Berglandschaft mit einsamer Straße und Meer im Hintergrund im Hinterland der Costa Blanca.
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Ausflug mit Einsamkeit, Weite und Natur: Berge im Hinterland der Costa Blanca

Tour durch die Täler

Costa Blanca im Auto: Perfekte Route - Tipps im Hinterland von Alicante

  • vonAnne Thesing
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Im Hinterland der Costa Blanca lockt einsame Natur. Eine Auto-Rundfahrt durch Berge und Täler bietet sich in Corona-Zeiten bestens an. Wir haben Tipps für eine tolle Route.

Ein Tag zum Abschalten. Ein Tag der Ruhe. Ein Tag mit Weitblick. Wer sich an der Costa Blanca nach all dem sehnt, muss sich nur ein wenig von der Küste entfernen und den Weg ins Hinterland dieser Küstenlandschaft Spaniens suchen. Bestens geeignet dafür ist die Berg- und Tal-Landschaft, die in der Marina Alta gleich hinter Pego beginnt und sich auf einer gemütlichen Rundtour mit dem Auto durch die Täler von Ebo, Alcalá und Gallinera erkunden lässt. Der perfekte Auto-Ausflug für Coronavirus-Zeiten, bei dem man hoffentlich nur wenigen Menschen über den Weg läuft und dafür umso mehr Natur erlebt. Mit vielen Zwischenstopps natürlich und mit unzähligen Orten, die zum Wandern einladen. Da nicht alles an einem Tag möglich ist, sollte man sich diese für andere Tage im Hinterland vormerken.

Vall d'EboGemeinde in der Provinz Alicante
Höhe394 m
Fläche32,4 km²
HotelsDurchschnittspreis 3-Sterne-Hotels: 62 €.
Bevölkerung224 (2018)
ProvinzProvinz Alicante

Costa Blanca im Auto: Perfekte Route - Tipps im Hinterland von Alicante

Von Pego aus geht es am Ortsausgang auf der CV-715 Richtung Sagra und Orba, nach circa 500 Metern folgt eine Abzweigung auf die CV-712 Richtung Vall d’Ebo. Und schon ist man drin in der einsamen Berglandschaft. Wer im Auto nicht am Steuer sitzt, sollte jetzt einfach nur schauen und die perfekte Route genießen. Zum Beispiel auf die Burg Ambra, die immer wieder ins Blickfeld gerät. Ein 264 Meter über dem Meeresspiegel thronendes, von den Arabern gebautes Castillo aus dem 13. Jahrhundert. Während andere Burgen an der Costa Blanca besser erhalten blieben, ist von diesem nur eine Ruine geblieben. Mit einer leichten Wanderung lässt sie sich von Pego aus zu Fuß erreichen.

Die kurvenreiche Straße durch die Berge im Hinterland der Costa Blanca, auf der neben Autos viele Sportradfahrer unterwegs sind, gibt aber auch den Blick auf Pego, sein Feuchtgebiet Marjal mit den Reisfeldern, das Meer und die hier so prächtig gedeihenden Orangenfelder frei. Vorbei an einer Landschaft, die mal von Kiefern, mal von Trockensteinmauern und mal von Kräuterbüschen aus Rosmarin oder Thymian geprägt ist, gelangt man bei dem Ausflug zu kargen Bergen, die sich langsam aber sicher von dem Großbrand von 2015 erholen, bei dem 1.715 Hektar Busch- und Kiefernlandschaft den Flammen zum Opfer fielen.

Auf dem Esel durchs Hinterland: Tipp für Ausflug an der Costa Blanca

Weiter geht es rund um Pegos Hausberg Bodoix mit seinem nicht zu übersehenden Metallkreuz auf dem Gipfel, und es wird noch ein Stück einsamer. Ganz oben, am 540 Meter hohen Puerto Vall d’Ebo, sollte man das Auto kurz stehenlassen und sich am Aussichtspunkt einen Überblick über diese wunderschöne Berglandschaft im Hinterland der Costa Blanca verschaffen.

Kurz hinter dem Pass beginnt übrigens links einer der Wanderwege, die man sich für ein anderes Mal vormerken kann. Wer statt zu wandern lieber auf den Esel steigt, findet einige Meter weiter linkerhand den Ecoburropark – ein schönes Ausflugsziel, besonders wenn Kinder dabei sind. Auf dem Rücken der Esel lässt sich bestens die nähere Umgebung erkunden.

