Ein Beamter steht in einem Viertel neben einem Polizeiwagen.
+
Im Brennpunktviertel Los Palmerales in Elche wurde die Migrantin in der Wohnung erschossen.

Mann tötet Partnerin

Costa Blanca: Junge Mutter in Wohnung erschossen - Polizei verhaftet mutmaßlichen Täter

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
    schließen

Am Weihnachtsabend starb die kürzlich nach Spanien eingewanderte Mutter zweier kleiner Kinder. Offenbar tötete sie ihr Partner, den die Polizei nun verhaftet hat. In der Stadt versammelten sich Bürger zum Protest gegen häusliche Gewalt.

Update, 30. Dezember: Die Polizei hat den Lebensgefährten der ermordeten Frau aus Elche als mutmaßlichen Täter verhaftet. Beamte der Nationalpolizei nahmen den 21-Jährigen in der Nacht zum Donnerstag, 30. Dezember, in einer dramatischen Aktion fest. Der Mann hatte sich in der Wohnung seiner ehemaligen Partnerin im Viertel Carrús von Elche verschanzt und die Mitbewohnerinnen der Frau als Geiseln genommen. Die Polizisten konnten die Frauen über eine benachbarte Wohnung befreien, der mutmaßliche Mörder gab mehrere Schüsse auf die Beamten ab. Verletzt wurde niemand.

Erstmeldung, 28. Dezember: Elche - Nur 25 Jahre jung wurde eine Frau aus Paraguay, die in Elche an der Costa Blanca lebte. Am Weihnachtsabend, 25. Dezember, starb sie in ihrer Wohnung des als sozialer Brennpunkt geltenden Viertels Los Palmerales. Offenbar tötete sie der Mann, mit dem sie seit einigen Monaten eine Beziehung geführt hatte. Der mutmaßliche Täter bleibt bisher flüchtig. Laut Polizei wohnte die Migrantin in Spanien mit Verwandten und ihrem neunjährigen Sohn. Die junge Mutter hinterlässt auch eine dreijährige Tochter, die in Paraguay lebt.

Costa Blanca: Migrantin stirbt in Brennpunktviertel - Erschossen in Wohnung

Aus nächster Nähe habe der Täter der Frau in den Kopf geschossen, berichten die Beamten der Kriminalpolizei von Elche. Der Mann, mit dem die junge Mutter eine Beziehung führte, war im Viertel für seine Gewaltbereitschaft bekannt und wegen anderer Delikte vorbestraft. Allerdings waren im System VioGen gegen häusliche Gewalt des Innenministeriums von Spanien bisher keine Anzeigen gegen ihn eingegangen. An der Costa Blanca war vor einigen Tagen in Torrevieja eine Frau durch ihren Partner getötet worden.

Unter vielen Bewohnern der Costa Blanca sorgte der Fall der getöteten Migrantin für Bestürzung. Das Frauenkollektiv Coordinadora Feminista von Elche organisierte am Dienstag eine Demo gegen häusliche Gewalt, wobei am Rathaus und vor der Vertretung von Spaniens Zentralregierung in Alicante eine Schweigeminute für Betroffene abgehalten wurde. Auch die spanische Gleichberechtigungsministerin Irene Montero (Unidas Podemos) äußerte ihre Solidarität und forderte zum Kampf gegen die Gewalt an Frauen auf.

Zum Thema: Häuslicher Gewalt an Costa Blanca entkommen - Aus Opfer wird Autorin

In vielen Städten Spaniens demonstrieren Bürger im November für ein Ende der Gewalt gegen Frauen.

Häusliche Gewalt boomt im Milieu der sozial Schwachen

In Spanien starben im Jahr 2021 bisher 43 Frauen durch häusliche Gewalt und hinterließen 30 Kinder. Seit Beginn der entsprechenden Zählung verloren in Spanien 1.125 Frauen durch besagte Form der Gewalt das Leben. Experten warnen: Insbesondere im Milieu der sozial Schwachen, Migranten oder Menschen ohne Papiere, ist die Gefahr, in eine Spirale der Gewalt zu geraten besonders groß. Auch durch die Bedingungen der Coronavirus-Pandemie habe sich das Drama häuslicher Gewalt verschlimmert, heißt es.

Das Viertel an der Costa Blanca, in dem die junge Mutter in ihrer Wohnung erschossen wurde, ist dem Rathaus Elche als Zone sozialer Nöte bekannt. Eine Woche vor dem tödlichen Drama besuchten Bürgermeister Carlos González (PSOE) mit dem Minister der Region Valencia für Wohnungswesen, Héctor Illueca (Unidas Podemos), den Bezirk Los Palmerales. Der Grund war der Einsturz eines Treppenhauses in einem von Hausbesetzern bewohnten Gebäude. Die Politiker kündigten vor Ort zudem den Bau eines neuen Wohnblocks an.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare