Das Gesundheitswesen nicht kollabieren lassen: Hauptaufgabe der Stunde. Fotos: Ángel García|Neue Krankenhausbetten für das Hospital de Dénia. Foto: Ángel García

Coronavirus Spanien: In Richtung Höhepunkt

- 47.610 Infizierte, 3.434 Tote, 3.166 auf Intensivstation (Stand Mittwoch, 12 Uhr, Zahlen vom Gesun...

- 47.610 Infizierte, 3.434 Tote, 3.166 auf Intensivstation (Stand Mittwoch, 12 Uhr, Zahlen vom Gesundheitsministerium in Madrid) - EU: "Haben Material für alle gekauft", 11 Milliarden Euro für Spanien - 9 EU-Regierungschefs fordern Direktverschuldung über "Corona-Anleihen" - Regierung will bei Mieten einspringen / Nachbesserungen für Selbständige - Verstöße gegen Quarantäne: 926 Verhaftungen, 102.000 Anzeigen - Region Valencia: Alle Parteien für härtere Maßnahmen / Schutzausrüstung verteilt / Soliwelle mit Gesundheitwesen Madrid/Valencia - mar. Mit Veröffentlichungsstand Mittwoch, 12 Uhr, registriert Spanien 3.434 (+ 738 in 24 Stunden) Tote und 47.610 Infizierte (+7.700) durch das Coronavirus.  3.166 liegen auf Intensivstationen. Die Effekte der Ausgangssperre auf diese Horrorstatistik sollen laut Gesundheitsministerium "ab Ende der Woche spürbar werden", was auch bedeutet, dass die schlimmsten Tage jetzt kommen. Bisher konnten 3.800 Personen gesund geschrieben werden, am Dienstagabend lagen 2.636 Menschen auf Intensivstationen. Die Verlängerung des Alarmzustandes wird am Mittwoch formal im Parlament bestätigt. In Italien stieg die Zahl der Toten, nach einem leichten Rückgang, wieder an, auf 743 in nur 24 Stunden, 6.820 insgesamt. Die Weltgesundheitsorganisation spricht "von einer großen Beschleunigung der Pandemie weltweit", vor allem aber in den USA, das als neues Epizentrum von Covid-19 gilt. Im chinesischen Wuhan hingegen sollen die Reiseverbote ab 8. April schrittweise aufgehoben werden. In einem Interview mit "El País" erklärte die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass die "gemeinsame Bestellung von 25 Mitgliedsländern" für medizinische Ausrüstung, in erster Linie Schutzausrüstung erfolgreich realisiert wurde. "Die Länder erhalten jetzt, was sie bestellt haben und wir haben sogar mehr besorgt", so die EU-Chefin, die auch Ärztin ist und aus ihrem Büro ein 24/7-Lagezentrum gemacht hat. Spanien könne zudem auf 11 Milliarden aus dem EU-Budget zugreifen "EU-Gelder, die direkt an Spanien gehen", hätte keine Beschränkungen bei Staatshilfen für Unternehmen (die sonst als wettbewerbsverzerrende Subventionen in der EU verboten waren) und zudem begrüße sie den Aufruf von Regierungschef Sánchez nach einem europaweiten Marshallplan. Zudem sei sie überzeugt, dass den Menschen in der Krise der Wert von Reisefreiheit und Binnenmarkt klar werde. Die EU habe mit Ausbruch der Krise in Wuhan "sofort 56 Tonnen Hilfsgüter nach China geschickt. Das hat man dort nicht vergessen." Trotz Schuldenaufkauf bis zu 750 Milliarden Euro, Entlastungen von Haushaltsvorgaben und direkhilfen ist die Spaltung der EU in der Finanzfrage da: 9 EU-Regierungschefs richteten an die EU einen Brandbrief, in dem sie die Möglichkeit der Direktverschuldung über Anleihen, also "Corona-Bonds" fordern. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Premiers von Italien, Griechenland, Spanien, Belgien, Luxemburg. Dies wird von Teilen der Eurogruppe, wie Deutschland, Finnland oder Österreich abgelehnt. Beim kommenden Ministerrat der spanischen Regierung sollen einige neue Hilfsmaßnahmen verabschiedet werden. Laut der Nachrichtenagentur EFE, die sich Quellen um Premier Sánchez bezieht, gehört dazu auch eine umfassende Mietbeihilfe für privat und geschäftlich (für Selbständige und Klein- und Mittelständische Unternehmen): "alle Personen, die so hohe Einkommenseinbußen erleiden, dass sie sie nicht mehr selbst bezahlen können", sollen dann die Miete reduzieren können (laut El País bis zu 100%). Das sei keine Stundung oder ein Kredit, sondern die Regierung, also der Staatshaushalt würde dann gegenüber den Vermietern für die Ausfälle aufkommen. Bei bis zu zwei Immobilien bis zu 100%, danach absteigen bis zu 5% für jene, die mehr als acht Immobilien vermieten. Die Initiative dazu soll von Unidas Podemos gekommen sein. Außerdem würden sich Mietverträge, die während des Alarmzustandes auslaufen, automatisch