Hilfe aus Spanien

Feuerwehr bringt vor Ukraine-Krieg fliehende Kinder in Sicherheit an die Costa Blanca

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Spaniens Mittelmeerküste zeigt ein offenes Herz für Betroffene des Krieges. Gemeinden spenden Hilfsgüter und schaffen Schulklassen, Russen nehmen Ukrainer zu Hause auf. Allerdings sind die in Spanien rund 1000 aufnommenen Flüchtlinge noch viel zu wenig angesichts der bald zwei Millionen etwa in Polen.

Torrevieja – Während der Krieg in der Ukraine tobt, wachsen auch an der Costa Blanca Menschen mit Hilfsleistungen für die Betroffenen und Flüchtenden über sich hinaus. Am Samstag etwa gelangten 19 Menschen aus den ukrainischen Kriegsgebieten in Sicherheit nach Torrevieja, darunter mehrere kleine Kinder. Hergebracht wurden die vor dem Krieg fliehenden Ukrainer mittels eines Konvois der Feuerwehr der Provinz Alicante. Über 6000 Kilometer bewältigten die Helfer aus Spanien auf dem Weg bis an die Grenze zwischen Polen und der Ukraine und zurück. Eine ähnliche Strecke hatte kürzlich auch eine Familie aus Gandía auf sich genommen, um eine junge Studentin aus Kiew zu sich zu holen.

„Ich will, dass wir uns vereinen und unseren Geschwistern aus der Ukraine helfen zu überleben: sie lieben, und ihnen unsere Herzen öffnen.“ 

Natalia Malivanova, Russin aus Torrevieja

Costa Blanca: Feuerwehr bringt vor Krieg fliehende Kinder in Sicherheit

Am Dienstag war der freiwillige Hilfstrupp der Feuerwehr an der Costa Blanca aufgebrochen, um in den polnischen Grenzort Medyca lebensnotwendige Güter für die ukrainischen Flüchtlinge zu befördern. Die Pakete vorbereitet hatte der Verein Abril aus Elda, einer Stadt im Hinterland der Provinz Alicante. In Polen sammelten die Spanier dann die vor dem Krieg fliehenden Erwachsenen und Kinder aus der Ukraine ein. Von den 27 Mitgenommenen blieben sechs in Barcelona und zwei in Valencia. Nach den über 6000 bewältigten Kilometern wurden die Helfer der spanischen Feuerwehr durch Provinzchef Carlos Mazón gewürdigt.

Ganz Alicante sei stolz auf sie. Den Neuankömmlingen aus der Ukraine sicherte der konservative Politiker „jede Unterstützung und Zuwendung“ zu, damit sie sich nach dem Trauma der russischen Invasion in ihrem Land nun„in Sicherheit und zu Hause fühlten“. Die Verwaltung der Provinz zahlte die Kosten der Hilfsexpedition. Rund 1000 Ukrainer sollen bisher nach Spanien vor dem Krieg geflohen sein. Die meisten Flüchtlinge bleiben allerdings in Nachbarländern der Ukraine. Polen wird bald zwei Millionen Ukrainer aufgenommen haben. Auch deshalb sind Hilfsaktionen wie die der spanischen Feuerwehr aus Alicante dringend nötig. (Zum Thema: Folgen des Ukraine-Krieges für Spanien)

Die Feuerwehr von der Costa Blanca holte die Menschen aus der Ukraine in Polen ab.

„Es gibt gute Menschen in Russland und in der Ukraine“

Positiv zu vermelden ist: Von ideologischen Konflikten ist an der ukrainisch und russisch geprägten Costa Blanca bisher kaum die Rede. Vielmehr sorgen Menschen wie Natalia Malivanova in Lokalmedien wie die „Información“ für Schlagzeilen. Die Russin aus Torrevieja nahm die mit ihr nur entfernt verwandte Ukrainerin Viktoriia Maksymova und ihren sechsjährigen Sohn bei sich auf. „Ich weiß, das ist nur ein Tropfen im großen Meer“, sagte Malivanova, „aber weil ich es tun kann, tue ich es“. Völlig unverständlich sei für sie Putins Krieg. Dennoch hätten sie zuletzt einige Kommentare gegen ihr Land verletzt.

„Es gibt gute Menschen in Russland und in der Ukraine“, glaubt die in Spanien wohnhafte Frau aus Russland. „Ich will, dass wir uns vereinen und unseren Geschwistern aus der Ukraine helfen zu überleben: sie lieben, und ihnen unsere Herzen öffnen.“ Mit der Ansicht ist Natalia Malivanova nicht allein. Auch in der Stadt Orihuela nahm eine russische Familie Svetlana, eine Verwandte aus der Ukraine auf. In Charkiw vor den Bomben versteckt hatte sie sich in einem Bunker aus dem Weltkrieg. „Wir sind nicht weit weg von dieser Bedrohung“, mahnt ihr Gastgeber Peter.

Aufnahme statt Filme: Elf Schulklassen für ukrainische Kinder

Ein offenes Herz zeigen in diesen Tagen auch Verwaltungen zahlreicher Gemeinden der Costa Blanca. In Alicante ist das ehemalige Filmstudio Ciudad de la Luz zu einem Logistik- und Aufnahmezentrum für ukrainische Flüchtlinge geworden. Am Wochenende schickte das Rathaus von Torrevieja im Zusammenarbeit mit örtlichen Ukrainer-Vereinen vier Tonnen Hilfsgüter in zwei Sattelschleppern in Richtung Polen und Ukraine. Und gemeinsam mit dem Land Valencia schuf die Stadt in einem Expressverfahren elf Schulklassen für geflüchtete ukrainische Kinder.

Rubriklistenbild: © Bomberos Diputación Alicante

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