Ein Mann im Priestergewand hält metallenen Gegenstand über Weihnachtskrippe hoch.
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Bischof in Rente: Jesús Murgui feiert letztes Weihnachten an Costa Blanca.

Wetterumschwung in Kirche

Bischof der Costa Blanca geht in Rente: Auf Weihnachten folgt Gewitter

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Die Kirche an Spaniens Küste erwartet 2022 ein Wetterumschwung. Jesús Murgui war ein freundlicher Bischof, ein Hirte besonders der Einsamen. Im Februar wird sein Nachfolger in Orihuela einreiten - ein kontroverser Draufgänger, dem man nachsagt, Blitze zu schleudern.

Orihuela – Im September 2022 wird es zehn Jahre her sein, dass Jesús Murgui auf einem weißen Maultier in Orihuela einritt. Das Jubiläum dieser traditionsreichen Amtseinführung wird der Bischof der südlichen Costa Blanca dann aber nicht feiern. Denn der katholische Hirte geht, weil er die Altersgrenze von 75 Jahren überschritten hat, in Rente. Entsprechend nostalgisch verliefen für den Geistlichen, trotz aktuellem Corona-Gewitters, die festlichen Tage Ende 2021 an Spaniens valencianischer Küste. Ein letztes Mal sprach Murgui seine Weihnachtsbotschaft, ein letztes Mal segnete er die Weihnachtskrippe im Sitz des Bistums in Alicante.

Jesús Murgui SorianoBischof von Orihuela-Alicante
Geboren: 17. April 1946 (Alter 75 Jahre)

Bischof der Costa Blanca geht in Rente: Vor allem Freundlichkeit

Anders als Hirtenfiguren aus Holz, die jahrzehntelang an immer derselben Krippe zum Einsatz kommen können, läuft die Zeit eines Hirten aus Fleisch und Blut ab. Das weiß der erfahrene katholische Geistliche, der 2022 die Costa Blanca verlässt und in Rente geht. „Es ist eine große Wahrheit, dass wir nicht alles kontrollieren können“, sagte Jesús Murgui in seiner Ansprache zu Weihnachten. Doch Gott seien all unsere menschlichen Fragen und Zweifel nicht egal: „Er antwortet mittels eines neugeborenen Kindes, arm und hilflos“, verwies der in Rente gehende Bischof auf die Weihnachtsgeschichte der Christen.

Den Christus verkörperte auch Bischof Jesús Murgui selbst weniger in einer aufsehenerregenden Verkündung im Stile eines Amazonien-Propheten wie Pedro Casaldáliga. Vielmehr tat Murgui es in seiner authentisch wirkenden Freundlichkeit. Nähe zu den Einheimischen an Spaniens Küste vermittelte seine Herkunft Mallorca und der entsprechende Valenciano-ähnelnde Dialekt. Der katholische Hirte sprach die Sprache der Menschen. Aber genauso gern hörte er zu, etwa wenn er die vielen Pfarreien der südlichen Costa Blanca besuchte, dabei auch mal gewöhnliche Priesterkleidung statt Bischofskluft tragend.

Zum Thema: Kirche unter Corona - zwischen den Zeiten

Bischof geht in Rente: Hirte der Einsamen - Zögern bei Entscheidungen

Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit war 2016 für Bischof Jesús Murguis ein Highlight an der Costa Blanca. Wiederholt hob der katholische Hirte dabei, etwa in einem Interview mit Costa Nachrichten, besonders ein Kollektiv hervor: die Einsamen. Sie seien „meine große Sorge“. Das bekräftigte der hohe Geistliche auch später inmitten der großen Coronavirus-Lockdowns, als viele Menschen in Spanien völlig vereinsamt starben. Eine „unmenschliche Lage“ beklagte Murgui. Unvergessen, wie er im April 2020 beim ausgefallenen Santa-Faz-Fest auf einem fast leeren Platz die Stadt Alicante mit der örtlichen Jesus-Reliquie segnete.

„Es ist eine große Wahrheit, dass wir nicht alles kontrollieren können“

Jesús Murgui, scheidender Bischof von Orihuela-Alicante, an Weihnachten 2021

Doch der Hirte der Einsamen erntete zunehmend Kritik, auch innerhalb der Kirche. Für konservative Geistliche und Gläubige war sein katholisches Profil nicht scharf genug. Progressiven dagegen war der Bischof der südlichen Costa Blanca zu zögerlich, etwa bei schwierigen Entscheidungen, wie die notwendige Schließung von Pfarreien des Bistums. Auch im damaligen Gespräch mit Costa Nachrichten wich Jesús Murgui kritischen Fragen – etwa zum sexuellen Missbrauch oder zu problematischen Altlasten der Katholischen Kirche in Spanien – aus.

„In erster Linie das Evangelium“: Orihuela erwartet Gewitter

In öffentlichen Beschuss geriet Jesús Murgui ausgerechnet in Corona-Zeiten: Erst, weil er Anfang 2021 die erste Impfdosis zu früh erhielt. Er habe sich keineswegs vordrängeln wollen, versicherte der Bischof. Doch dann kamen auch undurchsichtige Finanzgeschäfte des Bistums ans Licht. Dessen mittlerweile abgesetzter Wirtschaftsbeauftragter Francisco Martínez soll bei Handel mit Immobilien auf schwarz-Zahlungen gepocht haben. Um den von der Zeitung „Alicante Plaza“ aufgedeckten Eklat kümmert sich mittlerweile das Gericht. Der weniger mit Skandalen bewanderte Bischof bekam die Lage aber nicht mehr in den Griff.

Corona-Krise im April 2020: Statt vor Menschenmassen segnete ein einsamer Bischof Murgui die Costa Blanca mit der Santa-Faz-Reliquie.

Als Jesús Murgui im September 2012 als neuer Bischof in Orihuela einritt, versprach er, „in erster Linie das Evangelium zu verkünden“. Er wählte dafür eine Art, die seinem sonnigen mallorquinischen Naturell entsprach. Nun aber naht ein Gewitter: Im Februar übernimmt der Baske José Ignacio Munilla den Bischofsstab. Laut Vorgänger Murgui ein „intelligenter und sehr entschlossener Mann“, laut Medien ein kontroverser und autoritärer Erzkatholik, der im Bistum San Sebastián nichts als Blitze schleuderte. Nach einem Maultier für diesen stürmischen Hirten suche man noch, meldet Orihuela.

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