Anbaufelder, eine Straße, Wohnungen und ein Golfplatz in Algorfa, Spanien.
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Bebauung an der Costa Blanca: Bausünden werden in der Vega Baja nicht überall gleich streng verfolgt.

Schwarze Schafe grasen lassen

Bausünden an der Costa Blanca: Torrevieja und andere Orte in der Vega Baja schauen lieber weg

  • Anne Götzinger
    VonAnne Götzinger
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Mit einer Agentur will das Land Valencia Bausünden aufspüren. Doch nicht alle Gemeinden an der Costa Blanca haben daran ein Interesse.

Orihuela – Grund genug gäbe es ja, in doppelter Hinsicht. Doch trotzdem lehnen es die wichtigsten Gemeinden in der Vega Baja ab, sich jener Agentur anzuschließen, die Bauverstöße in der Region Valencia aufdecken soll. Nur elf von den 27 Rathäusern des Kreises haben ihren Beitritt zur Agencia Valenciana de Protección del Territorio (Valencianische Agentur für Gebietsschutz) erklärt, seitdem die Landesregierung dieses Organ 2019 eingerichtet hat, das seit diesem Monat seinen Sitz in Elche an der Costa Blanca hat.

Außer Albatera werden diese Kommunen – Algorfa, Catral, Daya Nueva, Daya Vieja, Dolores, Guardamar del Segura, Jacarilla, Los Montesinos, Rafal und San Miguel de Salinas – allesamt von den Sozialisten (PSOE) regiert. In den meisten Orten, die sich bisher nicht dem Organ anschließen wollten – etwa Orihuela, Torrevieja, Benejúzar, Benijófar, Pilar de la Horadada, Bigastro und Formentera del Segura – regiert die Volkspartei (PP), die für ihre engen Beziehungen zur Alicantiner Bauunternehmerszene bekannt ist. Und gerade Torrevieja macht mit zweifelhaften Mega-Bauprojekten immer wieder von sich reden.

Bausünden an der Costa Blanca: Bauämter kommen mit Anträgen nicht hinterher

Rathäuser, die sich der Agentur für Gebietsschutz anschließen, übertragen der Institution die Kompetenzen für die Inspektion und Überwachung der Bautätigkeit auf nicht bebaubarem Boden sowie die Abwicklung der Sanktionsverfahren. Die Agentur soll gleichzeitig die Rathäuser an der Costa Blanca entlasten, deren Bauämter angesichts einer Flut von Bauanträgen oft mit der Arbeit nicht hinterherkommen. In der ganzen Region Valencia haben sich seit 2019 insgesamt 217 Rathäuser dem Organ angeschlossen.

Laut einem Bericht der Zeitung „Información“ schloss etwa Orihuela das Jahr 2020 mit 238 Fällen von Bauverstößen ab, einige davon betrafen sogar bereits fertiggestellte Häuser ohne Lizenz. Wie Baustadtrat José Aix mitteilte, denke Orihuela, wo Bauunternehmen vor allem das Gebiet von Orihuela Costa im Auge haben, inzwischen über einen Beitritt zur Agentur für Gebietsschutz nach. Der Baustadtrat der einzigen PP-regierten Gemeinde in der Vega Baja, die das bereits getan hat, José Antonio Martínez aus Albatera, erklärt indes, dass sie über Parteigrenzen hinweg „eine gute Möglichkeit sahen, um Bauverstöße zu verfolgen, denn es ist eine Entlastung für Rathäuser, die unter Personalmangel und einem großen Arbeitspensum leiden“.

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