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Wegen Brexit: Antiquitätenladen von Engländern an der Costa Blanca geht online

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Von: Anne Thesing

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Eine Frau sitzt auf einem Stuhl in einem Antiquitätengeschäft.
Der Antiquitäten-Laden der Engländerin Michelle Howlett an der Costa Blanca wird wegen des Brexit immer leerer. © Anne Thesing

Die Costa Blanca verliert einen auch von Deutschen gern besuchten Laden: Das Antiquitätengeschäft Pemberley der Engländerin Michelle Howlett in Jalón muss wegen der Brexit-Folgen schließen.

Jalón - Wer zum ersten Mal Michelle Howletts Laden „Pemberley Antiguedades“ in Jalón in Hinterland der Costa Blanca betritt, mag meinen, er sei gut bestückt. Alle, die den Laden der Engländerin schon länger kennen, wissen jedoch, dass es hier mal ganz anders aussah. „Er ist mittlerweile leer geworden“, sagt auch Michelle Howlett selbst. Seit 2008 betreibt sie das Geschäft in Jalón, gleich neben der Bodega, zuvor verkaufte sie zwei Jahre in Teulada. Ende Mai muss sie schweren Herzens schließen. Der Brexit hat ihr das Geschäft vermiest.

XalóGemeinde in der Comarca Marina Alta
Höhe189 m
Fläche34,59 km²
Bevölkerung2.683 (2018)
ProvinzProvinz Alicante

Antiquitäten an der Costa Blanca: Vor dem Brexit war es leichter

„Vor dem Brexit sind wir drei bis vier Mal im Jahr nach England gefahren und haben dort Antiquitäten auf Versteigerungen erworben“, blickt die Engländerin zurück auf die Unternehmens- und Künstlergeschichte einer Familie, die nicht erst an der Costa Blanca, sondern schon sehr viel früher, in England, begann. Die Geschichte einer Familie, in der sie, die Künstlerin, und ihr Mann, gelernter Restaurateur, ihre Interessen an Sohn und Tochter weitergaben. „Mein Sohn wollte schon als kleines Kind irgendwas mit Holz machen“, sagt sie. Ein Wunsch, den er später umsetzen sollte, Anton wurde Möbeldesigner und lernte zusätzlich bei seinem Vater das Handwerk des Möbelrestaurateurs. Tochter Paula studierte Schöne Künste und denkt gerne zurück an ihre Kindheit im Süden Englands in einem Haus, „in dem es ständig voll war von interessanten Dingen in verschiedensten Etappen der Restauration, kombiniert mit dem Geruch nach Bienenwachs und dem von frisch bemalten Leinwänden“, so beschreibt sie es.

Alle vier Engländer wagten 2003 das Abenteuer Spanien und starteten an der Costa Blanca wenige Jahre später in Teulada und dann in Jalón mit dem Antiquitäten-Verkauf, nachdem sie in ihrer Heimat eine große Werkstatt für Möbelrestauration betrieben hatten. Paula kehrte vor sechs Jahren aus persönlichen Gründen nach England zurück, Michelles Mann Jeff ist pensioniert, Anton und Michelle sind weiterhin mit aller Leidenschaft im Geschäft. Eigentlich.

Online statt Laden: Antiquitätengeschäft an Costa Blanca orientiert sich wegen Brexit neu

Doch den Zeiten, in denen drei bis vier Fahrten nach England im Jahr möglich waren, hat der Brexit ein Ende gesetzt. Genauso wie den Preisen, zu denen sie ihre importierte Ware bisher an der Costa Blanca anbieten konnten und auf die sie jetzt die Einfuhrsteuern draufpacken müssten. „Alles ist komplizierter geworden“, sagt Howlett – mit ein bisschen Wehmut in der Stimme, aber nicht, ohne ihren künstlerischen Optimismus zu verlieren. „Es ist zwar traurig, aber die Dinge ändern sich, nichts ist für ewig“, sagt sie, freut sich zugleich ein wenig, künftig mehr Zeit für ihre Kunst zu haben, und arbeitet schon daran, ihre noch vorhandene Antiquitäten-Ware fürs Internet zu katalogisieren. „Wir werden das Geschäft ins Netz verlegen“, sagt die Engländerin und hofft, dass es irgendwann wieder leichter sein wird, Ware aus England zu holen. Ihr Sohn werde auch weiterhin Möbel restaurieren, betont sie.

Aber eben nicht mehr an einem der wohl besten Standorte für Antiquitäten in Jalón, zu dem die Besucher besonders am Samstag, an dem direkt gegenüber der an der ganzen Costa Blanca bekannte Flohmarkt stattfindet, strömen. „Es sind viele spanische, aber auch deutsche Kunden“, sagt Howlett.

Trotzdem wolle sie dem Brexit nicht nachgeben und nicht etwa von den original aus England stammenden Antiquitäten – von georgianischem und viktorianischem Stil bis zur Art Déco – auf Artikel aus anderen Ländern umsatteln. „Sie sind unser Markenzeichen und das möchten wir nicht ändern“, betont die Engländerin und führt noch einmal durch die in ihren Augen leeren, aber nach wie vor interessanten Verkaufsräume, in denen antike Löffel, Geschirr, Keramik, Spiegel und Möbel ein Ambiente schaffen, das einen gedanklich zurückreisen lässt in das von Tochter Paula beschriebene Howlett-Haus an der Südküste Englands. Auch wenn die Corona-Zeit dem Online-Handel Auftrieb gegeben hat: Es wird nicht leicht sein, das Howlett-Ambiente ins Internet zu verlegen. Doch die Familie lässt sich nicht unterkriegen. Auch nicht vom Brexit.

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