Eine Straße mit geparkten Autos und einer Bar wird in der Nacht von Wasser überschwemmt.
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Eine plötzliche Überschwemmung suchte die Costa Blanca in der Nacht zum Mittwoch heim.

Klima in Spanien

Kleiner Tsunami an Costa Blanca: Wetterphänomen sorgt für plötzliche Überschwemmung

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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In der Nacht zum Mittwoch standen am Hafen von Santa Pola die Straßen unter Wasser. Das Meer war in Windeseile um einen Meter gestiegen. Das Phänomen hat wohl mit der Hitzewelle zu tun.

Santa Pola - Eine plötzliche Überschwemmung hat in der Nacht zum Mittwoch die südliche Costa Blanca heimgesucht. Am Hafen von Santa Pola standen etwa um 3 Uhr die Straßen unter Wasser. Laut örtlicher Polizei kam es zu mehreren Schäden. Auch der Fischer-Flotte habe der plötzliche Meeresanstieg Probleme bereitet. Ähnliches meldete die Stadt Guardamar. Der „plötzliche und starke“ Anstieg des Meeres habe jedoch „keine bedeutenden Schäden“ angerichtet, erklärte hier das Rathaus. Laut Polizei steckte ein Wetterphänomen dahinter. Ein Wetter-Experte bestätigt: Es handelte sich sogar um einen kleinen Meteo-Tsunami.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
Autonome RegionComunidad Valenciana

Überschwemmung an Costa Blanca: Experte erklärt Meteo-Tsunami

Mehrere Zeugen der plötzlichen Überschwemmung meldeten sich am Morgen auf sozialen Netzwerken zu Wort. Gustavo Leonis etwa beschreibt das Phänomen als „spektakulär“. Ihm „standen die Haare zu Berge“. Im Hafen wurden mehrere Fischerboote mitgerissen. Aus heiterem Himmel, in einer ruhigen Nacht, stieg das Wasser in Sekundenschnelle an. Zum Glück stoppte der Anstieg so schnell, wie er begann, sodass etwa nur der untere Teil der Reifen der geparkten Autos unter Wasser gesetzt wurde. Auch der regionale Wetterdienst MeteOrihuela berichtete, verzichtete jedoch zunächst darauf, es als Meteo-Tsunami zu deuten.

Die Gründe für die plötzliche Überschwemmung an der Costa Blanca müssten noch ermittelt werden, schrieb MeteOrihuela. Als Folge eines Wetterphänomens interpretierte den geheimnisvollen Anstieg des Meeres später Jorge Olcina, Leiter des Klimalabors der Universität Alicante. Die heiße Sahara-Luft, die in diesen Tagen für eine starke Hitzewelle an der Costa Blanca und in ganz Spanien sorgt, habe für einen enormen Druckabfall über dem Meer gesorgt, der diesen kleinen Meteo-Tsunami auslöste. Tatsächlich sei die Überschwemmung von einem plötzlichen starken Windstoß begleitet gewesen, berichteten Zeugen.

Kein Zusammenhang mit Erdbeben vor Santa Pola - Welche Rolle Gezeiten spielen

Eine solche plötzliche Überschwemmung erlebten Teile der Costa Blanca zuletzt 2017. Ausgelöst wird ein Meteo-Tsunami durch das Wetter, nicht durch ein Erdbeben. Letzteres vermuteten Bewohner zunächst im Falle der gerade eingetretenen kleinen Flut. Schließlich hatte bereits am 5. August bei Santa Pola die Erde mit Stärke 2,5 gebebt. Hatte sich das Beben in der Nacht zum Mittwoch wiederholt, und so die plötzliche Überschwemmung ausgelöst? Laut Experte Jorge Olcina kommt diese Theorie nicht infrage. Sicher sei die Überschwemmung durch die heiße Sahara-Luft ausgelöst worden und habe mit der Hitzewelle zu tun.

Allerdings warnen Experten, dass durchaus größere, durch Erdbeben ausgelöste, Überschwemmungen an der Costa Blanca möglich seien. Was als Ursache von Hochwasser an der Küste eher wegfällt, sind dagegen Gezeiten. Zwar gibt es im Mittelmeer tatsächlich Ebbe und Flut. Doch äußern sich die Gezeiten hier viel schwächer als etwa an der Nordsee. Der Grund ist die Lage des Mittelmeers und seine deutliche Trennung vom Atlantik durch die Meerenge von Gibraltar. Dadurch werden weniger große Wassermengen durch die Anziehungskräfte des Mondes und die Fliehkraft der Erde hin- und herbewegt.

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