Ein Highlight beim Ausflug ins Hinterland der Costa Blanca: Eselsgestüt in Vall d‘Ebo.

Noch ein Stückchen weiter startet rechterhand ein ebenfalls sehenswerter Weg in Richtung der Wanderhütte La Figuereta. Doch Vorsicht: Auf dem Weg dorthin kommt man nach circa 100 Metern an einem gefährlichen, 60 Meter in die Tiefe reichenden Erdloch, dem Avenc Ample, vorbei. Zwei weitere Erdlöcher liegen etwas weiter abseits des Weges und sind 120 (Avenc d’Enmig) und 137 Meter (Avenc Estret) tief.

Bevölkerungsschwund im Hinterland der Costa Blanca: Einsames Leben in den Bergen

Doch statt uns auf diese Abwege zu begeben, folgen wir beim heutigen Ausflug weiter der Hauptstraße, die wieder ihren Weg nach unten sucht. Vorbei an der beeindruckenden Teufelsschlucht, dem Barranc de l’Infern geht es rein ins Ebo-Tal, das sich durch seine Terrassenhänge sowie den Anbau von Oliven und der berühmten Apfelsorte Perelló auszeichnet. Doch so schön es hier auch ist, das Dorf Vall d’Ebo, das man nach einigen Kilometern erreicht, hat schwer zu kämpfen. Kein einziges Kind kam hier im Jahr 2018 auf die Welt, die Bevölkerung des offiziell nur noch 216 Einwohner zählenden Dorfes schrumpft stetig. Umso wichtiger ist es, hier Halt zu machen. Und es lohnt sich, vor allem für den, der etwas Hunger mitbringt. Immerhin fünf Bars und Restaurants zählt das Pueblo, alle bieten traditionelle Hausmannskost, besonders beliebt ist gegrilltes Fleisch.

Tipp für Ausflug im Hinterland: Tropfsteinhöhle in den Bergen der Costa Blanca

Nach Grillfleisch, aber auch nach deftigen Eintöpfen und Kaminholz duftet es denn auch, wenn man, vor allem im Winter, um die Mittagszeit durch die Gassen schlendert, in denen sich das eine oder andere heruntergekommene Gebäude, aber auch erstaunlich viele liebevoll gepflegte Häuser befinden. Bei der Idylle fällt es schwer zu glauben, dass die Geschichte dieses Dorfs im Hinterland der Costa Blanca wie auch der ganzen Umgebung von der jahrhundertelangen Auseinandersetzung zwischen Mauren und Christen geprägt war – eine Auseinandersetzung, die die Araber schließlich 1609 mit ihrer Vertreibung verloren. Trotzdem hat die arabische Kultur mit ihren Anbautechniken und ihrer Architektur Spuren hinterlassen. Immer wieder begegnen uns bei unserem Ausflug an den Wegesrändern rund um Ebo Überreste arabischer Siedlungen in Form von verlassenen Ruinen.

Nach dieser imaginären Reise in die Geschichte und vielleicht einer deftigen Stärkung führt die Fahrt wieder in die Berge, Richtung Vall d’Alcalà. Auf dem Weg dorthin kann fürs nächste Mal ein Abstecher zu den sogenannten Tolls vorgemerkt werden. Die kleinen natürlichen Seen, die hier zwischen den Felsen aus dem Fluss Ebo entstanden sind, sind ein idealer Ausflugsort. Genauso wie die beeindruckende Tropfsteinhöhle Cova del Rull, die, der Hauptstraße circa hundert Meter weiter folgend, auf linker Seite liegt. Während der Öffnungszeiten werden Führungen durch die Höhle angeboten. Wer danach etwas ausruhen möchte, findet einen schattigen Picknickplatz, wie es so viele an der Costa Blanca gibt, zu dem Stufen auf der anderen Seite der Hauptstraße hinunterführen.

