Eine Gruppe von Deutschen steht vor einem Geländer, im Hintergrund eine Baustelle und das Meer.
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Steinbruch mitten im Wohngebiet: Deutsche Anwohner an der Costa Blanca schalteten die Behörden ein.

Baustelle vor der Haustüre

Costa Blanca: Deutsche wehren sich gegen Steinbruch direkt im Wohngebiet

  • Anne Götzinger
    VonAnne Götzinger
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Monatelang lebten Anwohner in Villajoyosa mitten in einem Steinbruch. Auf einer Baustelle im Wohngebiet Montiboli wurden Felsen direkt vor Ort zermahlen. Feinster Staub machte nicht nur Asthmatikern das Leben schwer. Nun endlich hat das Bauamt reagiert. 

Villajoyosa – Weiße Schwaden hängen über Montiboli. Doch es sind weder tiefe Wolken noch Rauchschwaden von verbrannten Grünabfällen, die seit Monaten die Anwohner in dem Wohngebiet in Villajoyosa an der Costa Blanca zur Verzweiflung bringen. Es ist feinster Felsstaub, der den Hügel mit Chalets hinaufzieht, sich auf Terrassen, Möbeln und Fliesen absetzt, Filter und Geräte verstopft und nicht nur Asthmatikern zu schaffen macht. Die Staubwolke entsteht auf einer Baustelle am Eingang der Urbanisation Montiboli, wo neue Wohnungen gebaut werden.

VillajoyosaStadt in Spanien
Fläche38,5 km²
Höhe27 m
Bevölkerung 33.969 (2018)

„Wäsche kann man nur am Samstag oder Sonntag aufhängen, selbst Elektrogeräte in Innenräumen verstauben total und werden defekt, Zweiräder springen nicht mehr an, Autos könnte man täglich waschen, um durch die Scheiben noch etwas sehen zu können“, zählt die deutsche Anwohnerin Rosemarie Altz einige der Folgen auf, die durch den Felsstaub entstehen.

Costa Blanca: Deutsche kämpfen gegen Fabrik in der Nachbarschaft

Mit einer normalen Baustelle würden sie und ihre Nachbarn sich arrangieren. Auch der Lärm, der in Spanien öfter zum Problem wird, sei nicht das Schlimmste. „Doch das ist, als hätte man eine Fabrik mitten im Wohngebiet“, sagt ihr Bekannter Werner Fassbender aus Köln. Denn auf dem Gelände werde nicht nur die Grube für die neuen Wohnungen ausgehoben, sondern der abgetragene Fels auch direkt vor Ort mit einem Steinbrecher zermahlen ‒ und das staubt gewaltig. „Wir haben das Pech, dass wir oft Süd-Ost-Wind haben, und dann kommt das Ganze hier rauf“, erklärt Fassbender.

Auf der Baustelle an der Costa Blanca wurden Felsen zerkleinert. Deutsche Anwohner beschwerten sich.

Schon mehrmals hätten die Anwohner die Guardia Civil verständigt, die jedoch habe erklärt, sie sei nicht zuständig und die Nachbarn müssten sich an die Ortspolizei wenden. „Aber da wird man von einem zum anderen durchgereicht“, erzählt Rosemarie Altz. An den Wochenenden würden dann hunderte Anwohner tausende Liter Wasser mit Schläuchen und Hochdruckreinigern verbrauchen, um sich des Drecks zu entledigen, schildert die Deutsche. Doch bereits nach ein oder zwei Arbeitstagen auf der Baustelle sei bereits wieder alles eingestaubt.

Dreck und Lärm: Deutsche flüchten an andere Orte der Costa Blanca

Um Baulärm, Dreck und dicker Luft zu entkommen, setzen sich Rosemarie und Elmar Altz morgens mit Kühltasche ins Auto und verbringen die Wochentage an irgendeinem Ort oder Strand in der Umgebung. Eine Rückreise aus dem sonnigen Spanien in die kalte deutsche Heimat zogen zwischendurch eher in Erwägung, „als in diesem Dreck hier auszuharren“.

Auf Nachfrage der CBN im Bauamt von Villajoyosa vergangene Woche, ob das zuständige Unternehmen eine Genehmigung für die Zerkleinerung von Felsbrocken direkt vor Ort hat, scheint nun Bewegung in die Angelegenheit gekommen zu sein. Bereits am Freitag darauf sei einer der großen Steinbrecher abtransportiert worden, berichtet Rosemarie Altz erleichtert. Aus dem Bauamt erhielt die CBN außerdem am selben Tag die Information, dass ein Sanktionsverfahren gegen das Bauunternehmen eröffnet worden sei.

Costa Blanca: Bauunternehmen hat keine Genehmigung für Felszerkleinerung vor Ort

Einige Tage später erreichte die Redaktion dann auch noch eine ausführliche Antwort von Villajoyosas Bauamtschef Alberto Aguilera Zamora. Das Unternehmen habe „nur die Genehmigung für die Abtragung des Felsens und den Transport des Materials, nicht aber für eine Zerkleinerung vor Ort“, schreibt Aguilera. Sollte der Abraum direkt auf dem Gelände weiterverarbeitet werden, würde sofort ein Baustopp verhängt werden. Auch im Süden der Costa Blanca hatte ein deutscher Anwohner Erfolg mit seiner Beschwerde im Rathaus.

„Es ist jetzt schon viel weniger Staub in der Luft als noch letzte Woche“, freut sich Rosemarie Altz. Weiße Schwaden über Montiboli sind in Zukunft hoffentlich wirklich nur tiefe Wolken.

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