Tourismus in Spanien

Costa Blanca: Ausflug zur Serra Grossa, aufs Dach von Alicante - Tipps für Bergfreunde

  • vonStefan Wieczorek
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Die Costa Blanca lädt zur City-Bergtour ein: Die Serra Grossa von Alicante bietet atemberaubende Blicke und Geschichten vom Meer, Stadt und Hinterland der „besten Erde der Welt“

Alicante - Selbst wenn Alicante demnächst in Coronavirus-Quarantäne geraten sollte, wäre der Ausflug in die Berge der Costa Blanca kein Problem. Dafür sorgen die Erhebungen mitten in der Stadt, die zwar nicht zu übersehen sind, aber eben oft nicht mitgedacht werden, wenn man sich an die Provinzhauptstadt der Sonne, Palmen und Strände erinnert. Ah doch – der Berg Benacantil. Auf den kommen noch einige, weil er die Krone der Stadt trägt: Die Burg Santa Bárbara. Doch dorthin begeben wir uns für die folgende City-Bergtour nicht, sondern auf die andere Erhöhung, direkt am Meer und an der Stadt, die Alicante liebevoll Serra Grossa – „dickes Gebirge“ – nennt.

Serra GrossaLandschaftsschutzgebiet in Alicante
Adresse: Avinguda de Dénia, 03016 Alacant
Höhe: 161 m
Provinz: Provinz Alicante

Costa Blanca: Ausflug zur Serra Grossa, aufs Dach von Alicante - Tipps für Bergfreunde

Wie der Rücken eines schlafenden Drachen erhebt sich neben Alicante das 161 Meter hohe Massiv der Serra Grossa neben dem etwas kleineren Hügel namens Molinet. Nicht allzu hoch, denken jetzt Bergfreunde. Aber einfach zu meistern und einmalig, sagen wir Alicantiner. Ein spannendes Detail der dicken Serra ist, dass sie touristisch nicht wirklich erschlossen ist. Gepflasterte Wege mit Schildern für den einfachen Ausflug wie auf den Berg der Burg Santa Bárbara gibt es keine. Man muss schon eher einheimisch sein - und alle Tipps und Tricks kennen - um problemlos dieses Dach der Costa Blanca zu erklimmen.

Wir starten in Alicante in der Calle Obispo Victorio, die hinter Plaza Mar 2, dem großen Einkaufszentrum am Meer, vorbeiführt. Gegenüber des Parks an der Tram-Haltestelle La Goteta setzt unser Ausflug auf den Berg an. Tipp: Wichtig ist es, den Pfad zu nehmen, der den größeren der zwei Hügel der Serra Grossa anvisiert. Sonst erklimmt man das näher an der Stadt gelegene Berglein Molinet. Das bietet zwar auch bemerkenswerte Aussichten und Legenden, sprengt an dieser Stelle aber unseren Rahmen. Wir ziehen los und begegnen dem Rücken eines großen Komplexes: Das Colegio Inmaculada, die prestigeträchtige Jesuitenschule.

Costa Blanca: Ausflug zur Serra Grossa, wie im Flugzeug aufs Dach von Alicante

Der Orden baute es vor mehr als 60 Jahren an den dicken Berg der Costa Blanca dran – und wurde im Norden der Stadt Alicante zum Anwohner-Magneten. Als die mächtige Schule, an der unser Ausflug zunächst vorbeiführt, entstand, umgab sie noch eine grüne Huerta-Landschaft, also ein mediterranes Ackerland voller Felder und Weiden, süßen Landhäusern und Türmchen. Weit weg war damals, am Fuß der Serra Grossa, die City – so anders als jetzt. Nun erinnert nur noch das Grün der Fußballfelder auf dem großen Schulhof ans ländliche Damals. Der Rest der Umgebung dagegen ist pures Heute.

