des Coronavirus, an jedem Bürger, im Alltag daran zu denken, dass sich kein Stück Abfall in Luft auflöst, sondern immer irgendwo landet, und so aus einemwahren Paradies der Dünen und Kiefernbäume wie Guardamar eine Kloake machen kann. Übrigens: Auf der Facebook-Seite von "Mocho Costero" können Interessierte Kontakt aufnehmen mit den Bürgern, die die Umgebung des Flusses Segura in Guardamar regelmäßig säubern.

Guardamar ist ein Paradies der Dünen und Kiefernbäume.

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