Mehrere Personen sitzen im Außenbereich einer Bar in Valencia.
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Coronavirus Valencia: Mit Beginn der Phase 1 ist die Ansteckungsrate gestiegen.

Viele Coronavirus-Fälle, wenige Tests

Coronavirus in Valencia: Am 1. Juni treten alle Provinzen der Region in Phase 2 ein

  • vonStella Kirchner
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Seit dem 1. Juni kann das ganze Land Valencia die Phase 2 des Deeskalationsplans genießen. In der Phase 1 hatten einige Gesundheitsbezirke länger als geplant bleiben müssen. 

  • Coronavirus in Valencia: Spaniens Regierung sagt Land Übertritt in Phase 2 zum 1. Juni zu.
  • Valencia registierte einen höheren Anstieg der Covid-19-Ansteckungen als andere Regionen.
  • Mehr Coronavirus-Tests: Madrid fordert von Valencias Gesundheitsministerium eine bessere Kontrolle der Covid-19-Fälle.

Valencia-Viele Menschen haben erwartet, dass Teile der Comunidad Valenciana mittlerweile in der Phase 2 des Coronavirus-Deeskalationsplans angekommen wären. Enttäuschung über den verpassten Eintritt trifft auf Unsicherheit über die möglichen Gründe für den Verbleib in der Phase 1. Denn die Signale könnten unterschiedlicher nicht sein: Während die Krankenhäuser von Dénia bis Torrevieja immer leerer werden, schwanken die positiven Testergebnisse auf das Sars-CoV-2 von Tag zu Tag. Die Gesundheitsministerin von Valencia, Ana Barceló, beruhigt und erklärt, man wolle ein einheitliches Vorgehen für das gesamte Land wählen.  

Coronavirus Valencia: Gesundheitsministerin will Phase 2 für alle Provinzen gleichzeitig

Auf die Frage, weshalb Gesundheitsbezirke wie Orihuela und Dénia, die von Anfang an geringe Fallzahlen an Coronavirus-Patienten aufwiesen, nicht schon diese Woche in die zweite Phase des Coronavirus-Deeskalationsplans aufrücken können, hat Landesgesundheitsministerin Ana Barceló immer wieder versichert, das Vorgehen habe organisatorische Gründe. „Wir haben keinen neuen Coronavirus-Ausbruch, aber wir wollen einfach noch eine Woche warten“, erklärte sie gegenüber der spanischen Zeitung „El País“ am Wochenende. Mittlerweile hat die spanische Zentralregierung auch die Hochstufung in die Phase 2 bestätigt.

Doch die Erklärung der Gesundheitsministerin scheint nur die halbe Wahrheit zu sein. Seit Beginn der Phase 1 vor drei Wochen wurde ein stetiger Anstieg der Coronavirus-Reproduktionsrate in Valencia verzeichnet. Diese Zahl gibt an, wie viele Menschen ein Covid-19-Kranker im Durchschnitt ansteckt. Eine Ansteckungsrate von 1 bedeutet, dass ein am Coronavirus Erkrankter im Schnitt eine Person ansteckt. Ab dieser Zahl besteht aus Sicht der Gesundheitsbehörden das Risiko des Wiederausbruchs einer Pandemie.

Phase 1 für Valencia: Die Markthalle der Landeshauptstadt ist noch relativ leer.

Seit Montag ist die Coronavirus-Reproduktionsrate in Valencia das erste Mal stabil, momentan steht die Comunidad Valenciana bei einer Reproduktionsrate von 0,84, vor den Lockerungen lag sie noch bei 0,66. In einer von dem spanischen Gesundheitsministerium in dieser Woche öffentlich bekannt gemachten Bestandsaufnahme über das Gesundheitssystem im Land Valencia, die auf den 18. Mai datiert ist und den Übertritt der Ballungsräume Valencia, Castellón und Alicante in die Phase 1 begründet, wurde das Land explizit dazu aufgefordert, die Gesundheitsbezirke Alicante, Elche, Valencia-La Fe und Ribera sowie Plana in Castellón genau zu überprüfen, weil dort die Ansteckungsraten weit über dem Durchschnitt der Autonomen Gemeinschaft lägen. Es gilt als sicher, dass die erhöhte Ansteckungsrate mit diesen Gebieten zu tun hat. Nur wenn diese Gebiete sicher seien, könne Madrid das Aufrücken des Landes Valencia in die Phase 2 genehmigen, so das Dokument.

Coronavirus: Mehr Ansteckungen oder nur mehr Tests?  

In vielen Autonomen Regionen ist die Coronavirus-Reproduktionsrate mit einer Erhöhung der Test-Frequenz auf Sars-CoV-2 nach oben gegangen, weil dadurch mehr Fälle identifiziert wurden. Seit Beginn der Coronavirus-Deeskalation hat das spanische Gesundheitsminisiterium angeordnet, jeden Patienten bereits bei leichten Symptomen innerhalb von 24 Stunden zu testen. Tatsächlich steht das Ministerium von Ana Barceló bei der Testrate ihrer Bevölkerung eher mittelmäßig da. Lediglich 37,5 von 1.000 Einwohnern wurden auf Sars-CoV-2 getestet. Asturien und Galizien, die einen ähnlichen Anteil an Covid-19-Erkrankungen pro 100.000 Einwohner beklagen mussten, testeten im Schnitt 80 von 1.000 Einwohnern (Asturien) beziehungsweise 54 von 1.000 Einwohnern (Galizien).

Das blieb auch Madrid nicht verborgen. In dem Dokument über die Coronavirus-Situation im Land Valencia schätzt das spanische Gesundheitsministerium, dass Valencia etwa 30 Prozent der gemeldeten Coronavirus-Verdachtsfälle testet. Das Dokument spricht eine dringende Empfehlung aus, „mehr Anstrengung“ in eine höhere Testrate zu stecken, da genügend Ressourcen vorhanden seien. Für das Funktionieren der schrittweisen Lockerungen hält die Zentralregierung aber ein genaues Wissen der Regionen über ihre Covid-19-Erkrankungen für essenziell. Mehr Tests durchzuführen, sei ebenfalls ein Kriterium für das Vorrücken in die nächste Phase des Deeskalationsplans.

Covid-19 Valencia: So wenig Neuerkrankungen wie im März

Strandbar erlaubt, Baden verboten: Valencia wartet auf das Vorrücken in die Phase 2.

Die absoluten Zahlen der Neuansteckungen geben weniger Grund zur Sorge. „Es werden immer mehr Menschen gesundgeschrieben, das ist eine wichtige Entwicklung“, sagt die Gesundheitsministerin Barceló in einer Pressekonferenz. Die Anzahl der Neuerkrankungen lägen auf dem Niveau von Anfang März vor Ausbruch der Coronavirus-Epidemie in Spanien, zuletzt bei 34 Fällen innerhalb von 24 Stunden. Madrid habe ebenfalls bereits bestätigt, dass alle Provinzen und Gesundheitsbezirke am kommenden Montag, 1. Juni, die Phase 2 mit neuen Freiheiten wie Strandbesuchen genießen können.  

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