um drei Monate verlängern, Mieterhöhungen sollen auf ein halbes Jahr "praktisch verboten" werden. Innenminister Fernando Grande-Marlaska erwähnte in seiner Sicherheitsbilanz, das seit der Verhängung des Alarmzustandes 926 Personen verhaftet und 102.000 Anzeigen wegen Übertretungen der Ausgangssperre erstattet wurden. Allein am Dienstag waren es 130 Verhaftungen und 20.000 Anzeigen. "Doch die große Mehrheit hält sich vorbildlich an die Vorgaben." Besonders besorgt zeigte sich die Polizei über Fälle, in denen Coronavirus-Patienten aus Krankenhäusern fliehen. Einer davon spielte in Benidorm, der Mann, der sich heimlich aus dem Hospital geschlichen hatte, wurde nach drei Stunden von der Polizei in seiner Wohnung gefunden und zurückgebracht. Er hatte ein Taxi genommen, - der Fahrer musste daher unter Quarantäne gestellt werden. Zunehmend Sorge bereitet den Sicherheitskräften neben "Fake-News" vor allem auch konzertierte Cyber-Angriffe, auch auf die IT-Infrastruktur von Gesundheitwseinrichtungen oder staatlichen Behörden, die Staatsanwaltschaft habe dagegen eine Sonderkommission gebildet. Besondere Unterstützung durch Polizei und Armee erhielten die Mitarbeiter des Gesundheitswesens momentan bei der Überstellung von Patienten in Behelfskrankenhäuser sowie der Durchsuchung, Desinfektion und notfalls Evakuation von Altenheimen, die bekanntlich häufig Corona-Herde sind und teilweise aufgegeben wurden, auch, weil das Personal selbst erkrankt war. Dutzende Tote waren die Folge. Am Mittwochmorgen wurden in einem Altersheim im Madrider Stadtteil Chamartín weitere 23 Tote gefunden.   [caption id="attachment_74092" align="aligncenter" width="1417"] Neue Krankenhausbetten für das Hospital de Dénia. Foto: Ángel García[/caption] In der Region Valencia startete die Großaktion zur Verteilung der dringend benötigten Schutzausrüstung für Gesundheitsmitarbeiter: 5.000 Einteiler, 3,8 Millionen Schutzmasken, 200.000 paar Schutzhandschuhe und Schutzbrillen gingen am Dienstag bereits an Hospitäler und Gesundheitszentren, später auch an Altersheime und Sicherheitskräfte aller Art, insgesamt 15 Tonnen Material. Dabei handelt es sich um Ware aus der "Aktion Seidenstraße", die Valencia auf eigene Faust - und daher sehr teuer - in China gekauft und selbst eingeflogen hat. Für Mittwoch wird weiteres Material aus Madrid und der EU erwartet. Ähnlich verhält es sich mit den Schnelltests, die allmählich zum Standard werden. Valencias Regionalpräsident Ximo Puig gehört zu jenen, die eine härtere Gangart gegen das Virus fordern. Er - und auch die Opposition im Landtag Valencia - fordern von Sánchez, entweder "weitere Restriktionen" bei der wirtschaftlichen Tätigkeit, - also nur noch lebenswichtige Branchen offen zu lassen oder "höhere Sicherheitsmaßnahmen vorzuschreiben." Es sei besser, hetzt knallharte 15+15 Tage durchzuziehen, anstatt die Ausgangssperre für alle dann nochmals um zwei Wochen verlängern zu müssen, so Puig. Allerdings wurde aus Madrid schon angedeutet, dass sich die Menschen wohl bis Ende April zu Hause einrichten dürfen. Vor allem im Bausektor in Valencia würde weitergewerkelt, - an Ferienhäusern - als gäbe es keinen Virus, in der Landwirtschaft leiden vor allem die Erntehelfer - meist Einwanderer - unter dem Mangel an sanitären Schutzvorrichtungen, in erster Linie bei der An- und Abfahrt. Die Polizei hatte bereits mehrere vollgestopfte Busse auf dem Weg zu Feldern in der Vega Baja, aber auch in Murcia gestoppt, weshalb die Bauern ihre Felder nicht abernten können. Ungebremst ist hingegen die Solidaritätswelle mit den Mitarbeitern im Gesundheitswesen, die am und über dem Limit arbeiten, obwohl sie zur am stärksten betroffenen Gruppe bei den Infektionen zählen. Neben dem allabendlichen Applaus gibt es viele staatliche und private Hilfe: Omas nähen Schutzmmasken, Restaurants liefern kostenlos Essen, Hoteliers stellen Ruheräume für ein Nickerchen und eine heiße Dusche bereit, zigtausende virtuelle Grußkarten an Patienten und Mitarbeiter, Bilder von Kindern gemalt, halten die Moral hoch - obwohl die Zustände in vielen Krankenhäusern deprimiernd sind und aufgrund dessen, was uns bevorsteht, wohl auch noch eine Weile bleiben werden.

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