An einem Tisch sitzen Menschen, trinken Kaffee und Wein.
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Deutscher Stammtisch an der Costa Blanca: Eine Runde voller Lebensgeschichten.

Leben in Spanien

Deutscher Stammtisch an der Costa Blanca: Auswanderer teilen Spanien-Erfahrungen

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Eine deutschsprachige Gruppe trifft sich jede Woche in Guardamar an der südlichen Costa Blanca. In ihrer Runde gehe es besonders familiär zu, loben die Teilnehmer.

Guardamar - Vielleicht ist gerade in einer Stadt der Bäume das Bewusstsein dafür groß, wie hilfreich es ist, einen festen Stamm zu haben. Um sich festzuhalten. Um Kraft zu tanken. Um nicht allein zu sein. Ein solch fester Halt ist in Guardamar, der Stadt mit dem Kiefernwald am Meer, der deutschsprachige Stammtisch. Seit drei Jahren bringt er Auswanderer und Urlauber der südlichen Costa Blanca zusammen, die einander von Reisen und Restaurants berichten, Handwerker empfehlen, Spanien-Erfahrungen teilen und vor allem: von ihrem Leben erzählen.

Costa Blanca: Deutscher Stammtisch - Auswanderer empfehlen

Ja, das bestätigen uns bei dem Treffen mehrere Stammtisch-Teilnehmer: „Worüber wir am meisten sprechen, sind unsere Lebensgeschichten“: Ganz verschiedene Wege brachten die deutschsprachigen Auswanderer alle hierher an die Costa Blanca. Elfriede Stosshoff kam durch ihren Partner Raimund Schmitz, einst Lkw- und Busfahrer, auf Spanien. Über die Feriensiedlung Ciudad Quesada und das Dorf Fortuna kamen die Bayern nach Guardamar. „Hier gefällt es uns gut, es ist alles nah, es gibt alles, was man braucht. Es ist ein kleiner Ort zum Wohlfühlen“, lobt die Deutsche, die immer montags mit den Damen des Stammtischs wandert.

„Guardamar ist auch sehr gut gelegen“, fügt Robert Fehr an. „Mit dem Bus kommt man leicht nach Alicante und Torrevieja. Aber es gibt weniger Kriminalität.“ Der Schweizer, seit drei Jahren in Spanien, ist so etwas wie der Kopf des deutschsprachigen Stammtischs an der südlichen Costa Blanca. Besonders faszinieren ihn kulturhistorische Dinge wie die alten hydraulischen Systeme am Fluss Segura. „Sie sollten viel bekannter werden.“ Ein Experte ist Fehr, als Organisator des Tisches, aber auch für Guardamars Kaffeelokale. Denn eine regelrechte Tour hat er hinter sich. Zweimal musste die Runde zuletzt umziehen. Wegen durchwachsener Erfahrungen.

Vielmehr ein Familientreffen an der Costa Blanca: „Ich habe zwei Heimaten“

„In dem alten Lokal durften wir ab Herbst nicht den Innenraum nutzen. Und im nächsten war die Akustik schlecht, und es war etwas düster“, berichtet Robert Fehr. „Das ist das Negative: In Spanien ist es eben oft laut“, schaltet sich vom anderen Tischende Ute Knüttel ein. Kein Wunder, dass sie in Guardamar beruhigende Aktivitäten wie Qi Gong im herrlichen Park Reina Sofía empfiehlt. Aber auch in verschiedenen deutschen Gruppen der Costa Blanca ist sie aktiv. „Für mich ist dieser Stammtisch vielmehr ein Familientreffen, in dem man sich trifft und alles sagt: im Guten wie im Schlechten“, lacht die gebürtige Thüringerin.

Neben ihr nickt Miguel Garrido eifrig. Ein großes Geschenk machte dem Spanier der deutsche Stammtisch von Guardamar: „Beim ersten Treffen lernte ich meine Partnerin kennen“, berichtet Miguel Garrido und wird sogleich von den anderen am Tisch geneckt. Auf die deutschsprachige Runde an der Urlauber-Küste in Spanien brachte ihn seine lange berufliche Zeit in Deutschland. Ob das Sauerland, in dem er lebte, seine Heimat geworden sei, fragen wir den Mehrfach-Auswanderer. „Ich habe zwei Heimaten: Spanien und Deutschland“, bekennt der Spanier lächelnd.

Käffchen und WhatsApp-Witze: Unter Corona nicht eingeschlafen

Ein fester Halt war der Familientisch für die Teilnehmer auch in der schweren Corona-Zeit. „Wir mussten uns einschränken, aber eingeschlafen ist das eigentlich nie“, berichtet Robert Fehr, und der gesamte Tisch stimmt ihm zu. In den strengsten Lockdowns in Spanien habe man sich „halt über WhatsApp Witze geschickt“. Und sobald es möglich war, wieder Käffchen und Co. im Freien getrunken. Nun ist das immer donnerstags der Fall: ab 18 Uhr im Casa Qui Que,  Carrer Ausiàs March, 132 in Guardamar, der Stadt der festen Stämme am Meer. „Einfach dazusetzen“, lädt Organisator Fehr ein.

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