Zwei Schauspielerinnen stehen vor den charakteristischen bunten Häusern von Villajoyosa. Es werden Szenen für die Serie Alba gedreht.
+
In Villajoyosa wurden Szenen für die Serie Alba gedreht.

Und Action!

Hollywood an der Costa Blanca: Wo die großen Blockbuster gedreht wurden

  • vonAndrea Beckmann
    schließen

Die Costa Blanca diente schon als Drehort für Blockbuster. Selbst Kirk Douglas und Bruce Willis spielten hier schon. Welche Orte haben es den Regisseuren angetan?

Dénia - In Dénias Hafenviertel Baix la Mar fallen Schüsse und rennen Menschen in Panik davon, in Jáveas Granadella geht Bruce Willis für den Kinofilm The cold light of day an Bord einer Segeljacht, um wenig später von dunklen Gestalten gejagt zu werden, in Monte Pego feiern Javier Bardem, Cameron Díaz und Michael Fassbender für den Hollywoodstreifen The Councelor in einer Luxusvilla ein rauschendes Fest, und in Valencias Stadt der Künste und Wissenschaften sind die Kameras eines US-Filmteams auf George Clooney gerichtet. Es laufen dort die Dreharbeiten für die Disney-Produktion Tomorrowland.

Dénia, Jávea, Pego, Valencia – nur ein kleiner Teil der Orte, an denen nationale und internationale Filme gedreht wurden. Spanien – insbesondere Andalusien und die Kanaren – ist begehrte Filmkulisse bei Produzenten aus Hollywood, spanische Regisseure greifen für Szenen an der Küste immer wieder gerne auf Drehorte an der Costa Blanca zurück. So wie etwa Óscar Aibar, der diesen Spätsommer Valencia und Dénia für den Kinostreifen El Sustituto wählte (Kinostart Sommer 2021), oder die Produktionsfirma Atresmedia TV, die kürzlich wieder ein Kamerateam an die Küste der Marina Baja an der Costa Blanca schickte. Für die Serie Alba, die auf Antena 3 ausgestrahlt wird, bedienten sich die Filmemacher nicht nur Villajoyosas Stränden Bol Nou und Centro, sondern auch der Klippen von Benidorms Naturpark Sierra Helada.

Drehorte an der Costa Blanca: Wo Filmgrößen wie Kirk Douglas und Yul Brynner drehten

Die Liste der Filmproduktionen an der Levante-Küste ließe sich endlos fortführen, blickt die Region doch auf eine lange Filmtradition zurück. Man erinnere sich an den Hollywoodstreifen Das Licht am Ende der Welt mit Kirk Douglas und Yul Brynner. (englisch) Der Film, der angeblich in Feuerland spielte, wurde 1971 in Jávea gedreht. Zwölf Jahre zuvor stellten die Dreharbeiten zu dem Hollywoodstreifen Captain Jones Dénia an der Costa Blanca monatelang auf den Kopf. Regie führte John Farrow. Seine Tochter Mia Farrow wurde Ende der 1980er Jahre von den Bewohnern gar zur Fiesta-Königin für die Patronatsfeiern gekürt.

Doch wie sieht es in der Gegenwart aus? Nach dem durch Corona bedingten Lockdown, der viele Aktivitäten und auch Dreharbeiten lahmlegte, ist die Filmbranche wieder aktiv. An der Costa Blanca traten sich Filmemacher in diesen Wochen fast auf die Füße. Gedreht wurde sowohl für nationale als auch internationale Produktionen an mehreren Orten gleichzeitig.

Doch Covid-19 hat auch in der Filmproduktion Spuren hinterlassen. Filmstarts wurden verschoben, viele Kinobetreiber sind existenziell bedroht. Zwar sind die meisten Kinos nach dem Lockdown wieder geöffnet, doch wegen der Abstandsregeln dürfen die Zuschauerreihen nur zu 30 Prozent ausgelastet werden.

