Testen, um sich ein klares Bild machen zu können. Foto: EFE

Coronavirus Spanien: Projekt "Arche Noah"

- Aktuelle Zahlen: Geringster Anstieg seit zwei Wochen - Testen, bis der Arzt (nicht mehr) kommt - I...

- Aktuelle Zahlen: Geringster Anstieg seit zwei Wochen - Testen, bis der Arzt (nicht mehr) kommt - Isolation von Infizierten ohne Symptome - Regierung prüft bedingungsloses Grundeinkommen Stand Coronavirus Spanien, Mitteilungsstand, Montag, 6. April, 12 Uhr, Gesundheitsministerium Madrid: Registrierte Infizierte: 135.032 (Vortag: 130.759, Anstieg 3,6%, der geringste seit 14 Tagen) Tote: 13.055 (Vortag 12.418, +637 binnen 24 Stunden, geringster Zuwachs seit 10 Tagen) UCI-Behandlung erhielten oder erhalten: 6.931 Personen (+60) Gesundgeschriebene: 40.437 Madrid - mar. In diesen Tagen lässt die Regierung eine Million - nunmehr verlässlicherer Tetsts - an die Regionen verteilen. Mit diesen will man die unsichtbaren Überträger aufspüren und isolieren, also jene Infizierten, die keine Symptome zeigen, aber das Covid-19-Virus weiter verteilen. Daher werden zunächst die Tests bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen, Sicherheitsdiensten, Polizisten, Pflegern in Altersheimen, aber auch LkW-Fahrern, Kassierern in Supermärkten oder Essensauslieferern verstärkt. Im nächsten Schritt sollen diese Tests auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt werden und, so weit möglich, die positiv Getesteten isoliert werden, auch wenn sie selbst keine medizinische Behandlung brauchen. Regierungschef Sánchez geht damit den chinesischen Weg der "Arche Noah" und fordert bis 10. April von allen Regionen eine Liste mit Unterbringungsmöglichkeiten für positiv Getestete ohne Symptome an. Innenminister Grande-Marlaska hofft auf das Einsehen der Betroffenen für die Maßnahme, denkt aber auch Zwangseinweisungen in diese Quarantäne-Zentren an, wenn "es nicht anders geht", denn das "Ziel ist die öffentliche Gesundheit", man wolle dabei aber "die Grundrechte respektieren" und so weit möglich die Quarantäne im eigenen Heim anordnen, "was aber nicht in allen Fällen möglich" sei. Rechtlich kann die Zwangseinweisung durch einen Richter erfolgen, wenn die "öffentliche Gesundheit in Gefahr" ist. Interessiert schaut man auch nach Deutschland, wo mehrere führende Labors und Forschungseinrichtungen Antikörper-Tests entwickeln, um sich einen Überblick über die anwachsende Herdenimmunität zu verschaffen. Dies sei die Basis, den Stand der Epidemie, zusammen mit den Informationen über Erkrankte und Infizierte, wirklich zu erfassen und so sinnvolle und haltbare Entscheidungen bei der Anpassung und Abmilderung der Quarantänemaßnahmen zu treffen. Derzeit führt Spanien täglich 15.000 bis 20.000 sogenannte PCR-Tests durch, die Antikörper im Blut aufspüren. Bei Menschen, die gerade erste Symptome aufzeigen, hätte der Test eine Verlässlichkeit von rund 64%, nach sieben Tagen von 80%, so Gesundheitsminister Illa. Man wolle die Testmenge um 50% hochfahren. Bei vielen Fragen tappt man aber noch im Dunkeln, zum Beispiel wie lange Menschen, die die Krankheit überwunden haben oder auch Menschen, die sie gar nicht spürten, aber Antikörper entwickelten, immun bleiben. Dazu brauche man schlicht mehr Zeit. Doch die Beantwortung dieser Frage sei entscheidend, um zu wissen wie umfänglich und wie schnell man die Quarantäne im Land lockern könne, ohne einen allgemeinen Rückfall hinnehmen zu müssen. Studiert werden alle Szenarien, bis hin zur Ausstellung von Coronafrei-Pässen oder Apps für Genesene. Bedingungsloses Grundeinkommen? Die Regierung studiert die Einführung der Zahlung eines Grundeinkommens für alle Bürger oder bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze, sowohl für kurze Dauer zur Überwindung unmittelbarer Krisenauswirkung als auch dauerhaft als Ersatz für das löchrige soziale Netz. Das sogenannte "bedingungslose Grundeinkommen" hat unter Ökonomen Anhänger, die es direkte Subvention für die Wirtschaft bei gleichzeitiger sozialer Absicherung der Bürger feiern, die den Staat letztlich preiswerter kommen als die bisherigen Konstrukte. Denn, ein Grundeinkommen würde fast zu 100% in den Konsum fließen. Die Gegner, vor allem aus dem Neoliberalismus, sehen darin eine "sozialistische" Maßnahme. Linke Politiker wollen das Grundeinkommen mit einer höheren Besteuerung von hohen Vermögen und Einkommen querfinanzieren, Ökonomen halten die bestehenden Systeme dafür für ausreichend. Andere Staaten prüfen diese Maßnahme auch im Hinblick auf die soziale Absicherung gegen andere zyklische Krisen der Marktwirtschaft.

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