Vor einem Sandhaufen diskutieren ein Mann in Förster-Kleidung und eine Picknickerin.
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„Picknicken? Ich?“ Die Düne im Gebirge der Costa Blanca ist heute ein Naturschutzgebiet. Nicht-Käfer dürfen nicht drauf rumtrampeln.

Umwelt in Spanien

Riesige Düne im Gebirge - Kurioses Biotop an Costa Blanca

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Ein Umwelt-Märchen zur Wandersaison an Spaniens Küste. Von einem Käfer, dem der Wind ein Haus baute. Besucher aufgepasst: Das Picknicken auf dem Sandhaufen ist verboten.

Petrer – Es war einmal im Hinterland der Costa Blanca ein kleiner Käfer, Ramiro. Eine Frage trieb ihn um: Wie viele Sterne hat der Himmel? Er fing zu zählen an, schlief aber jedes Mal dabei ein. Da hatte er die Idee, ein Sandkorn für jeden Stern hinzulegen. So könnte er, falls er einschliefe, später weiterzählen. Fertig wurde Ramiro nie. Nun zählen seine Kindeskinder für ihn weiter. Es erwuchs im Gebirge von Petrer die größte Düne im Hinterland des spanischen Festlands. Lange war der riesige Sandhaufen ein Ziel für Picknicker. Heute ist das verboten: Denn der kuriose Haufen ist ein Biotop vieler seltener Arten der Mittelmeerküste von Spanien.

Petrer Gemeinde in Spanien
Höhe: 678 m
Fläche: 104,3 km²

Costa Blanca: Riesiger Sandhaufen im Gebirge - Kurioses Biotop

Ein wunderschönes Kinderbuch, das beim Umweltamt der Stadt zu erhalten ist, erzählt diese Legende vom Entstehen des kuriosen Biotops namens Arenal del Almorxó. Ausgedacht hat sie sich ein Vater, der, wie viele Familien aus Petrer, mit den Kindern oft den riesigen Sandhaufen im Gebirge aufsuchte. Eine sehr liebevolle Beziehung hat der Ort im Hinterland der Costa Blanca zu seiner Düne. Nicht nur das pädagogisch ausgezeichnet gestaltete Buch zeigt das, sondern auch die Routen, mit denen Petrer den Arenal präsentiert. Kein langweiliger Führer, sondern bunte, fröhliche Figuren erklären schauspielerisch, was es mit dem Haufen auf sich hat.

Ob ein übermotivierter Förster, eine weise Kräuter-Oma oder eine hysterische Sammlerin: Alle auf ihre Weise bringen Aspekte dieser größten Düne des spanischen Hinterlands ans Licht. An einer Stelle der theatralisierten Tour an der kuriosen Sandformation rüffelt der Förster eine Frau, die auf dem Sand picknicken will. Das taten bis vor einigen Jahren wie an den schönsten Picknick-Zielen der Costa Blanca immer mehr Bewohner der Gegend. An Feiertagen wie der Semana Santa oder auch an Wochenenden in der Wandersaison war es lange Brauch, mit Decke und Korb den riesigen Sandhaufen zu stürmen. Heute ist das jedoch verboten.

Düne im Hinterland der Costa Blanca: Links Ramiro im Kinderbuch, rechts der echte Käfer aus dem kuriosen Biotop.

Kurioses Biotop im Hinterland: Der Käfer mit der Provinz im Namen

Warum ist das viele Jahre lang gepflegte Picknicken auf der Düne im Gebirge von Petrer heute verboten? Der Grund kriecht und gedeiht im Sand. Der größte Sandhaufen, den ein Hinterland der Iberischen Halbinsel bietet, ist ganz wie die Dünen am Meer ein Biotop voller Leben: Verschiedene Reptilien, Vögel oder Insekten bewohnen ihn, darunter Ramiro. Ja, der Käfer aus der örtlichen Legende existiert. Und er ist ein echtes Unikat: Paratriodonta Alicantina lautet der wissenschaftliche Name des kupferfarbenen Winzlings. Eine der wenigen Spezies, die die Provinz Alicante (die mit der „besten Erde der Welt“) im Namen tragen.

Ein besonderes Faible hat der echte Ramiro vielleicht nicht für den Nachthimmel, sondern auch für die auf dem Sandhügel verbreitete gelbe Pflanze Tamarilla. Sonst findet man sie nur sehr selten in Sandgebieten der Costa Blanca, der Region Murcia oder Albacete. So sehr Petrer seine Düne pflegt, so ganz alt ist sie allerdings nicht. Erst vor 500 Jahren - so die wissenschaftliche Erklärung - entstand der Sandhaufen. In der kleinen Eiszeit, als Felsen in der Gegend von Valencia erodierten, trug der Wind ihre Reste bis nach Petrer, um daraus im Gebirge ein Haus zu bauen: Für einen Käfer, der bis heute nicht gestorben ist.

Auch wenn das Picknicken auf dem Sandhaufen von Petrer heute nicht erlaubt ist, ist ein Ausflug zum Arenal del Almorxó empfehlenswert. Neue Infotafeln entlang des vorbereiteten Rundgangs erklären die Entstehung der Düne im Hinterland sowie die Arten, die das einzigartige Biotop bewohnen. Vom Arenal starten ferner Wanderwege in das Gebirge von Petrer. Auf der Webseite des Rathauses gibt es eine Audio-Führung durch die Gebirgsdüne auf Spanisch und Valenciano. Die Tourismusinfo erklärt, wann jeweils eine neue theatralisierte Route ansteht.

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