Holzhäuschen mit Stufen am See vor Gräsern in Spanien
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Costa Blanca: Schüsse im Naturpark - Beobachtungspunkt im El Hondo.

Artenschutz in Spanien

Costa Blanca: Jäger im Naturpark - Ökologen klagen Rathaus an

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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Eigentlich setzt Spanien auf El Hondo, den Naturpark von Elche, im Artenschutz. Doch auch Jäger haben offenbar freie Hand. Die Vorwürfe sind heikel.

Elche – Wie schön man hier aufatmen kann, freut man sich im Naturpark El Hondo an der Costa Blanca. So viel Stille, so viel Raum für die Natur, damit sie sich erholt. Nichts als Plätschern, Flattern, während die Gräser im Wind flüstern. Was sie zu sagen haben? Vielleicht nicht nur Gutes. Vielleicht erzählen sie, was sie in der Nacht hören: Schüsse. Jäger seien im Naturpark wieder sehr aktiv, mahnen die Ökologen von Ahsa. Die Folge: Eine arg bedrohte Art aus Spanien, die Marmelente, sei hier wieder nah an der Ausrottung.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante

Costa Blanca: Jäger im Naturpark - Ökologen auf Rathaus sauer

Eigentlich gilt El Hondo, der vom Rathaus Elche verwaltete Naturpark, als Oase bedrohter Arten wie die Marmelente. Hunderte Paare entließ hier das Land Valencia in den vergangenen Jahren zum Brüten. Aber es nütze nichts, klagt Ahsa, wenn „politischer Druck“ über allen wesentlichen Umweltkriterien stehe. Jägern würde im Naturpark freie Hand gelassen, damit sie ihre Schüsse auf selbst gefährdete Arten abfeuern können.

Die Vorwürfe der Ökologen sind heikel. Elche, von Sozialisten (PSOE) und Grünen (Compromís) regiert, will 2030 Umwelthauptstadt werden. Immer wieder ist von Maßnahmen für Naturschutzzonen zu lesen: Hier eine Kampagne, da ein Häuschen zur Vogelbeobachtung.

Aber glaubt man Ahsa – einer respektierten Organisation der Costa Blanca – weiß im Rathaus die eine Hand nicht, was die andere tut: Einerseits Vögel retten, andererseits Schüsse auf sie zulassen. Dass Ahsa ausgerechnet den Fall der Marmelente vorbringt, erhebt die Vorwürfe gar auf eine nationale Ebene. Denn: Im März beschloss die Regierung von Spanien einen großen Plan zur Rettung des sehr gefährdeten Vogels.

Costa Blanca: Schüsse im Naturpark - Wo mehr Marmelenten überlebten

Für sechs Millionen Euro – zu 75 Prozent EU-bezahlt – sollen in vier Jahren 3.000 Hektar Feuchtgebiete entlang der Mittelmeerküste von Spanien hinzugewonnen werden, zugunsten der Marmelente. Das „Life“-Projekt wurde im März sogar in einem feierlichen Akt ausgerechnet im Naturpark El Hondo vorgestellt, – wo nachts die Schüsse der Jäger ertönen – weil das Gebiet allgemein als Pfeiler für den Rettungsplan gilt.

Umwelt der Costa Blanca leidet: Bedrohte Marmelente.

Gleichzeitig zur Kritik am Umgang mit dem Naturpark an der Costa Blanca lobten die „Freunde der Feuchtgebiete im Süden von Alicante“ den anderen Naturpark von Elche, Clot de Galvany. Dort habe die Marmelnte den Winter erstaunlich gut überlebt. Achten auch Sie bitte – selbst beim Vorbeifahren an solchen Zonen – auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen zum Schutz der Tiere. Ein fantastisches Video aus El Hondo stellte übrigens die Uni Alicante zum Tag des Wassers, 22. März online. Zu sehen ist es auf Youtube unter „Hidrogeodía 2021“.

Lesen Sie auch unsere ausführliche Reportage über die Marmelente, einen Vogel des Mittelmeers, der auch dank deutscher Zoos kurz vor dem Aussterben gerettet wurde.

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