Ein Mann in blauem T-Shirt macht von flacher Landschaft am Meer ein Foto.
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Die Baufirma will 500 neue Häuser im Süden der Costa Blanca bauen. Kulturfreunde wollen das Gebiet schützen.

Bauen in Spanien

500 neue Häuser am Meer: Firma bebaut historisches Agrarland im Süden der Costa Blanca

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Ein Bauträger kündigt an Spaniens Küste in Guardamar eine neue Siedlung aus Ferienhäusern mit Meerblick an. Doch es gibt auch Kritik an der stetigen Bebauung der Costa Blanca. Ein Bauprojekt an derselben war schon einmal gescheitert.

Guardamar del Segura – Zu den Vorzügen von Guardamar gehört, dass der Ort am Meer – trotz all seiner Strandhäuschen – nicht ganz so zugepflastert ist wie andere Gemeinden der Costa Blanca. Dicht besiedelt ist der Ortskern um die Burg. An der Küste im Süden und Norden klaffen dagegen noch Lücken in der Betonwüste und schaffen Raum für den Kiefernwald und, näher am Meer, für die Dünen. Doch im Südbezirk Campomar wird ein Teil der vermeintlich leeren Fläche mit neuen Häusern bebaut. Eine neue Siedlung entsteht. Eine Firma will 500 Wohn- und Ferienhäuser bauen - auf historischem Agrarland.

Guardamar del SeguraErholungsort in der autonomen Region Valencia
Fläche: 35,58 km²
Bevölkerung: 15.058 (2018)

Costa Blanca: 500 neue Häuser am Meer - Firma bebaut historisches Agrarland im Süden

130.000 bis 150.000 Quadratmeter - die Zahlen unterscheiden sich in den vorgelegten Plänen jeweils - soll die neue Siedlung mit Ferienhäusern einnehmen. Für das Projekt verantwortlich ist eine Firma von der Costa Blanca, der Bauträger Passion Life aus Orihuela. Ein reizender Plan ist es für potenzielle Kunden, die von einem neuen Haus mit Meerblick in Spanien träumen. Doch es regt sich auch Widerstand gegen die Häuser auf dem Gelände am Meer. Denn so leer, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Fläche, die die Firma mit den 500 neuen Häusern bebauen will, nicht.

In Guardamars Südbezirk Campomar – zusammengesetzt aus den Wörtern campo, Ackerland, und mar, Meer, – waren vor Jahren noch viele Landwirte aktiv und kultivierten die spannend gelegene Zone an den Dünen-Stränden. Ganz in der Nähe des historischen Agrarlands sorgten in den vergangenen Monaten bereits Reste aus Zeiten der Römer und Mauren bei Archäologen für Aufsehen. Doch auch die nicht ganz so alten Reste der traditionellen Ackerlandschaft von Campomar sollten eher gefördert als mit einer Siedlung aus 500 neuen Häusern bebaut werden, glauben Kulturschützer.

Unbebaute Stellen: Kaum Durchatmen für Costa Blanca

Wohlgemerkt ist das Projekt der Firma, die das historische Agrarland von Guardamar mit den neuen Häusern bebauen will, längst nicht so drastisch wie das kürzlich angekündigte Mega-Projekt La Hoya, nur ein Stück weiter im Süden der Costa Blanca. Das Rathaus von Torrevieja segnete dort jüngst den Bau von 7.500 neuen Ferienwohnungen ab, auf der letzten großen, geschlossenen Fläche in der Salinenstadt.  Auch hier handelt es sich um historisches Agrarland - in der Nähe des Naturparks der Lagunen, das zu 180 Hektar in eine riesige Siedlung umgewandelt werden soll.

Dagegen wirkt der Plan der Baufirma aus Orihuela, 500 Häuser am Meer bei Guardamar zu bauen, relativ unbedeutend. Dennoch regt sich auch hier Kritik an der Costa Blanca. Vermeintliche Leerstellen der Bebauung, glauben Kulturschützer, können tatsächlich wertvolle Strukturen und natürliche Lebensräume bergen. Und: Unbebaute Stellen täten nicht zuletzt dem Erscheinungsbild der Küste gut. Auf der Nationalstraße N-332 an der Küste unterwegs, kann das Aufeinanderfolgen der vielen Siedlungen voller Ferienhäuser, von denen viele leerstehen, unfertig sind oder zweifelhafte Konstruktionen aufweisen, durchaus betrüben.

Die bebaute Costa Blanca bietet Häuser am Meer, zusehends aber auch endlose Betonwüste.

Doch wer weiß: Vielleicht bleibt das historische Agrarland im Süden von Guardamar ja doch noch für eine Weile von den Baumaschinen unberührt. Denn schon einmal scheiterte an selber Stelle der Costa Blanca, in Sichtweite des U-Boot-Sendemastes, der Bau einer Siedlung mit neuen Häusern am Meer. Vor 20 Jahren erteilte die Stadt, damals PP-regiert (heute PSOE), einer anderen Firma die Baulizenz. Die schwere Immobilienkrise machte jedoch den Plan zunichte, die Zone von Campomar zu bebauen. Sehr zur Freude von Kulturschützern und Freunden unberührter Natur am Meer.

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