Ein Wald der Hochhäuser und Urbanisationen ist die Umgebung des Colegio, sauber sortiert durch breite Straßen namens Avenidas. Immer höher steigen wir entlang des Hangs der Serra Grossa auf, als würden wir im Flugzeug sitzen. Über die Dächer von Alicante hinweg kommen immer mehr die Berge im Hinterland der Costa Blanca in die Augenhöhe der Bergfreunde.

Wir fliegen. Immer kleiner wird Alicante unter uns. Wer Höhenangst bekommt, hat zur Ablenkung die rechte Seite des Pfades, die sich wandelt, mal felsige Brocken, mal lebendige Flora bietet, dann wieder glatt und vertikal wie eine Kletterwand (und auch so genutzt) wird. Tipp für kulturinteressierte Bergfreunde: An einer dieser steilen Stellen an der Serra Grossa befindet sich ein kurioses Detail.

Oben, zehn Meter über dem Ausflugs-Weg, ist in einem Kasten ein Figürchen am Fels angebracht: Es ist Inmaculada, die unbefleckte Maria, die Spanien am 8. Dezember feiert. Sie ist die Patronin der großen Schule unten, wo aus Kindern auf dem Hof mittlerweile Ameisen geworden sind. Je höher es geht, desto mehr dreht sich die Aussicht in Richtung Norden der Costa Blanca – nach San Juan und Mutxamel bis zum Gebirge Cabeçó d’Or (1.200 Meter), neben dem unser Berg wie ein dicker Zwerg aussähe.

Costa Blanca: Ausflug zur Serra Grossa - Und unter uns ein bäuerliches Atlantis

Die flache Landschaft der Costa Blanca bis dorthin – das war einst das Prachtstück der Huerta von Alicante, die „beste Erde der Welt“, die Spezialitäten hervorbrachte wie den Fondillón-Wein. Kaum zu glauben, wenn man über diese Weite der Siedlungen und Industriegebiete schaut. Im 19. Jahrhundert begann hier ein bäuerliches Reich unterzugehen. Verschwunden wie ein grünes Atlantis ist dieses Alicante nun unter Schichten der modernen Stadtentwicklung. Heute hören davon noch Studenten der Geschichte und Geographie, die Exkursionen auf die Serra Grossa unternehmen.

Aber bald ist es soweit. Wenn unser Pfad auf die Serra Grossa beginnt, kurvig und enger zu werden, bereiten wir uns innerlich auf eine Überraschung vor. Denn die Ankunft auf dem Gipfel, auf das Dach von Alicante, ist ein Aha-Moment! Wie, schon da? Ein bisschen wie beim Durchbrechen der Wolkendecke im Flieger ist es, wenn man sich urplötzlich ganz oben wiederfindet, aber mit festem Boden unter den Füßen. Hat hier oben über der Costa Blanca jemand einen schwebenden Airport gebaut? Oder sind wir im himmlischen Olymp der alicantinischen Götter angelangt?

Costa Blanca: Ausflug auf Serra Grossa, das Dach von Alicante

Costa Blanca: Ausflug zur Serra Grossa - Tipp für soziale Distanz: Eher dienstags als sonntags

Wie junge Götter, so befreit bewegen sich hier oben auf der flachen Spitze der Serra Grossa die Naturanbeter aus der Stadt umher. So anders ist nun die Luft und Geräuschkulisse, weg jeder City-Lärm von Alicante. Tipp für Bergfreunde, die in Zeiten des Coronavirus soziale Distanz bewahren wolllen: Alleine werden wir auf diesem Dach der Stadt an einem Sonntag nicht sein, wie es auch in Calpe auf dem Peñon passiert. Aber an einem Dienstagvormittag vielleicht schon.

Das ist das Schöne an dieser Serra Grossa von Alicante. Man ist so fix oben, dass man es immer wieder machen kann – und verschiedene Uhrzeiten, Wetterlagen und Lichtverhältnisse ausprobieren kann. Was macht man oben? Bei der Ankunft eröffnet sich ein Balkon zum Ruhen, - hoch oben über der Costa Blanca - mit Formationen im Boden, die tatsächlich an Sitzbänke erinnern. Von dort aus sieht man direkt aufs Meer, die große blaue Leinwand. Von der Küste erhascht man aber nur den Zipfel. Tipp für Bergfreunde: Gehen wir nach links, Nord-Ost, welchen Pfad wir nehmen, ist egal. Hauptsache, wir achten auf Sicherheit.