Corona hat den Kino-Kalender also gehörig durcheinander gewirbelt. Die Liste an gewinnversprechenden Blockbustern, die dieses Jahr noch ins Kino kommen sollten und der Branche wieder mehr Einnahmen gebracht hätten, ist deutlich geschrumpft. Paramount verlegt etwa den Kinostart des Horrorfilms A Quiet Place Part II auf Juli 2021. 20th Century Studios und Warner Bros. haben die Filmstarts ihrer Großprojekte ebenfalls verschoben. So soll etwa The Batman erst im September kommenden Jahres und Avatar 2 gar erst im Dezember 2022 in die Kinos kommen. Ohne Blockbuster aber bleiben die Kinobesucher aus – ein Teufelskreis.

In Dénia wurden verschiedene Szenen für den Kinofilm „El Sustituto“ gedreht.

Filmbranche Spanien: Trotz aller durch die Coronakrise ausgelösten Widrigkeiten sehen Experten optimistisch in die Zukunft

Die weltweite Corona-Pandemie trifft die internationale Unterhaltungsindustrie schwer. Schon bei der Produktion der Filme und Serien zeigen sich aufgrund der Vorschriften zur Vermeidung von Ansteckungen Schwierigkeiten, fallen Schauspieler, die positiv getestet werden, aus. Dies kann zur Einstellung der gesamten Filmproduktion führen. Prominentestes Beispiel: Der Dreh des Elvis Presley Portraits mit Tom Hanks, der am Set positiv auf Corona getestet worden war, wurde abgebrochen. Der US-Filmbranche drohen Verluste in Milliardenhöhe.

Die Branche krankt. Nach einer repräsentativen Umfrage der spanischen Gesellschaft für Autorenrechte, Dama, unter Drehbuchautoren und Regisseuren gaben 62,4 Prozent der Befragten an, dass sie während der Pandemie keiner Tätigkeit nachgegangen seien. „In der Filmbranche tätig zu sein, ist in normalen Zeiten schon riskant“, sagt Drehbuchautorin Julia Altares (Amar es para siempre). „Wenn der Dreh eines Films abgeschlossen ist, kann es passieren, dass man ein Jahr oder länger keinen neuen Auftrag bekommt und in dieser Zeit von Ersparnissen leben muss.“ Dies wird auch in der Dama-Studie deutlich: Mehr als 51 Prozent der Befragten gaben an, als Freiberufler tätig zu sein, und 43 Prozent der Umfrageteilnehmer erklärten, sie seien auch schon vor der Pandemie auf einen Zweitjob angewiesen gewesen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Locations für Filmdrehs: Spanien erfüllt alle Voraussetzungen, sich als attraktives Filmstudio für Hollywood zu behaupten

Doch obwohl die spanische Filmbranche durch den Lockdown hohe finanzielle Verluste verkraften muss, sehen Experten optimistisch in die Zukunft. Die Mitbegründerin der Produktionsgesellschaft Vaca Films, Emma Lustres, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur EFE: „Obwohl die spanische Filmindustrie im Vergleich zu anderen Ländern von der Politik sehr stiefmütterlich behandelt wird, kann sie sich weltweit als bedeutende Industrie behaupten“. Bekräftigt wird diese Aussage durch Erhebungen des Kulturministeriums. 2019 habe der Sektor Einnahmen von vier Milliarden Euro generiert, wobei ein großer Anteil der Serienproduktion geschuldet sei. 2015 wurden in Spanien 38 Serien gedreht, 2018 waren es bereits 58 und bis Ende dieses Jahres werden es mehr als 70 sein, so das Ministerium.

Optimistisch äußerte sich auch die Spain Film Commission, deren Aufgabe es unter anderem ist, Spanien als Drehort und Produzenten für ausländische Filmproduktionen zu promoten. Die USA, führend in der Produktion von Blockbustern, sei verstärkt auf der Suche nach neuen unbekannten Film-Locations in Europa, und Spanien erfülle alle Voraussetzungen, um sich als attraktives Filmstudio für Hollywood zu behaupten. Die Aussichten auf eine verstärkte Kooperation mit der US-Filmindustrie seien daher vielversprechend. Film- und Kinofans werde es immer geben, so der Tenor unter den Kennern der Kinobranche. Selbst die von Corona auferlegten Restriktionen könnten der Filmindustrie keine dauerhaften Schäden zufügen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare