Lastwagen rumpelt über Feldweg in Spanien
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Costa Blanca: Laute Baufirma verärgert Deutsche Bewohner in Nachbarschaft

Leben in Spanien

Deutsche an Costa Blanca: Laute Baufirma - Verärgerte Bewohner

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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Für Krach und Dreck sorgt eine Baufirma in einem Vorort bei Alicante. Ein deutscher Bewohner ruft die Stadt wegen der Belastung der Umwelt zu Hilfe - bisher vergebens.

Alicante - Wer dem Lärm der Städte an der Küste wie Alicante entkommen will, ist an der Costa Blanca in einem Vorort wie Santa Anna eigentlich bestens aufgehoben. Was sollte denn hier die Ruhe der 220 Bewohner, darunter auch Deutsche, stören? Wie wär’s mit lauten Motoren, Schlägen, Rattern in der Nachbarschaft? Mit Bergen aus industriellen Resten, mit Behältern voller Öl, gefährlich für die Umwelt? Mit dicken Lastwagen, die über den Weg donnern, den die verärgerten Anwohner einst selbst asphaltiert hatten? Für all das sorgt eine Alicantiner Baufirma, die sich im stillen Vorort im Südosten Spaniens eingenistet hat.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
HauptstadtAlicante
RegionValencia

Costa Blanca: Deutsche verärgert - Laute Baufirma in Nachbarschaft

Mittlerweile ist der Krach im Vorort bei Alicante auch in anderen Teilen der Costa Blanca bekannt . Seit einem Artikel in der Zeitung „Información“, in dem Volker Behaghel, ein verärgerter deutscher Anwohner, die Führung im Widerstand gegen die Baufirma übernahm. Kein Wunder, steht seine Finca – bekannt für den herrlichen „Garten Eden“ – direkt am lärmenden Grundstück, das nun die Umwelt bedrohe. Dieses, erklärt uns der Deutsche vor Ort, gehört einer Familie, die einst zu Erholung und Paella nach Santa Anna kam. Ein Idyll war es, bis die Kinder wuchsen und der Vater verstarb.

Lange verwahrloste der Grund. Bis die Familie es den Betreibern der Baufirma aus Alicante vermietete, die offenbar selbst mit dem Vorort familiär verbunden sind. „Anfang 2020 begannen sie, Fahrzeuge abzustellen und Reste abzuladen. Nach und nach nahmen die Aktivitäten zu“, berichtet Volker Behaghel verärgert. Mit immer mehr Krach und Feuergefahr – wegen der unbeschnittenen Bäume – versuchte es der Deutsche zunächst mit Dialog. „Ich lud einen der Betreiber zu mir ein, aber er kam nicht.“

Statt eines Gesprächs habe der Deutsche von der lauten Baufirma in seiner Nachbarschaft Hohn geerntet, dann bedrohliche Gesten und Mittelfinger. Mittlerweile hat Behaghel einen Anwalt angeheuert, der ihm versichert, dass die Aktivitäten der Firma auf dem ländlichen Grundstück illegal seien. Das wüssten die Betreiber gut. Daher sei das Grundstück mit keinem Schild versehen.

Costa Blanca: Laute Baufirma schade Umwelt - „Betreiber fühlen sich geschützt“

Weder eine Strom- noch Wasserleitung nutzt die Baufirma im Vorort an der Costa Blanca. Nur ein lautes Notstromaggregat. Vor Gericht gehen will der Deutsche nicht. „Den Fall muss doch das Rathaus klären“, meint Volker Behaghel. Das Problem: Die Stadt sei nicht befugt, einzuschreiten, hieß es in einem Schreiben aus Elche, dem zuständigen Rathaus. Wie bitte? Ausgerechnet das linksregierte Rathaus der Weltkulturerbe-Stadt, das sich als Anwalt der Vororte gibt und Elche zur Umwelthauptstadt machen will, kann hier nicht helfen?

Das empört Volker Behaghel, den erklärten 68er. Viermal sei die Umweltbrigade der Guardia Civil vorbeigekommen. Geändert habe sich höchstens minimal etwas. „Die Betreiber fühlen sich irgendwie geschützt“, meint der Deutsche. Wodurch? Das kann uns auch Tomás Torres nicht sagen, der Vorortsbürgermeister von Santa Anna. „So weit mir bekannt ist, hat die Polizei festgestellt, dass alles okay ist“, sagt Torres und hält sich ansonsten bedeckt.

Costa Blanca: Baufirma entgegnet Deutschem - Anwohner „gewaltsam und respektlos“

Ein völlig anderes Bild entwirft José Manuel Soria, ein Betreiber der lauten Baufirma in der Nachbarschaft. „Nur als Parkplatz“ und für „keine einzige industrielle Aktivität“ nutze man die Finca, und zwar nicht erst seit einigen Monaten, sondern seit mehreren Jahren. Die Firma erfülle alle Umweltstandards und habe mit Nachbarn den „Weg der Freundschaft“ versucht.

Die Anwohner hätten aber „gewaltsam und respektlos“ durch Unwahrheiten den Ruf der Firma beschädigt, weshalb man sie bei der Nationalpolizei angezeigt hätte. Immerhin: „Unser Plan ist es, die Anlage so bald wie es geht zu wechseln.“

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