Denn Vorsicht: So naturbelassen der dicke Riese von Alicante ist, so wenig abgesichert sind seine Tücken. So kann man sich auf der Serra Grossa abrupt nur Zentimeter von einem 160-Meter-Fall entfernt wiederfinden. Tipp: Man halte sich auf dem flachen Gipfel möglichst zentral, dann ist man immer sicher. Nach zehn Minuten Fußweg haben wir unseren Aussichtspunkt erreicht und schauen auf die Landzunge herab - das Cabo de la Huerta.

Costa Blanca: Ausflug zur Serra Grossa - Tausende Lichtlein in der „Stadt des Lichts“

Imposant ragt es ins Meer, das „Kap des Ackerlands“ von Alicante. Ja, auch die Zunge war früher ein reiner Gemüsegarten der Costa Blanca, ist nun aber eine einzige Wohn- und Ferienhauslandschaft. Wer findet da noch den historischen Leuchtturm? Tipp für Bergfreunde, die Geschichte lieben: Achten Sie, oberhalb des Strandes der Albufereta, auf ein bräunliches, unbebautes Stück Fläche, das von den Häuserblocks umrahm wird. Es ist Lucentum („Stadt des Lichts“), die römische Siedlung, die auf den Resten von Akra Leuka („Der weiße Hügel“), des Ur-Alicantes gebaut wurde.

Eine geniale Sicht bietet sich an dieser Stelle der Serra Grossa. Über dem Kap von Alicante und dem Meer scheint, am Ende der ewiglangen Bucht, ein klitzekleines Benidorm zu schweben. Gehen wir jetzt auf die andere Seite des Gipfels, auf den uns unser Ausflug geführt hat: Nach 20 Minuten sind wir auf einem anderen Balkon, dem, der der Stadt zugewandt ist.

Bei unserem abendlichen Besuch dämmert es. In der „Stadt des Lichts“, wie man Alicante seit Ewigkeiten nennt, gehen tausende Lichtlein an, einige flitzen über die Straßen, andere bleiben reglos. Es ist neblig, düsterer als sonst erhebt sich die Burg vor uns, der Hafen dahinter entschwindet im Dunst des herbstlichen Wetters an der Costa Blanca.

Costa Blanca: Ausflug zur Serra Grossa - Tipp für Bergfreunde: Taschenlampen einpacken

Eine Geschichte noch zum Abschied: Lange war die Serra Grossa an der Costa Blanca keineswegs für spannende Ausflüge, sondern nur für Bergbau bekannt. Und auch für die Erdölraffinerie La Británica von Alicante, die im 19. Jahrhundert am Fuß des Berges direkt am Meer öffnete (Bilder im obigen Video). Ein faszinierender, ins Gebirge eingearbeiteter Komplex. 1966 geschlossen. Heute eine fast vergessene Ruine.

Schon seltsam, wie dieser Aufstieg auf das Dach von Alicante uns gerade auch die Untergänge der Stadtgeschichte vor Augen führte. Welches der Lichtlein dort unten wird in kommenden Zeiten erlischen – und welches hell erstrahlen? Das wissen wir nicht, beenden aber schnell das Butterbrot und machen die Taschenlampen an, um nach dem Ausflug auf die Serra Grossa keinen nächtlichen Lockdown auf dem dicken Gipfel erleben zu müssen.

Sie lieben es, die Costa Blanca von oben zu sehen? Dann probieren Sie unsere genialen Aussichtspunkte im Süden von Alicante aus. Nach dem Ausflug aufs Dach von Alicante können Sie bei uns auch den Bauch der Stadt kennenlernen, die laut den Menschen von der Costa Blanca auf der „besten Erde der Welt steht.

Rubriklistenbild: © Stefan Wieczorek

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