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Elche CF wird 100: Welcher Deutsche in der Palmenstadt kickte

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Von: Stefan Wieczorek

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Foto einer Fussballmannschaft aus Mitte des 20. Jahrhunderts.
100 Jahre Elche CF: Der grüne Streifen ist das Markenzeichen des Palmenstadt-Clubs. © Elche CF

In schwieriger Lage feiert der Fußballclub Elche CF sein großes Jubiläum. Mit Erfolg trug ein früherer Bundesliga-Spieler den grünen Streifen auf der Brust.

Elche – Wie gut, dass der Elche CF sozusagen zwei Halbzeiten hat, um den großartigsten seiner bisherigen Geburtstage zu feiern. Zwar waren am 10. Januar exakt 100 Jahre vorbei, seit der Fußballclub der Palmenstadt offiziell registriert wurde. Aber es ist ein tristes Fest, weil das Sportliche - und darum geht es ja - gerade nicht begeistert. Mit fünf Pünktchen liegen die Franjiverdes (Grüngestreiften) von der Costa Blanca abgeschlagen am Tabellenende. Der Abstieg aus Liga eins ist nahe. Eine triste Feier ist es für den Kult-Club aus Spanien, in dem sogar ein deutscher Bundesliga-Spieler alter Tage richtig erfolgreiche Zeiten erlebte.

Costa Blanca: Fußballclub wird 100 Jahre alt - Deutscher spielte in Elche

Im Sommer 2022 ging es noch fröhlich zu, als der Fußballclub von der Costa Blanca den Anstoß zur 100-Jahresfeier ausführte. Der 28. August 1922 ist das erste Gründungsdatum des CF. In der Zeitschrift Nueva Ilice war damals die Initiative entstanden, in Elche eine schlagkräftige Fußballauswahl zu schaffen, die es mit den Alicantiner Truppen CA Bellas Artes und Club Natación aufnehmen würde. In einem Feuerwerkslager am Fluss signierten Vertreter der Stadt und mehrerer Clubs den Pakt, um den Elche Football Club – so der erste Name des Vereins aus der Stadt der Weltkulturerbe-Palmen – erwachsen zu lassen.

Als etablierter Erstligist beging die CF-Fanschar im Sommer 2022 das erste 100-Jahres-Jubiläum. Ein grandioser Aufstieg 2020, der manche an die Himmelfahrt im „Misteri“-Weltkulturerbe erinnerte, brachte den Club zurück in Spaniens Fußball-Olymp La Liga. Ein gefeierter Aufsteiger war Elche auch 1973 gewesen, als ein deutscher Spieler zum Fußballclub von der Costa Blanca stieß: Franz Hiller, der Mittelfeld-Stratege aus München, wechselte von 1860 in die Palmenstadt - und spielte sogleich eine richtig gute Saison. In 33 Partien stand der frühere Bundesliga-Spieler (*1950) auf dem Platz und schoss ein Tor.

Zu deutschen Grünweißen: Mit der Stadt auf dem Platz

Dass der Deutsche nicht länger im 100-Jahres-Fußballclub blieb, hatte mit den damals ungünstigen Regelungen für Ausländer zu tun. Nach nur einem Jahr wechselte Franz Hiller zu Werder Bremen, wofür die deutschen Grünweißen im Gegenzug die Palmenstadt zum rauschenden Stadtfest besuchten. Hiller blieb bisher der einzige Deutsche bei den spanischen Grüngestreiften. Doch zurück in aktuelle Zeiten. Mit viel Fleiß und Geschick – auch seitens des argentinischen Eigentümers Christian Bragarnik – hielt Elche seit dem Aufstieg 2020 die Klasse. War es für den CF nicht der Moment, in der Liga auch mal nach oben zu schielen?

