1. Costa Nachrichten
  2. Costa Blanca

Garten versus Beton: Deutscher besorgt um Zukunft von Costa-Blanca-Urbanisation

Erstellt:

Von: Anne Thesing

Kommentare

Ein älterer Mann spaziert durch einen Kakteengarten.
Kakteen sind ideal für den Garten an der Costa Blanca - wie hier beim Deutschen von der Wege. © Anne Thesing

Bei Neubauten werde zu viel zubetoniert, sorgt sich ein Deutscher aus Moraira an der Costa Blanca, der sich in seiner Urbanisation ein kleines Garten-Paradies geschaffen hat - zur Freude von Vögeln und Insekten.

Teulada-Moraira - „Bienen brauchen Blumen“, bringt es Franz Albrecht von der Wege auf den Punkt. Doch bei immer mehr Neubauten, das beobachtet der Deutsche auch in seiner Urbanisation Moravit in Moraira an der Costa Blanca, werde auf Grün und Natur kein Wert mehr gelegt. Zum Leidwesen nicht nur der so wichtigen Bienen, sondern auch anderer Insekten, Vögel und Fledermäuse. „Ohne Grün gehen diese Tiere zugrunde“, sagt er und öffnet das Tor zu seinem eigenen Garten, in dem es Vögeln und Bienen an nichts fehlen soll – so seine Idee, die bei seinen tierischen Gästen so gut ankommt, dass sie ihm immer wieder einen Besuch abstatten.

„Schauen Sie, dieses Nest“, zeigt der Deutsche auf ein winziges Vogelbettchen in einem Busch. „Die Heckenbraunelle kommt jedes Jahr hierher zurück.“ Auch Kleiber nisten in seinem Garten an der Costa Blanca und einen seiner Riesenkakteen wählen Amseln seit drei Jahren immer wieder als Nistplatz aus. „Nur die Schwalben machen mir Sorgen, sie werden immer weniger“, sagt von der Wege, der praktisch immer irgendetwas aussät, aktuell fürs Frühjahr.

Urbanisation und Gärten an der Costa Blanca: Deutscher sieht Probleme

„Die Sonnenblumen sprießen schon“, sagt der Resident und zeigt auf zwei der vielen Töpfe in seinem Garten. In anderen an der Mauer, auf die im Sommer die starke Sonne der Costa Blanca knallt, experimentiert der Deutsche, „welche Pflanzen es bei 50 Grad Hitze aushalten können“. Der Pool, so betont er, sei nicht zum Schwimmen da. „Es ist mein Regenwasserauffangbecken. Ich kämpfe hier um jeden Tropfen.“ Wenn es in diesem Jahr nicht noch zwei oder dreimal richtig regne, werde es allerdings im nächsten Jahr schwierig mit den Wasserreserven.

Ein Mann sitzt unter Palmen in einem Garten.
Schattenspender und von allem etwas: Garten an der Costa Blanca. © Anne Thesing

Seit 25 Jahren lebt von der Wege in Moraira-Moravit, „und seitdem hat sich einiges in der Urbanisation verändert“, sagt er. Nicht unbedingt zum Guten, findet er und denkt dabei nicht nur an den für ihn fragwürdigen Baustil moderner Häuser ohne ausreichende Gartenfläche. So habe der Wegzug vieler älterer Anwohner, auch Deutscher, von der Costa Blanca zurück in ihre Heimat auch eine gewisse gesellschaftliche Verarmung mit sich gebracht. „Früher haben wir uns hier regelmäßig getroffen, hatten gemeinsame Feiern. Es war wunderbar.“ Jetzt gebe es kaum noch Kontakte, allein lebende ältere Menschen vereinsamten. „Ich laufe jeden Abend anderthalb Stunden durch die Urbanisation und höre mir von verschiedenen Leuten ihre Probleme an“, versucht er gegenzusteuern.

Doch die fehlenden Kontakte beträfen nicht nur die Bewohner der Costa-Blanca-Urbanisation untereinander, auch zum Rathaus gebe es nicht mehr den Draht, den der Deutsche vor vielen Jahren, noch zu Zeiten der Partei „Ciudadanos de Moraira“ vom damaligen Bürgermeister José Císcar (später PP), so geschätzt habe. „Damals haben wir uns alle zwei Monate mit Císcar versammelt, um wichtige Themen und Probleme anzusprechen.“

Paradies für Mensch und Tiere: Deutscher genießt seinen Garten an der Costa Blanca

Was er heute bei einer solchen Versammlung mit Rathausvertretern und Urbanisations-Anwohnern ansprechen würde, liegt für ihn auf der Hand. „Ich bin ein Naturfreund“, sagt er, „und sehe, dass hier an der Costa Blanca bei manch einem neuen Haus alles auf dem Grundstück zubetoniert wird. Auch alte Bäume werden einfach so gefällt.“ Noch habe er den Blick auf Gärten und die in Spanien so typischen Palmen, „aber wenn das so weitergeht, wächst hier bald nichts mehr“. Schon so habe sich die Zahl der Bienen in den letzten Jahren um zirka 80 Prozent reduziert, so die Schätzung des Deutschen.

„Ein Garten braucht viel Zeit“, gibt er zu. Kakteen und Palmen seien eine gute Lösung. So brächten die Kakteenblüten auch im Winter Farbe in seinen Garten. Zudem sollte man unterschiedliche Hecken, zum Beispiel aus Oleander und Efeu, einplanen – „dann können die Vögel von Hecke zu Hecke fliegen“ – und den Bienen Blüten zu verschiedenen Jahreszeiten anbieten. Auch ein Schattenspender dürfe an der Costa Blanca nicht fehlen, sein riesiger Gummibaum fülle sich zudem im Sommer regelrecht mit Vögeln. „Die kennen mich schon“, sagt er lächelnd. „Morgens begrüßen sie mich pfeifend und fliegen nicht vor mir weg.“

Bald wird von der Wege wieder seine bolivianische Hängematte zwischen die beiden Madagaskarpalmen spannen. Denn natürlich profitiert nicht nur die Tierwelt von seinem kleinen Paradies an der Costa Blanca – sondern auch der Mensch, der hier nach getaner Garten-Arbeit zur Ruhe kommt.

Auch interessant

Kommentare