In Afrika führt ein Mann mit Kappe ein Nutztier an der Leine durch die Landschaft.
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Dorf von Costa Blanca spendet Ziegen für Dorf in Ruanda.

Spanien hilft Afrika

Costa Blanca: Dorf im Kirschen-Tal kauft Ziegen für arme Familien in Ruanda

  • vonStefan Wieczorek
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Als hätte das Vall de Gallinera nicht genug eigen Sorgen, spendet es einem Dorf in Ruanda Ziegen. Wie es zur Hilfskation mit der NGO Abló Pkédé kam? Auch dank zwei Priestern aus Afrika im Kirschen-Tal.

  • Im Hinterland von Alicante sorgt Afrika-Hilfsaktion im Vall de Gallinera für Aufsehen.
  • Ein Dorf in Ruanda bekommt mit Hilfe einer NGO von der Costa Blanca Ziegen gespendet.
  • Im Vall de Gallinera berichtet Priester aus Ruanda von Armut und Nöten seiner Heimat.
  • Spenden-Konto für die Ziegen-Hilfsaktion: NGO Abló Pkede - ES63 3025 0001 1214 3342 6758

Vall de Gallinera - In Alicante sorgt im Coronavirus-Sommer eine unübliche Hilfsaktion für Aufsehen. Alpatró, ein 500-Seelen-Dorf im Tal Vall de Gallinera, kauft Ziegen für bedürftige Familien im Dorf Rwashama in Ruanda. Bereits 1.470 Euro gesammelt und dafür vor Ort 50 Ziegen finanziert hatten die Bewohner des Hinterlands der Costa Blanca Mitte August 2020. Noch viel mehr will das Dorf aus dem Tal der Kirschen nach Afrika spenden - denn an der Hilfsaktion teilnehmen kann jeder, der will. Auch Spender aus Deutschland haben die Organisatoren aus dem kleinen Dorf in Spanien bereits auf der Liste.

Dorf von Costa Blanca hilft Ruanda: Ziegen-Hilfsaktion für arme Familien

Eine Besonderheit der Hilfsaktion von der Costa Blanca: Die Teilnehmer sind vorwiegend Rentner aus dem Vall de Gallinera, das auch unter Corona genug eigene Sorgen hat. Der 72-jährige Roberto Lloréns, Aktivist der NGO Abló Pkede aus Barcelona, stellte den Kontakt von Dorf zu Dorf aus Ruanda nach Spanien her. In zehn Jahren und 50 Projekten baute die Organisation in Ländern von Afrika wie Benin, Gambia und Togo Brunnen, Häuser und Schulen. Vor allem für Kinder, Frauen und Kranke setze sich die NGO ein, deren Name einem afrikanischen Gruß entsprang. „Und du - was hast du gemacht?“ bedeutet Abló Pkédé wörtlich.

Die Ziegen, die das Dorf im Hinterland von Alicante für das Dorf in Ruanda kauft, sollen Familien helfen, wirtschaftlich und sozial Schritt zu halten. Nutztiere wie Ziegen sind in der ländlichen Gesellschaft ein Pfeiler des Wohlstands. Das erfuhren die bisher 25 Spender der Hilfsaktion aus dem Vall de Gallinera aus erster Hand - von den katholischen Priestern Gaudiose Mureramanzi und Emilien Ngerageze. Mangel an Nachwuchs in der spanischen Kirche und ein Austausch der Bistümer von Valencia und Byumba brachten die beiden 45-Jährigen vor mehreren Jahren aus Ruanda in das Tal der Kirschen von Alicante..

Hilfsaktion aus Alicante - Im Dorf in Ruanda „unser tägliches Brot“ nur zum Fest

Das Tal in Alicante sei gar nicht so anders als seine Heimat Ruanda, erklärt Mureramanzi. „In meinem Dorf ist es ähnlich grün. Nur ist es da flacher, und es wachsen Papayas und Bananen, keine Kirschen.“ Doch ganz verschieden seien vor allem die Nöte der Dorf-Bewohner. „Hier in Spanien fehlen junge Menschen. Bei uns wird mangels Medizin niemand älter als 75. Und wenn wir ‚Unser tägliches Brot gib uns heute‘ beten, denke ich, dass man hier das Brot wirklich täglich hat. In meinem Dorf in Ruanda gibt es Brot nur zum Fest. Und einige bekommen einen Tag lang nichts zu essen.“

Soziale Distanz kenne man in Ruanda nicht erst seit dem Coronavirus. „In den Dörfern stehen die Häuser nicht wie hier an der Costa Blanca Wand an Wand, sondern hunderte Meter voneinander weg“, erklärt der Priester aus dem Vall de Gallinera. „Aber man ist nur räumlich weit weg. Im Alltag lebt man nah beieinander.“ Nähe zum Afrikaner spüren ältere Bewohner des Tals, die sich noch an den spanischen Bürgerkrieg erinnern, beim Hören der Lebensgeschichte des Priesters. Denn Mureramanzi wurde im Bürgerkrieg von Ruanda zum Waisen. 1994 gehörten seine Eltern zu den Opfern des Völkermords.

Vall de Gallinera erinnert sich an Völkermord in Ruanda - Ziegen gegen Armut

Der afrikanische Priester aus dem Hinterland von Alicante erzählt: „Ich war Student, wir hatten Ferien, als der Genozid geschah. Es ist ein Wunder, dass ich am Leben blieb“. Er sei jedoch „Optimist“, sagt er ganz heiter, bezüglich der Probleme sowohl in seiner alten als auch neuen Heimat. „In Ruanda hat uns der Präsident versprochen, die medizinische Lage zu verbessern. Und wenn hier im Vall de Gallinera derzeit der Nachwuchs fehlt, kommt er halt von woanders“. Noch hat das Tal jedoch Bewohner, die zu viel Gutem in der Lage sind. Das zeigt die Hilfsaktion, in der Alpatró Ziegen für bedürftige Familien in Rwashama kauft.

Ruanda in Spanien: Priester Emilien (l.) und Gaudiose (r.) im Vall de Gallinera.

„Das Tal Vall de Gallinera hat etwas Besonderes an sich“, lobt Mureramanzi in gutem Spanisch. Auch die Regionalsprache der Costa Blanca, Valenciano, fiele ihm immer leichter. „Was wir nach unserer Ankunft am meisten hörten, war ‚animo‘, nur Mut. Und die Menschen von hier versuchen, ihre Liebe nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten zu zeigen.“ Das bestätigt Lirios Domenéch, eine der Spender für die Ziegen-Hilfsaktion. „Wir hier im Tal tanzen vielleicht nicht zur Begrüßung wie die Menschen in Afrika, aber zeigen Zuneigung, indem wir jemanden einladen oder ihm helfen.“

An der Hilfsaktion für Ruanda von der Costa Blanca können auch Sie teilnehmen

Sie wollen an der Hilfsaktion für Afrika aus dem Hinterland der Costa Blanca teilnehmen und Ziegen für das Dorf Rwashama in Ruanda kaufen? Melden Sie sich bei Roberto Llórens Reig unter 610 250 459, schreiben an associacio.ablo.pkede@cmail.cat oder spenden direkt auf das Konto von Abló Pkede ES63 3025 0001 1214 3342 6758. Der Preis für eine Ziege beträgt laut Llórens 30 Euro.

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