Die Intensivstationen sind die Schützengräben im Krieg gegen Covid-19. Foto: EFE

Coronavirus Spanien: Kurve bleibt sehr steil - EU-Gipfel

- Neueste Zahlen: 769 Tote in 24 Stunden, 64.000 Infizierte, mehr Gesundschreibungen - Streit um Eur...

- Neueste Zahlen: 769 Tote in 24 Stunden, 64.000 Infizierte, mehr Gesundschreibungen - Streit um Eurobonds: EU-Gipfel kurz vor dem Platzen - Innenminister: Debatte über härtere Quarantäne-Maßnahmen - Gesundheitwesen am Limit: Nutzlose Tests und unnütze Privatkrankenhäuser - "Halbe Million Infizierte": Mathematiker vesuchen Dunkelziffern zu erhellen Cornoavirus in Spanien, die Zahlen am Freitag, 27. März, 12 Uhr, Quelle: Ministerium für Gesundheit: Infizierte: 64.059 (Vortag: 56.188) Tote: 4.858 (Vortag: 4.089, also 769 mehr in 24 Stunden, d.h hier kein Abflachen) Auf Intensivstationen: 4.165 (Vortag: 3.600) Gesund geschrieben: 9.357 (Vortag: 7.015, also + 2.350, die beste Zahl seit Beginn der Krise) Der Anstieg der Infektionen um 18,6% wird von als Experten als Anzeichen für eine leichte Abflachung gewertet, in den vorigen Tagen lag sie stets über 20%. Streit um Eurobonds: EU-Gipfel im Zeichen der Corona-Krise Am Donnerstag fanden binnen weniger Stunden ein G20-Gipfel und ein EU-Gipfel statt, beide natürlich per Videokonferenz. Bei letzterem suchten die Staatschef eine gemeinsame Antwort, wie man die Corona-Krise, vor allem aber dem Neustart danach möglichst gemeinsam meistern kann. Dabei soll es hoch hergeangen sein, denn vor allem Deutschland und die Niederlande, aber auch Österreich oder Finnland zeigen sich, vorsichtig gesagt, sehr reserviert gegenüber der Forderung von Italien und Spanien (sowie sieben weiterer Länder), die ökonomischen Folgen der Krise gemeinsam zu tragen, also über Eurobonds eine direkte Kreditaufnahme bei der EU möglich zu machen. Sie halten den Schuldenaufkauf von bis zu 750 Milliarden Euro durch die EZB und die Aussetzung der Stabilitätskriterien für ausreichend, um den Staaten genügend Spielraum für den "Wiederaufbau" zu ermöglichen. Die Südländer, unterstützt auch durch Frankreich, Belgien und Luxemburg, sehen das nicht so. Sie wollen langfristig den Schuldendienst auf alle 27 EU-Schultern verteilen, ohne der EU dabei aber Mitspracherechte bei den nationalen Haushalten einzuräumen, die über das bisherige hinausgehen. Die EU steht in der Haushaltspolitik also vor der Spaltung, bestenfalls vor einem Paradigmenwechsel. Regierungschef Sánchez für Spanien und sein italienischer Amtskollege Guiseppe Conte waren kurz davor den Gipfel platzen zu lassen, weil sie die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung verweigerten, die "voll von Allgemeinplätzen und Unklarheiten" sei. Ihr Druck sorgte dafür, dass man sich in zwei Wochen wiedertrifft, um den "Schock ohne Beispiel", den Europa laut Sánchez erwartet, angemessen zu beantworten. Er werde "kein Dokument unterschreiben, das nicht klar festlegt, dass und wie die Wirtwschaftsminister Europas weiterarbeiten können". Ein Kompromiss könnte sich abzeichnen: Keine Eurobonds, aber Coronabonds mit einer zeitlich klar umrissenen Laufzeit von zum Beispiel 15 bis 20 Jahren. Italien erreichte zumindest kurzfristig einen Durchbruch: Länder, die das brauchen bekommen ab sofort Zugang zu Notkrediten aus dem Mechanismus des Europäischen Stabilitätsfonds mit einer Kapazität von bis zu 410 Milliarden Euro. Dieser Fonds (ESM oder Mede) war eigentlich als Notfallplan für eine erneute Finanzkrise gebildet worden, könnte aber jetzt wichtige Lücken stopfen helfen. Das Problem: Da der Coronavirus sich nicht zeitgleich in allen Ländern etwickelt, ist heute noch nicht absehbar, wer am meisten Hilfe brauchen wird. Am Tag des Gipfel vor 25 Jahren trat Schenken in Kraft. Beim Jubiläum muss die EU zusehen, wie die Grenzen wieder geschlossen oder streng kontrolliert werden. Das führte dazu, dass die Lieferketten per Straße Verspätungen von im Schnitt 24 Stunden beim Warentransport registrieren - auch bei medizinischer Ware. Alle waren sich einig, dass