Schnee aus den Bergen: Historische Kühlschränke im Hinterland der Costa Blanca

Mit dem Auto geht es auf der Bergstraße weiter bis zu einer Hochebene auf circa 600 Metern, dann vorbei an dem einen oder anderen Mandel- oder Olivenfeld, an Kräuterbüschen und Zwergpalmen, mit Blick auf die kuriose Sierra de la Foradá mit ihrem Loch im Felsen und durch eine mediterrane Waldlandschaft. Bis zur nächsten Sehenswürdigkeit, die dieses Hinterland der Costa Blanca mal wieder ganz nebenbei zu bieten hat. Die Nevera de Baix ist einer der „natürlichen Kühlschranke“ des Vall d’Ebo. Ein runder und tiefer Schneebrunnen aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, in dem Schnee gesammelt, gelagert und schließlich auf Eseln für die Konservierung von Lebensmitteln hinunter an die Küste von Dénia gebracht wurde. Wer nochmal die Picknicktasche auspacken will, findet auch hier Bänke und Tische, von denen man zu Fuß in ein oder zwei Minuten zur Nevera gelangt.

Schneebrunnen im Hinterland der Costa Blanca.

Und auch der nächste Ausflugsort zum Anhalten lässt nicht lange auf sich warten. Noch bevor man ins Vall d’Alcalà-Dorf Alcalá de la Jovada gelangt, zweigt rechts der Weg Camí A2 ab, der nach Atzuvieta führt. Hoffentlich kein Zukunftsszenario für Alcalà und Ebo, denn das Dorf ist seit langem verlassen, lässt aber trotzdem noch viel Geschichte atmen. Es gilt als das größte und am besten erhaltene maurische Dorf der Region Valencia.

Alcalà de la Jovada wiederum, der nächste bewohnte Ort, ist wie Vall d’Ebo ein gemütliches Dorf, in dem man etwas speisen oder einfach nur durch die Gassen spaziert kann. Beliebtes Fotomotiv ist der Brunnen auf dem Dorfplatz, bei dem das Wasser aus dem Mund des legendären Maurenfürsten Al-Azraq sprudelt, der hier 1218 auf die Welt kam und von Alcalà aus das Umland beherrschte.

Zurück durchs Hinterland: Ausblick auf Berglandschaft des Vall de Gallinera

Nach dem Besuch Alcalàs gibt es zwei Möglichkeiten, durch das Hinterland der Costa Blanca zurück nach Pego zu gelangen. Entweder man folgt der Straße CV-712 weiter bis nach Margarida und kehrt von dort aus über die CV-700 durchs gesamte Vall de Gallinera zurück – eine wunderschöne Ausflugs-Route durch die Berge, für die allerdings etwas mehr Zeit eingeplant werden muss. Oder man nimmt eine ebenfalls sehenswerte, aber etwas schlechter ausgeschilderte und querfeldein verlaufende Abkürzung. Bei der geht es von Alcalà wieder einige Kilometer zurück Richtung Ebo, vorbei an der Nevera de Baix, über die Hochebene bis zu einer kleinen Kreuzung, bei der Hinweisschilder in die eine Richtung auf Alcalà und in die andere auf Ebo verweisen. Rechts würde es zu einem weiteren Schneebrunnen, der Nevera de Dalt, und einer ehemaligen Landebahn für Löschflugzeuge gehen. Links führt über eine enge Straße eine Abkürzung ins Vall de Gallinera, das nach circa drei Kilometern auch ausgeschildert ist.

Highlight dieser Strecke: der Aussichtspunkt Mirador del Xap, bei dem man unbedingt halten und den wunderschönen Ausblick auf das gesamte Vall de Gallinera genießen sollte – mit seinen acht kleinen Dörfern, seiner Schattenseite mit Kirschbäumen und dem kahlen, beeindruckenden Gebirgszug Sierra Asafor auf der Sonnenseite.

Was man von ganz oben gesehen hat, durchfährt man danach Richtung Tal, quer durch Kirschfelder. Eine kleine, kurvige Strecke durch einen Pinienwald führt schließlich in die Gallinera-Dörfer Benissivà und Benialí. Von hier aus geht es auf der CV-700 zurück nach Pego. Nach einem Ausflug in verlassenste Berglandschaft des Hinterlands hat einen die Zivilisation wieder. Auf den Geschmack gekommen? Dann planen Sie doch schonmal den nächsten Ausflug an der Costa Blanca.

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