Ein Biologe an einer Düne an der Costa Blanca.
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Ein Biologe erklärt Politikern die Wichtigkeit von Dünen an Orihuela Costa. Hier Playa de La Glea.

Umweltschutz in Spanien

Dünen als Trostpreis: Costa Blanca zwischen Bausünden und Greenwashing

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Zwei Dünen an der Küste Orihuelas sollen geschützt werden, gleichzeitig wird im Süden der Costa Blanca der letzte unbebaute Küstenkilometer und damit Natur zerstört. Umweltschützer sprechen von peinlichem Greenwashing.

Orihuela Costa – Nichts, was die Stadtregierung Orihuelas anfasst, ist den Umweltschützern gut genug. Vielleicht einfach aus dem Grund, weil es tatsächlich nicht gut genug ist. Mit viel Trommelwirbel kündigte das Rathaus jetzt an, die zwei einzigen relativ kleinen natürlichen Dünen an Orihuela Costa „vor dem Einfluss des Tourismus“, also vor Badegästen schützen zu wollen. Es handelt sich um die beiden spärlich mit Gräsern und Büschen bewachsenen Sandhaufen (kein Vergleich zu der weitläufigen Dünenlandschaft in Guardamar) an den Stränden der Cala Bosque in La Zenia und La Glea. Das größte Naturgebiet an der Küste Orihuelas kommt dafür endgültig unter die Räder.

Dünen schützen: Orihuela soll Biotope an Costa Blanca schätzen lernen

Das Felsenröschen ist eine der geschützten Arten in der Heidelandschaft der Cala Mosca.

Eine der Dünen ist mit invasiven Pflanzenarten befallen, auf der anderen steht ein Bungalow der Rettungsschwimmer, obwohl es sich um sogenannten Mikroreservate handelt und beide Dünen werden vor allem in der Hochsaison ausgiebig von jenen Badegästen frequentiert, denen die regulären Strände zu frequentiert sind. Es gibt keine Absperrungen und auch keine Schilder, die den Touristen ein schlechtes Gewissen bereiten könnten. Dabei leiden unscheinbare Pflanzen wie die Seelilie, die aber nur in solchen Dünen gedeihen können, naturgemäß klein bleiben und daher von den Besuchern einfach übersehen und zersessen werden. Es gibt auch Spezialisten, die süße kleine gelbe Katzenköpchen-Blüten einfach ausreißen und mitnehmen.

Fast jedes Jahr seit 2007 kommt es in Orihuela zu Demonstrationen für den Schutz der Cala Mosca. Die Stadt lenkte nie ein. Hier ein Protest im Jahre 2010.

Dem Küstenamt in Madrid geht diese Nichtachtung schon lange zu weit, es stieß über das Umweltministerium in Valencia nun einen Schutzplan für die Dünen an, jeweils 50.000 Euro sollen investiert werden, Cala Bosque übernimmt der Staat, das Land La Glea. Nach einer Bestandsaufnahme sollen Pfähle und Schiffstaue zumindest eine optische Absperrung erbringen, Schilder über den Wert der Zonen aufklären. Möglicherweise werden auch Holzstege gebaut, um den Transitverkehr durch die Dünenzonen zu kanalisieren.

Dünen gerettet, Bucht verscherbelt: Orihuela schmückt sich mit fremden Federn

Sodann sollen ortsfremde Einwanderer aus der Flora verschwinden und an den besonders kahlen Stellen heimische Setzlinge den Boden besser festhalten. Schwierig wird das im Fall der Dünenzone an La Glea, die nämlich eine Wanderdüne ist, wenn auch eine behäbige. Auf ihr wächst unter anderem Knäuelgras (gram marina), Seelotus und Binsen oder Sandrausch (sieht aus wie Schnittlauch mit schwarz-weißen Blüten) und die Düne steht im symbiotischen Austausch mit dem angrenzenden Kiefernwäldchen. Zu guter Letzt wollen Land und Staat, dass die Stadt mit Führungen für Erwachsene und im Unterricht der Kinder Bewusstsein für diese Biotope schafft.

Orihuelas letzter unbebauter Küstenabschnitt, die Cala Mosca.

Und was stört daran nun die Umweltschützer? Ganz einfach, dass sich das Rathaus mit diesen Projekten mit fremden Federn oder besser, fremdem Seegras schmückt, um „damit ihr größtes Umweltvergehen der letzten Jahrzehnte zu vertuschen“, das die Stadtregierung gerade abgesegnet hat, so unter anderem Anse und Ecologistas en acción. Es geht um die Cala Mosca. Das ist nämlich, wenn auch keine Düne, so doch der größte unbefleckte Naturraum an Orihuela Costa, 800 Meter von 16 Kilometern Küste und ebenfalls ein Mikrorreservat mit selten gewordenen Pflanzen und Kleingetier. Dieses soll über 1.000 neuen Wohnungen weichen, so beschloss es die Stadt gegen die „Meinung“ des Küstenamtes und den Willen vieler Anwohner.

Nun, so der Vorwurf der Aktivisten, präsentiere man die beiden Dünenprojekte, an denen die Stadt gar keinen Anteil habe, sozusagen als Trostpreis. Das sei Greenwashing auf billigstem Niveau.

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