Was die Fußball-Euphorie in Elche alles ausrichten kann, bewies schließlich schon die frühe Vereinsgeschichte. Gleich die erste Partie war ein Spektakel. 0:4 fegte man Monóvar aus dessen Stadion und vermieste ihm die Ortsfiesta. Die zunächst ganz in Weiß kickenden Elcher wurden bald zur gefürchteten Truppe, was die Elf auf dem Rasen und die Fans drumrum angeht. „La historia de un sentimiento“, Die Geschichte eines Gefühls: Unter dieses Motto setzte der Club nun die 100-Jahresfeier, die mithilfe der Stadt und Provinzverwaltung das Jahr 2023 lang – allen sportlichen Rückschlägen zum Trotz – mit feierlichen Akten andauern soll.

Die Clubgründung sei „eines der größten Ereignisse, die wir in der Stadtgeschichte erleben konnten“, lobte am 10. Januar der Vorsitzende des Fanverbands FPElx, David Aranda. Eng verbunden seien die Geschicke der Stadt und des Clubs, betonte auch Bürgermeister Carlos González (PSOE). Beide zeichneten große Opferbereitschaft und „authentische Leidenschaft“ aus, sowie Selbstüberwindung und Heldenmut. Auf diese Weise habe sich der CF schon aus mancher auswegloser Lage herausgekämpft.

Hiller kickte noch in Altabix: Ab 60ern gings bergauf

Ein solch schwerer Rückschlag war 2015 eingetreten: Gerade hatte der Club in Liga eins wieder Fuß gefasst, da führten Steuersünden zum Zwangsabstieg. Rasch schüttelten die Grünweißen das Trauma aber ab und katapultierten sich zurück in die erste Spielklasse, in die sie laut vielen Stimmen allein schon wegen des tollen Stadions gehören. 1976 ersetzte die nach dem damaligen Präsidenten Manuel Martínez Valero genannte Arena den 1926 erbauten Spieltempel von Altabix, in dem noch der Deutsche Franz Hiller kickte. 1926 war ferner das Jahr, in dem der Club zu seinem Markenzeichen kam: dem Streifen auf dem Trikot.

Über einer Stadt in der Nacht explodiert ein riesiges Feuerwerk.
Elche ist an der Costa Blanca die Stadt der Palmen und Feuerwerke. © Salva González / Visitelche

Dem tschechischen Trainer Antón Fivébr war der grüne Horizont aus Palmen rund um die Stadt der Costa Blanca – weißen Küste – aufgefallen. Dieses Merkmal wurde auf Höhe der Herzen der Fußballer verewigt. Zum heutigen Namen CF kam der einstige Football Club dagegen unter Diktator Franco, der ausländische Clubnamen verbot. Ab den 60ern ging es – parallel zum wirtschaftlichen Boom in der Schusterstadt – sportlich rasant bergauf. Viele Jahre lang in Liga eins, wurde der Elcher Club zum Aushängeschild der Region, das auch ausländische Kicker anzog, wie den Deutschen Franz Hiller, der 1973/1974 den Palmenstreifen auf der Brust trug.

Ausgerechnet die Jahrhundertsaison: Keine 100 Punkte

Auf das Fußball-Highlight der auch in Elche gespielten WM 1982 folgten für den Palmenstadt-Club eher bescheidene Jahre mit lauter Ab- und Aufstiegen. Erst die heutige Ära schien dem grünweißen Club wieder Strahlkraft zu verleihen. Leider missriet bisher ausgerechnet die Saison der 100-Jahres-Feier. Aber wenn noch etwas für einen Verbleib des Costa-Blanca-Clubs in Liga eins spricht, dann sicher die unbändige Euphorie, die in Elche Gewaltiges schaffen kann. Und vielleicht auch die Einsicht, dass für die Grüngestreiften in der Saison, die noch nicht die erste Halbzeit beendet hat, keine 100 Punkte nötig sind.

Neugierig geworden auf kickende Helden aus der Palmenstadt? Wie wäre es mit dem jungen Migranten aus dem ärmlichen Viertel, der bei der Weltmeisterschaft für Furore sorgte...

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