Beamte der Polizei brechen eine Tür in Spanien auf
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Menschenhandel an Costa Blanca: Mit einer Razzia im Univiertel beendete die Nationalpolizei die Hölle für das jugendliche Opfer.

Kriminalität in Spanien

Costa Blanca: Jugendliche in Uni-Viertel als Prostituierte missbraucht

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Drei Männer aus Spanien warben auf einer Webseite mit intimen Fotos eines Mädchens um Kunden. Auch weitere bestürzende Fälle des Menschenhandels und sexueller Internet-Kriminalität konnte die Nationalpolizei in diesen Tagen an der Costa Blanca lösen.

Elche - Als modernes Uni-Viertel gilt Altabix in Elche an der Costa Blanca. Für ein Kind wurde es jedoch zur Hölle. Die 16-jährige Spanierin wurde als Prostituierte missbraucht. In einer Wohnung wurde die Jugendliche regelmäßig dazu gezwungen, intime Fotos von sich machen zu lassen und mit Freiern Geschlechtsverkehr zu haben. Bei einer Razzia gelang es der Nationalpolizei vor einigen Tagen, den Menschenhandel zu beenden und die mutmaßlichen Täter zu fassen: Drei Männer, 33 bis 41 Jahre alt, allesamt aus Spanien.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
RegionValencia

Costa Blanca: Jugendliche in Uni-Viertel als Prostituierte missbraucht

Auf die Schliche kam den Männern, die die Jugendliche im Uni-Viertel an der Costa Blanca als Prostituierte missbrauchten, zunächst die Ortspolizei. Daraufhin übernahm die Sondereinheit der Nationalpolizei gegen den Menschenhandel (Ucrif). Nach mehreren Wochen der Ermittlungen stellte die Sondereinheit fest, wer die Täter waren und wie sie handelten. Die Verhafteten luden die freizügigen und anregenden Fotos der Minderjährigen auf eine Webseite, über die sie Kunden anlockten. Angegeben wurde ein erwachsenes Alter des Opfers sowie die Telefonnummer eines der Täter.

Der 33-jährige Verhaftete gab sich als Partner der Jugendlichen aus, kontrollierte in Wirklichkeit jedoch das Geschäft mit ihrem Körper. Scheinbar versprach der Kriminelle ihr die Liebe, missbrauchte sie jedoch in Wirklichkeit als Ware des Menschenhandels an der Costa Blanca. Nachdem es der Nationalpolizei von Spanien gelang, die gerichtliche Erlaubnis für eine Fahndungsaktion zu bekommen, brachen die Beamten in die Wohnung im Uni-Viertel Altabix von Elche ein und machten der Hölle auf Erden ein Ende.

Costa Blanca: Menschenhandel und digitale Kriminalität - Jugendlichen im Internet verführt

Immer wieder sorgen Nachrichten von Banden, die sich durch Menschenhandel bereichern, an der Costa Blanca für Aufsehen. Kürzlich etwa befreite die Nationalpolizei mehrere behinderte Migranten, die in Alicante als Bettler missbraucht worden waren. Im Hinterland der Costa Blanca war eine Algerierin ein Jahr lang in einer Garage eingesperrt worden. Experten aus unterschiedlichen Bereichen warnen vor dem Aufschwung des Menschenhandels und auch der digitalen Kriminalität mit der Sexualität - besonders oft auf Kosten von Jugendlichen.

Kurz nach der Befreiung der Jugendlichen, die im Uni-Viertel als Prostituierte missbraucht worden war, funkte die Nationalpolizei eine weitere Nachricht: In Orihuela im Süden der Costa Blanca wurde ein 55-Jähriger verhaftet, der im Internet ein Treffen zum Geschlechtsverkehr mit einem 14-Jährigen abgemacht hatte. Kurz bevor es dazu kam, griff die Nationalpolizei ein. Zum Glück hatten die Eltern des Jugendlichen aufgepasst und um Hilfe gerufen.

Costa Blanca: In dieser schicken Univiertel-Wohnung missbrauchten die Täter die Jugendliche als Prostituierte.

Die Nationalpolizei warnt: Die Verführung von Jugendlichen im Internet ist eine ernste Gefahr. Immer mehr ältere Nutzer geben sich auf Dating-Portalen als jünger aus, um sich durch Bilder von oder Kontakte mit jungen Menschen sexuell zu befriedigen. Ein besonders tragisches Beispiel ist Patricia Aguilar aus Elche, die als Jugendliche durch einen Sektenführer bis nach Peru gelockt wurde, wo sie als Sklavin und Prostituierte in einem Harem leben musste.

Menschenhandel an Costa Blanca: Sechs Opfer aus Paraguay befreit

Am 8. Juni 2021 gab die Einheit der Nationalpolizei gegen den Menschenhandel bekannt, dass sie an mehreren Orten Spaniens acht mutmaßliche Täter gefasst hatte, die sechs Menschen als Prostituierte missbraucht hatten. Offenbar suchte die Bande gezielt nach Menschen im Ausland, die sie unter falschen Versprechen nach Spanien schleuste. Das ist eine weit verbreitete Praxis in dieser menschenverachtenden Form der Kriminalität. In diesem Fall handelte es sich um Opfer aus Paraguay. Sie mussten sich in einer kleinen Stadt bei Cuenca prostituieren.

Die Anführer der Bande sagten den Opfern, dass sie auf diese Weise Schulden abbezahlen müssten: Ebenfalls ein typisches Muster, mit dem Kriminelle ihre Opfer in Schach halten. An die 150.000 Euro habe die Bande dadurch im vergangenen Jahr eingenommen, rechnen die Ermittler. Von den acht Tatverdächtigen wurde einer an der Costa Blanca gefasst - in Alicante.

Wie kann man dem Menschenhandel Einhalt gebieten? Die Einheit der Nationalpolizei gegen den Menschenhandel bittet Bürger (auch Kunden von Prostituierten) um Hilfe dabei, Täter zu fassen und Opfer zu befreien. Kontaktieren kann man die Polizei-Einheit „Unidad contra la Trata de Seres Humanos“ unter folgenden Daten, auch anonym:

Telefon: 900 10 50 90
Email: trata@policia.es
Twitter: @policia
Hashtag: #contralatrata

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