die Errungenschaft Schengen und der EU-Binnenmarkt nicht zur Disposition stehenh, sobald die Spitze der Corona-Krise überwunden ist. Konkretere Nothilfe konnten die EU-Staaten immerhin vereinbaren: Koordination bei der grenzüberschreitenden Verlegung von Intensivpatienten (Deutschland nimmt zum Beispiel solche aus Italien und Frankreich auf), eine Koordinierung der Beschaffung, Austausch bei der Forschung nach einem Impfstoff oder andere Behandlungsmethoden. Härtere Quarantäne nötig? Mehrere Autonome Regionen fordern die weitere Einschränkung der wirtschaftlichen Tätigkeit. Der Innenminister Fernando Grande-Marlaska hat hingegen am Donnerstag ein Dekret publiziert, dass der Transport von Waren und Material nach wie vor erlaubt bleibt, unabhängig davon, welche weiteren Einschränkungen verhängt werden. Das Ministerium will sich damit darauf vorbereiten, die Belieferung mit Grundgütern sicherzustellen, auch wenn härtere Maßnahmen kommen sollten. "Alles hängt davon ab, wie sich die Infektionskurve entwickelt, wir schließen nichts aus". Einige Regionen, aber auch linke Parteien und Gewerkschaften zielen vor allem auf den Bausektor. Dort lasse man arbeiten, ohne die Sicherheitsbedingungen, also vor allem ausreichenden Abstand zwischen den Arbeitern, ausreichend zu kontrollieren. "Oder wir halten das Land an oder wir verlieren das Land", so Gabriel Rufián von der Republikanischen Linken, der auch Koalitionspartei Podemos dabei hinter sich weiß. Die Regierung Sánchez zögert, mehr als eine Million ERTEs, also zeitweise Freistellung von der Arbeit wurden bereits beantragt, man fürchtet, bei noch mehr, dass die Wiederbelebung nicht gelingt. Die Regierung appeliert an die Arbeitgeber und das Recht der Arbeitnehmer auf Sicherheitsvorkehrungen: "Es gibt keine Verpflichtung weiter zu arbeiten". Verzögerungen bei Hilfe für Gesundheitswesen Über 1.000 Beatmungsgeräte, die die Regierung beschafft hat, wurden an Krankenhäuser überstellt. Die Autonomen Regionen gehen aber dazu über, die privaten Krankenhäuser und Ärztehäuser aufuzfordern, ihre Bestände bekannt zu geben. Man wolle zum Beispiel Beamtungsgeräten aus nicht aktiven Chirurgien und anderen Operationssälen abziehen, notfalls unter Zwang, wie es das Dekret über den Alarmzustand erlaubt. Sogar die Gerätschaften von Tierkliniken könnten herangezogen werden. Das gleiche gelte für Ausrüstung, Betten und auch Personal. Denn, wie berichtet, viele private Kliniken haben Teile ihrer Einrichtungen geschlossen - mitten in der größten Gesundheitskrise der modernen Geschichte des Landes. Immer mehr Krankenhäuser melden nach wie vor das Fehlen von Basismaterial und den Quasi-Kollaps der Notaufnahmen und Intensivstationen. Regierung: "Wir tun, was wir können". Zahlenspiele und Probleme mit Tests Mathematiker und Statistiker versuchen derzeit mit verschiedenen Modellen, die tatsächliche Zahl der mit Covid-19 Infizierten hochzurechnen. Die im Vergleich extrem hohe Sterberate von 7 Prozent sei "absurd", die tatsächliche Mortalitätsrate dieses Virus liege zwischen 1 und 2 Prozent, so meinen Experten weltweit relativ übereinstimmend. Der Professor für Mathematik an der Uni Sevilla arbeitet seit einem Monat daran eine vernünftige Schätzung zu errechnen, er kommt danach auf rund 500.000 Infizierte. Statistiker versuchen hingegen durch Umfragen der Wahrheit näher zu kommen und kommen dabei auf Zahlen, die an die 2 Millionen heranreichen, was wiederum Virologen als übertrieben ansehen. Echte Aufklärung kann nur eine massive Erhöhung der Testdichte bringen. Doch dazu bedarf es vieler, zuverlässiger Tests. Von den 640.000, die die Regierung jetzt über einen spanischen Händler in China eingekauft hat, stellten sich die ersten 58.000 als nutzlos raus, sie hatten eine Diagnosesicherheit von 30%, 80% seien mindestens nötig. Mit EU-Partnern sucht man nun nach einheitlichen sicheren Tests, der Markt dafür sei aber "schlimmer als der wilde Westen", wie die Regierung selbst eingestand.

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