Sendemast über Stadt mit Palmen in Spanien.
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Costa Blanca: Hausfriedensbruch am Sendemast - Torreta de Guardamar

Kurioses aus Spanien

Costa Blanca: Einbruch am Militär-Sendemast - Mann droht Haft

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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Die „Torreta de Guardamar“ bei Alicante ist Spaniens höchstes Bauwerk. Aber Vorsicht: Der U-Boot-Sendemast auf militärischem Gebiet ist kein Ziel für Touristen.

Alicante - In welche Richtung geht es nach Guardamar? An nichts kann man sich an der Costa Blanca von Weitem besser orientieren, als am Militär-Sendemast, den man „Torreta de Guardamar“ oder „Torre de los Americanos“ nennt. Den vom US-Militär 1962 im Kalten Krieg gebauten Turm weist die Stadt auf einigen Info-Tafeln gar als touristische Attraktion aus. Aber Vorsicht: Auf eigene Faust sollte man das militärische Gebiet nicht erkunden. Einem Mann, der sich einen Einbruch aufs Gelände des Sendemasts geleistet hatte, drohen vier Jahre Haft. Er muss sich wegen Hausfriedensbruch vor Spaniens Militärgericht verantworten.

Torreta de GuardamarSendemast der Spanischen Marine
Architektonische Höhe: 370 m
Eröffnet:1962
Provinz: Provinz Alicante

Costa Blanca: Einbruch am Militär-Sendemast - Mann droht Haft

Nein, der Militär-Sendemast „Torreta de Guardamar“ im Süden der Costa Blanca ist kein Ausflugsziel wie etwa die prächtigen Dünen von Guardamar. Der Mann, dem nun wegen Hausfriedensrbuchs Haft droht, war auf das Gelände der riesigen Antenne für eingedrungen. Es war ein seltsamer Einbruch. Spanien befand sich im April 2020 im großen Coronavirus-Lockdown, als der Mann die Zäune des militärischen Geländes überwand, um sich dem U-Boot-Sendemast zu nähern. Nach anderthalb Stunden konnte ihn die Guardia Civil letztendlich fassen. Der Verhaftete hatte Ansagen durch das Megafon ignoriert und wollte fliehen. Schaden angerichtet hatte er aber offenbar nicht.

Dennoch muss sich der Mann, der den eingenwilligen Einbruch zum U-Boot-Sendemast der Costa Blanca vollführt hatte, nun vor dem Militärgericht verantworten - wegen Hausfriedensbruchs in einer militärischen Station. Für das Vergehen drohen ihm bis zu vier Jahre Haft. Dass sich der Verhaftete nicht bloß des Ungehorsams gegenüber der staatlichen Autorität schuldig gemacht hatte, wie das Amtsgericht in Torrevieja zunächst befand, entschied der Oberste Gerichtshof von Spanien. Der Mann habe Hausfriedensbruch bei nationalen Sicherheits- und Verteidigungskräften begangen - ein laut Tribunal Supremo besonders gefährlicher Fall.

Costa Blanca: Hausfriedensbruch am Sendemast - Marine steuert damit U-Boote

Wie ein Strich in der Landschaft der Costa Blanca steht der Sendemast des spanischen Militärs, von gewaltigen Stahlkabeln im Gleichgewicht gehalten, im Südbezirk der Stadt Moncayo. In der Umgebung wurden zuletzt Archäologen von römischen Resten überrascht. Nicht 380 Meter hoch ist die riesige Antenne, wie ihr offizieller Name „Antena LF 380“ vermuten lässt, sondern 370 Meter. Dennoch kann ihr in Spanien kein Bauwerk den Rang als höchstes ablaufen. Nicht das Hotel Bali von Benidorm, nicht der Wolkenkratzer PwC in Madrid. Was Militäranlagen angeht, ist der Mast „Torreta de Guardamar“ sogar Europas Spitze.

Im Kalten Krieg in den 1960er Jahren errichtete das US-Militär den Sendemast auf dem Hügel im Süden von Alicante. Bis zum ersten Golfkrieg behielten ihn die Amerikaner und übergaben ihn anschließend den Streitkräften von Spanien. Aktuell ist die spanische Marine für den riesigen Sendemast zuständig und steuert ihn aus der Marinebasis Rota bei Cádiz in Andalusien. Der Hauptzweck des Turms „Torreta de Guardamar“ an der Costa Blanca ist die Kontrolle von U-Booten: Wenn sie aus dem Hafen von Cartagena in See stechen, erhalten sie die Anweisungen über den Sendemast aus Guardamar.

Costa Blanca: Militär-Sendemast genähert - Schädlich für Gesundheit?

Dass der riesige Sendemast der Costa Blanca noch vom Militär genutzt wird, überrascht einige Betrachter angesichts der gewaltigen technischen Fortschritte seit den 1960er Jahren. Auch fragen sich Bewohner der Costa Blanca, ob die durch Hochspannung betriebene militärische Antenne für die Gesundheit schädlich sei. Auf Nachfrage von „costanachrichten.com“ gab das Rathaus von Guardamar allerdings an, ihm seien Risiken durch den militärische Sendemast nicht bekannt. Sicher wird die Stadt sich aber nun gut überlegen, ob sie den Sendemast weiter als touristische Attraktion bewirbt.

Costa Blanca: Militär-Sendemast genähert - Schwarz-Weiß-Luftbild von Guardamar

Denn wer sich dem U-Boot-Sendemast an der Costa Blanca zu sehr nähert - geschweige denn, durch einen eigenwilligen Einbruch auf das Militär-Gelände- , riskiert eine harte Strafe. Das zeigt nun der Fall des Mannes, der in Spanien vor dem Militärgericht steht. Als Sehenswürdigkeit von Weitem kann die Funkanlage „Torreta de Guardamar“ aber ohne Probleme angeschaut oder fotografiert werden. Als günstigen Aussichtspunkt dafür empfehlen wir die Burg von Guardamar im Süden der Provinz Alicante.

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