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Coronavirus Spanien: Suche nach dem Ausweg

- Aktuelle Zahlen: Neuer trauriger Rekord - Hilfslieferungen aus China, von der NATO - und die EU? -...

- Aktuelle Zahlen: Neuer trauriger Rekord - Hilfslieferungen aus China, von der NATO - und die EU? - Deutschland bietet Spanien Intensivbetten an - Opposition kündigt Pakt mit Regierung auf - Verzweifelte Rechte: Vox bittet Militär um Staatsstreich Der Stand der Corona-Epidemie in Spanien, Mitteilungsstand 1. April, 12 Uhr, Quelle: Spanisches Gesundheitsministerium: - Infizierte: 102.136 (Vortag: 94.417, +7.719, +8,1%) - Tote: 9.053 (Vortag: 8.189, +864 in 24 Stunden) - Gesundgeschriebene: 22.647 (Vortag: 19.259) - Auf Intensivstationen: 5.872 - Gesundgeschriebene: 22.647 Trotz eines neuen Rekords an Toten binnen 24 Stunden, bleiben die Tendenzen der Stabilisierung, also die Verlangsamung des Anwachsens von Toten und Neuinfizierten bestehen. Katalonien hat die Region Madrid mittlerweile bei der Zahl der Toten und der in Intensivstationen Eingelieferten überflügelt. Neben Fernando Simón, dem Chef des technischen Krisenstabes, sind zwei weitere Vertreter desselben, die täglich im TV berichteten, positiv auf Covid-19 getestet worden, der Chef der Nationalpolizei und der Guardia Civil. Madrid - mar. Mehrere Berechnungen geben unterschiedliche Prognosen und Urteile über die Krisenpolitik Spaniens ab. Auf der einen Seite bescheinigt die Londoner Elite-Uni Imperial College, dass die Quarantänemaßnahmen in Spanien bisher mindestens schon 16.000 Menschenleben gerettet hätten. Aus der gleichen Berechnung geht allerdings auch hervor, dass die Zahl der Toten binnen zwei Wochen auf 30.000 ansteigen könne. - Hilfslieferungen aus China, von der NATO - und die EU? Mehrere Maschinen mit Hilfsgütern aus China, gecharterte Flüge von der Madrider Zentralregierung und von Regionalregierungen brachten in den letzten 24 Stunden hunderte Tonnen der dringend benötigten Schutzausrüstungen ins Land. Kontrovers diskutiert wird, dass China im Februar weltweit für hunderte Millionen Euro Schutzausrüstung aufgekauft haben soll, die sie nun teilweise in großzügiger Spendengeste wieder zurückgibt. Auch die NATO hatte Italien und Spanien im Rahmen eines Notfallmechanismus der Militärallianz bereits Hilfsgüter gebracht, im Unterschied zur EU, die durch ihre - durch die Nationalstaaten - beschränkten Kompetenzen, aber auch die Zögerlichkeit ihrer Köpfe derzeit eine fragwürdige Figur abgibt. Zwar stehen auch EU-seitig Abermilliarden an Hilfen bereit, doch in der Grundsatzfrage der Lastenteilung bleibt die Kluft zwischen Nord und Süd, also auch Arm und Reich eine offene. Neben der Frage des Stellenwertes des öffentlichen Gesundheitssystems in Spanien wird die Rolle und die Zukunft der EU nach der Coronavirus-Krise an Bedeutung gewinnen. Deutschland bietet Spanien Intensivbetten an Mittlerweile hat Deutschland auch Spanien angeboten, Intensivpatienten in deutsche Kliniken aufzunehmen. Wie es aus dem Auswärtigen Amt hieß, ging die spanische Regierung jedoch bisher nicht auf das Angebot ein. Private deutsche Klinikgruppen unterstützen derweil ihre spanischen Tochtergesellschaften mit Fachpersonal. Der deutsche Bundesaußenminister Heiko Maas äußerte sich auf Twitter angesichts der vielen Toten in Spanien bestürzt über die „unsagbaren bitteren“ Nachrichten aus Spanien und drückte „unseren spanischen Freunden“ sein Mitgefühl aus. - Opposition kündigt Pakt mit Regierung auf Die Regierung Sánchez hat indirekt eingeräumt, Fehler beim Krisenmanagement begangen zu haben. So habe man tatsächlich die Sozialpartner nicht ausreichend schnell über die Stilllegung der nicht essentiellen Industrie informiert. Man wolle die Zusammenarbeit nun verbessern, auch mit den Oppositionsparteien, um zu gemeinsam getragenen Lösungen zu kommen. Die Volkspartei, PP, schlägt sich indes einseitig auf die Seite der Unternehmen, die "von der Regierung wie Feinde" behandelt würden und droht damit, gegen die Maßnahmen des gestern verkündeten Sozialpaketes und andere Regierungsvorhaben zum Wiederaufbau zu stimmen, "wenn die Maßnahmen nicht verändert" würden. - Verzweifelte Rechte: Vox bittet Militär um Staatsstreich In einem kläglichen Versuch, wieder eine Rolle im politischen Diskurs zu spielen, forderte der Chef der rechtsextremen Partei Vox, Santiago Abascal, am Dienstag per Videobotschaft den Rücktritt von Pedro Sánchez und seines Podemos-Vize Pablo Iglesias. Man brauche jetzt eine "Regierung der nationalen Konzentration", dabei solle das Militär eine Schlüsselrolle spielen und alle "wichtigen Infrastrukturen", darunter auch "Kommunikation", besetzen. Abascal trug also im Grunde die "Bitte" um einen Staatsstreich vor. Das Militär ist tatsächlich im Einsatz, 6.200 Mann helfen beim Desinfizieren, bei Transportaufgaben und bei der Durchsetzung der Quarantäne-Vorschriften - unter der operativen Leitung des Innenministeriums, also als Hilfstruppe für die Polizei. Dabei wird es auch bleiben. Vox hat seit Beginn der Krise, bis auf abstruse Parolen, so gar nichts Produktives beigesteuert, ganz genau wie alle rechtspopulistischen Parteien Europas. Mit Fakenews und Panikmache und der Ausschlachtung tatsächlicher Defizite bei der Krisenbewältigung hofft die Partei Stimmung bei frustrierten Bürgern zu machen und sich als Retter zu qualifizieren. Es blieb bisher aber ruhig auf den Straßen. Ein Putsch ist nicht in Sicht. Dass die Strategie von Vox Früchte trägt, ist dennoch nicht auszuschließen und hängt auch davon ab, ob die Regierung den Menschen eine glaubwürdige Perspektive als Ausweg aus der Krise bieten können wird.

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