Unwetter in Alicante 2019

In Orihuela geht Hochwasser-Gedenken in Corona-Sorgen unter

  • vonStefan Wieczorek
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Ein Jahr nach dem Dana-Hochwasser im Süden von Alicante fiel wegen Corona eine Hommage für Opfer und Helden aus. Ein Flut-Kongress in Orihuela fand aber statt. Klimatologen warnen: Das Unglück kann sich wiederholen.

Orihuela – Am 11. September 2019 ging es an der Costa Blanca los mit den ersten Schauern. Am Freitag, den 13., stand alles unter Wasser. Die Rede ist von der Katastrophe wegen Dana, dem riesigen Gewitter, das den Kreis Vega Baja 2019 überschwemmte. Unglaublich, wie verschwommen heute die Erinnerung an das Unglück wegen der Pandemie ist. Am Wochenende wollte die Kreishauptstadt Orihuela mit einer Hommage an Opfer und Helden der damaligen Ereignisse erinnern. Doch auch das verhindert das Coronavirus.

OrihuelaHauptstadt des Kreises Vega Baja
Fläche384 Quadratkilometer
ProvinzAlicante
Einwohner76.778 (Stand 2018)

Hochwasser in Orihuela vor einem Jahr: Coronavirus verhindert Gedenken

Am 12. September sollte in Orihuela der Akt stattfinden, für „all die, die ohne Rast in jenen so schweren Tagen für Orihuela und Bewohner alles gaben“, wie es Sicherheitsstadtrat Vïctor Valverde (PP) formulierte. Letztendlich entschied sich aber die Stadt, durch die der Fluss Segura aus Murcia kommend fließt, aus Corona-Sicherheitsgründen gegen das Event. Wie ein Tsunami rollte Dana 2019 erst über Orihuela, dann den Rest der Vega Baja. Erst staute sich nach dem Dana-Gewitter das Wasser um die Hauptstadt in tieferen Zonen, etwa um das Hospital, wo es das Erdgeschoss unter Wasser setzte.

Bis heute sind in Orihuela die Bilder von den überschwemmten Krankenhaus-Toiletten und den Wasserfällen an den Bergen in vielen Köpfen. Dann brachen Ufermauern am Fluss Segura, das Wasser flutete Almoradí, Dolores und schließlich auch Guardamar an der Küste. Drei Menschen starben im Kreis, zwei in Orihuela und einer, der ins Wasser fiel, wurde sechs Kilometer weiter in San Fulgencio tot gefunden. Dass es dabei blieb, ist ein kleines Wunder im Unglück, wenn man bedenkt, wie unvorbereitet der Kreis auf die Hochwasser-Katastrophe war.

 „Jedes Mal, wenn Wolken am Himmel erscheinen, fangen wir zu zittern an.“

Emilio Bascuñana, Bürgermeister von Orihuela.

Neues Hochwasser? Orihuela räumt Umgebung auf, damit Regen abfließen kann

Es war aber während des Hochwassers im Süden der Costa Blanca vor einem Jahr auch der große Verdienst der Rettungskräfte – die militärische Nothilfeeinheit UME, Polizei, Rotes Kreuz – die später als Helden groß gefeiert wurden. Doch die Katastrophe kann sich im Raum Alicante wiederholen, warnen Klimatologen. Deshalb befreite in diesen Tagen die Stadt Orihuela die Umgebung von Müll, damit bei einer erneuten, alles andere als unwahrscheinlichen Dana das Wasser geregelter abfließen kann.

Orihuela an der Costa Blanca stand im September 2019 unter Wasser.

Das nach der Flut im Raum Orihuela stark kritisierte CHS, das Wasserwirtschaftsamt des Flusses Segura, reparierte monatelang die Schäden am Ufer und kündigte an, das Becken weiter von Müll und Gräsern zu befreien. Das Land Valencia zahlt derweil nach und nach Entschädigungen. Über zwölf Millionen Euro flossen aus Valencia für 8.000 Haushalte. Auf 21 Millionen stieg der Fonds für zerstörten Hausrat, 30 Millionen entschädigen für kaputte Gebäude. Wegen der Corona-Krise verzögern sich die Hilfen aber.

Wegen Coronavirus kam Hilfe für Hochwasser-Opfer zum Erliegen

Wegen der Pandemie in Spanien kam eine der Direkthilfen aus Valencia für das Katastrophengebiet bei Alicante sogar ganz zum Erliegen. Auf Aufbaugelder von der Staatsregierung in Madrid warte Orihuela gänzlich, kritisiert das PP-geführte Rathaus. Ein Hoffungsschimmer: Entstanden ist an der Costa Blanca im Laufe des Jahres „Vega RenHace“, ein Gremium aus Akademikern, Ingenieuren und Ökologen, das nachhaltige Maßnahmen zum Schutz gegen Überschwemmungen finden soll.

Präsentiert wurden erste Ideen auf dem Nationalen Kongress gegen Überschwemmungen, der am 10. und 11. September in Orihuela - trotz Coronavirus-Krise - immerhin nicht abgesagt wurde. Zur Sprache kamen eine modernisierte Wasserwirtschaft, der Umbau von Infrastrukturen, aber auch die gesellschaftliche Umweltbildung. Die Experten sind einig: Nur gemeinschaftlich können Politik, Unternehmen, Schulen und Bürger erneute Hochwasser-Katastrophen am Fluss Segura stoppen.

Wie es Orihuela ein Jahr nach dem Dana-Hochwasser geht, brachte Bürgermeister Emilio Bascuñana in einem Interview in diesen Tagen auf den Punkt: „Jedes Mal, wenn Wolken am Himmel erscheinen, fangen wir zu zittern an." Mit Spannung verfolgt die Costa Blanca also jeden Wetterbericht im Herbst.

Rubriklistenbild: © Ángel García

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