Gedanken zur Pandemie

Costa Blanca: Strand im Corona-Herbst - Spanien mit Sonne oder reißender Welle?

  • vonStefan Wieczorek
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Wo an der Costa Blanca die Sonne im Salz untergeht. Gedanken zur Corona-Pandemie in Spanien mal anders: Im Meer an der Playa Tamarit bei Alicante.

Santa Pola – Es ist der 22. September, der letzte Abend vor dem Herbst im Coronavirus-Jahr 2020 in Spanien. Ich sitze an der Costa Blanca, weit von der Küste, im Meer. Die Playa Tamarit bei Santa Pola erlaubt diese entspannte soziale Distanz, denn das Wasser bleibt über viele Meter vom Strand entfernt seicht. Kinder oder Menschen mit beschränkter Mobilität nutzen gern diese sehr angenehme Stelle bei Alicante. Mit ihren tollen Winden lockt die Playa aber vor allem Wassersportler und Drachenflieger an.

Das Tolle an dem Strand im Süden der Costa Blanca ist jedoch, dass hier die Sonne im Salzwasser untergeht. Zwar nicht im Meer, das erlaubt die nach Osten blickende Küste von Spanien nicht, aber in den Salinen, also den Becken, in denen südlich von Alicante Salz gewonnen wird. Dahin schaue ich, spüre den Sand unter und das Wasser um mich und lasse jede Welle gewähren, die hinter meinem Rücken entsteht. Die immer tiefer stehende Sonne über den Salzbecken der Playa Tamarit blendet jedoch nun.

Strand an Costa Blanca im Herbst: Als Corona-Pirat angriff, versagten unsere Wachtürme

Damit die Sonne meine Augen nicht belästigt, schaue ich weg und blicke - am Strand der Costa Blanca auf den Herbst wartend- nach rechts. Hinter der Stadt Santa Pola streckt sich vor Alicante die große Landzunge ins Meer. Auf ihr der alte Wachturm, der vor 500 Jahren vor Piraten-Angriffen warnte. Der Turm gab ein Signal an den nächsten Turm, der mitten in den Salinen steht (siehe Tweet unten). Und dieser warnte die Städte Elche oder Crevillent im Hinterland. Auch als das Coronavirus angriff, waren wir gewarnt.

Zuerst funkte Anfang des Jahres 2020 wegen des Coronavirus China SOS, dann Italien. Dennoch waren wir in Spanien und an der Costa Blanca für die Pandemie nicht bereit. Das Virus SARS-CoV-2, kleiner als ein Sandkorn oder ein Salzkorn, war ein mörderischer Pirat. 30.000 Menschen tötete er in Spanien. Als wäre der Hafen in Beirut 160 mal explodiert. Unsere Wachtürme haben bei diesem Angriff versagt. Ich schaue weg.

Links von mir - ich blicke weiter vom Meer aus auf die Playa Tamarit - bietet der Strand im Süden der Costa Blanca eine historische Mole, und davor das Skelett eines alten Transport-Boots im Sand. Überbleibsel der früheren Salzindustrie der Provinz Alicante, einst unersetzlich, heute nur noch tote Reste. Die Salzfabrik, 1900 gegründet, arbeitet jedoch weiter – nun mit neuer Ausrüstung und einer wissenschaftlichen Abteilung.

Auch Corona, das sehen wir im Herbst der Pandemie, lässt scheinbar unersetzliche Dinge sterben. Andere werden überleben, sich an neue Zeiten anpassen.

Was bringt Corona-Herbst in Spanien - Eine Tsunami-Welle oder Sonne neuer Hoffnung?

Während die Sonne über der Costa Blanca sich dem salzigen Horizont nähert, fliegt ein Drachen über den Himmel. Schön, wie er die Winde nutzt, gekonnt gesteuert. Doch da: Eine falsche Bewegung an der Leine, und es geht abwärts. Der Drachen klatscht ins Wasser. Wie eine Feder im Wind kommt man sich vor, in diesen Corona-Zeiten, so unvorhersehbar, so überwältigend. Ich schließe die Augen, bin ruhig.

Altes Boot der Salzindustrie der Costa Blanca an Playa Tamarit.

Der Himmel über Alicante verdunkelt sich. Die Sonne ist in den Salinen der Playa Tamarit fast verschwunden.

Was lauert am finsteren Himmel hinter meinem Rücken? Eine zerstörerische Tsunami-Welle etwa, als wirtschaftliche Folge der Pandemie? Davon sprechen und schreiben in Spanien nicht wenige Experten. Oder doch, an einem Morgen im Herbst, die Sonne einer neuen Hoffnung? Das weiß ich, das kleine Körnchen im großen Meer an der Costa Blanca, noch nicht. Aber ich betrachte aufmerksam diesen Moment und begrüße die letzte Jahreszeit, die Corona noch nicht kennt.

Rubriklistenbild: © Stefan Wieczorek

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