An einem Strand sind Dünen und wenige Besucher zu sehen.
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Der tote Wal strandete an der Costa Blanca vor den Dünen des abgelegenen Strandes von El Altet.

Spanien am Meer

Einsamer Strand an der Costa Blanca: Wo ein toter Wal strandete und es keiner mitbekam

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Acht Tonnen wog der Finnwal, der in diesen Tagen an die Küste bei Alicante geschwemmt wurde. Aufsehen erregte der Fund kaum. Im Herbst ist der Strand von El Altet ziemlich menschenleer: Ein letztes Stück unbebauter Küste, mit Dünen statt Hochhäusern - aber voller zarten Lebens.

Elche - Nach und nach sprach es sich im Süden der Costa Blanca herum: Ein toter Wal sei an den Strand von El Altet geschwemmt worden. In der Nacht zum 23. September, einem Donnerstag, strandete der leblose acht Tonnen schwere Kadaver an den Dünen der Küste im Süden von Alicante. Ein Hype auf sozialen Netzwerken blieb jedoch aus. Denn als die Stadt Elche, die für das Stück Playa zuständig ist, den Zwischenfall meldete, war das tote Tier längst beseitigt. Am einsamen und vom Zentrum abgelegenen Strand hatte es kaum jemand mitbekommen. Auch Anwohner lasen in den Tagen danach überrascht vom toten Wal an ihrem Strand.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valencia

Toter Wal an Costa Blanca gestrandet - am einsamen Strand bekam es keiner mit

Noch bevor die Sonne an der Costa Blanca aufging, hatte die Stadtverwaltung von Elche vom toten Wal am Strand von El Altet erfahren. Das Rathaus rief die Guardia Civil sowie Experten vom Ozeanografischen Institut in Valencia zu Hilfe, die sich auch schon um den Hai gekümmert hatten, der im Sommer am Strand von Benidorm aufgetaucht war. Die Stadt beauftragte den Reinigungsdienst mit der Beseitigung der 14 Meter langen Tierleiche und holte sich von Spaniens Küstenamt die Erlaubnis dafür ein - alles im Rekordtempo. Nur wenige Besucher wurden am Strand Zeugen des Zwischenfalls. Im Herbst ist die für ihre Dünen bekannte, unbebaute Playa, kaum besucht - vor allem am frühen Morgen unter der Woche.

Zwei kräftige Fahrzeuge des Reinigungsdienstes der Stadt Elche, UTE, schleppten den toten Wal vom einsamen Strand im Süden der Costa Blanca weg. Woran das Tier gestorben war, konnten die Experten aus Valencia wegen der starken Verwesung des Kadavers nicht nachweisen. Allerdings war eine seiner Flossen in ein Seil festgewickelt. Durchaus möglich, so die Guardia Civil, dass diese Behinderung zum Tod geführt hatte. Der gestrandete Finnwal - die bedrohte Art ist nach dem Blauwal das größte Tier der Welt - war vergleichsweise klein. Der Wal könnte also jung gestorben sein.

Toter Wal an Costa Blanca gestrandet: Noch am Morgen räumte die Stadt den acht Tonnen schweren Kadaver weg.

Ähnlicher Baby-Finnwal starb im Februar vor der Küste Israels

An der Costa Blanca wird die Art des toten Wals immer mal wieder gesichtet, jedoch weniger im Süden als eher bei Dénia. 2021 begann die Polytechnische Universität von Valencia mit der Stiftung des Oceanogràfic ein neues Projekt zur Untersuchung der Migrationsrouten von Finnwalen, wobei einige Tiere mit Sendegeräten ausgestattet werden, die per Satellit verfolgt werden können. Im Sommer 2021 hatte ein Wal in Valencia Glück: Das 18 Meter lange und 50 Tonnen schwere Tier hatte sich im Hafen verfangen, konnte aber trotz einiger Blessuren gerettet und befreit werden. Überraschend kam zuletzt der Besuch eines Weißen Hais in einem Hafen bei A Coruña im Norden von Spanien. Und auch in Moraira, im Norden der Costa Blanca, wurde vor wenigen Tagen ein Hai vor der Küste gesichtet und deshalb Strände gesperrt.

Ebenfalls im Sommer 2021 wurde vor der Küste von Alicante ein Grauwal gesichtet, der sich wohl aus dem Pazifik an die Costa Blanca verirrt hatte. Später wurde er auf Mallorca in kritischem Zustand gesichtet. Bei dem in diesen Tagen am einsamen Strand der Costa Blanca gestrandeten Wal handelte es sich dagegen um ein vergleichbares Tier wie der Finnwal, der im Februar 2021 in Aschkelon im Süden Israels leblos gefunden wurde. Damals meldeten Experten, dass das 17 Meter lange Tier ein Wal-Baby sei. Wahrscheinlich fiel das Tier dort einer Vergiftung durch Teer zum Opfer.

Ob Adam und Eva oder Badehose: Dünen als Teil des Paradieses betrachten

Der recht geräuschlos verlaufene Zwischenfall von El Altet spricht indes dafür, um was für einen einsamen Strand der Costa Blanca es sich handelt. Ein überraschend naturbelassenes Stück Küste im Südosten Spaniens ist dieser Fleck, zwischen den Hochhaus-Siedlungen Urbanova und Arenales, wo derzeit das Horror-Hotel der Costa Blanca abgerissen wird. Eine im Vergleich zu vielen der schönsten Strände der Costa Blanca weniger bekannte, aber sehr kostbare Attraktion der südlichen Küste von Alicante sind die Dünen der Playa, an der vor einigen Tagen der tote Wal strandete.

Gelegen ist der Strand von El Altet im Stadtgebiet von Elche. Besucher können entweder in den Strandsiedlungen Arenales und Urbanova parken und hinlaufen oder einen der beiden Parkplätze an den Dünen nutzen: Der näher an Arenales gelegene ist asphaltiert und bietet für Menschen mit Gehbehinderungen eine Anfahrtsstraße bis zum Strand. Der näher an Urbanova gelegene Parkplatz besteht aus Schotter und wird gern von FKK-Badegästen genutzt. Ob Adam und Eva oder lieber in Badehose: Naturschützer bitten darum, die Dünen der Costa Blanca auch als Teil des Paradieses am Meer zu behandeln.

Toter Wal am Dünen-Strand: Vorsicht beim Betreten

Denn allem Anschein zum Trotz sind die Sandhügel der Costa Blanca nicht bloß leere, unbebaute Fläche mit ein Paar Büschen, sondern Lebensraum vieler Arten von Flora und Fauna. Generell gilt daher: Dünen sollten keineswegs betreten werden, sondern auf dem Weg zum Meer nur über die klar markierten Pfade durchquert werden. Andernfalls kann leicht auf rücksichtslose Weise zartes Leben an dem einsamen Strand zerstört werden. Still und leise, das beklagen Naturschützer, passiert es jedoch immer wieder, dass Besucher sich nicht an die Regeln halten und Pflanzen oder Tiere töten, sogar ohne es zu bemerken.

Toter Wal an Costa Blanca gestrandet: Eine Flosse hatte sich in einem Seil verfangen.

Der Strand, an dem der tote Wal landete, gehört übrigens dem Vorort El Altet an, in dem sich der Flughafen „Miguel Hernández“ von Alicante-Elche befindet. Auch die scheinbar gähnende Leere zwischen dem Flughafen, dem Bezirk Urbanova und dem Dünenstrand ist übrigens ein geschütztes Gebiet, auf dem sich gern Vögel wie Flamingos tummeln, vor allem bei Regen, wenn sich die einstigen Salinen mit Wasser füllen. Genießen sollte man diese Landschaft also mit offenen Augen: Leicht kann Leben, das nicht unbedingt tonnenschwer ist wie ein Wal, übersehen und ausgelöscht werden.

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